Bauarbeiten auf der A 4 bei Nossen: Alternativrouten im Test

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Die Brückenbauarbeiten bei Nossen sollen bis zum 31.August beendet sein. Bis dahin ist Stau vorprogrammiert.

Freiberg.

Auf der Autobahn 4 dauert die Fahrt von Siebenlehn bis zum Dreieck Dresden West keine 20 Minuten - wenn nicht gerade Stau ist. Denn wegen der Bauarbeiten an zwei Brücken kommt es auf dem rund 23 Kilometer langen Abschnitt insbesondere zwischen dem Nossener Dreieck und der Anschlussstelle Wilsdruff zu Behinderungen mit zähem Verkehrsfluss bis hin zum Stillstand. "Freie Presse" hat drei Alternativrouten zum Dreieck Dresden West getestet.

1. Via Wilsdruff (28 km, 34 min): Auf der B 101 geht es zügig nach Nossen. In der Stadt tauchen die ersten Tempo-30-Schilder auf; das setzt sich durch Eula, Deutschenbora, Tanneberg, Limbach und Wilsdruff fort. Die Straße ist gut und ausreichend breit, führt in Wilsdruff aber mitten durch die Stadt. Entlang der Strecke haben Anwohner Schilder mit der Aufschrift "Autobahn 4 - nicht hier" und "Lärm macht krank" oder Kinderspielzeug an die Straße gestellt; auf einem Dreirad sitzt eine kindsgroße Strohpuppe.

Auffällig sind auch die Polizeiautos, die sowohl am Kreisverkehr in Obereula als auch in der Gegenrichtung eingangs der Nossener Straße in Wilsdruff stehen - die Staatsstraße 36 ist seit über einem Monat für Lkw gesperrt, nur Lieferfahrzeuge dürfen passieren. Liegt die Polizeipräsenz daran, dass Innenminister Roland Wöller (CDU) hier seinen Wahlkreis hat? Das vermutet zumindest Volker Hönig von der Bürgerinitiative Reinsberg-Dittmannsdorf. Kontrolliert werde auch auf der Staatsstraße 195, also der Reinsberger Seite, erklärt Jana Ulbricht von der Polizeidirektion Chemnitz. Allerdings nur innerhalb der Streifentätigkeit, so die Pressesprecherin weiter: "Standkontrollen analog der Dresdner Kollegen an der S 36 zwischen Deutschenbora und Wilsdruff haben wir nicht durchgeführt." Das wäre auch rein von den örtlichen Gegebenheiten her schwierig: "Anhalte-, aber insbesondere Wendeoptionen für Lkw gibt es nahezu nicht."

2. Via Reinsberg (32 km, 38 min): Schon bei Siebenlehn steht an der B101 das erste Hinweisschild zum Lkw-Verbot auf der Strecke über Reinsberg und Dittmannsdorf. Der Landkreis Mittelsachsen hat nachgezogen, nachdem der Reinsberger Bürgermeister Bernd Hubricht wegen der Lkw-Sperre im Nachbarlandkreis Alarm geschlagen hatte. Der CDU-Politiker fürchtete noch mehr Brummiverkehr durch seine Orte, wenn Stau auf der Autobahn ist. "Der Fehler ist, dass die A 17 nach Prag nicht ab Dreieck Nossen, sondern nahe bei Dresden gebaut worden ist", so Hubricht. Dadurch werde mehr Verkehr auf die A 4 geleitet - "ohne dass es eine offizielle Umleitung für den Abschnitt gibt".

Letztere soll laut Hubricht über Wilsdruff führen - allerdings müsse dafür erst eine Ortsumgehung um die Stadt gebaut werden. Die Route über Reinsberg wäre denkbar ungeeignet. Bis zum Zollhaus Bieberstein ist die Straße noch passabel, aber dann wird sie so eng und kurvenreich, dass Pkw anhalten müssen, wenn ein Bus entgegenkommt. In allen Orten bis Mohorn gilt Tempo 30, eine Mittellinie fehlt. Die Bankette sind größtenteils zerfahren und stellenweise hilfsweise asphaltiert, um ein Ausweichen bei Gegenverkehr zu ermöglichen. Die "Staatsstraße" 195 wäre in weiten Teilen auch als Stoßdämpfer-Teststrecke geeignet.

3. Über Freiberg (50 km, 61 min): Lkw-Fahrern bleibt als Alternative bei Stau auf der A 4 nur der gut doppelt so lange Weg über Freiberg. Wenn dann noch, wie am Dienstagnachmittag, die B 101 in Kleinwaltersdorf wegen eines Unfalls gesperrt ist, benötigen selbst Pkw-Fahrer, die über Großschirma und das Münzbachtal ausweichen, mehr als das Dreifache der Zeit. In Freiberg geht es auf dem Meißner Ring/Donatsring zäh voran, rund fünf Minuten Fahrzeit kosten allein die 1300Meter auf der Verbindung zur B 173. Dann aber rollt es gen Dresden zügig.


Brückenschäden zwingen Autobahnbetreiber zum Handeln 

Bis 31. August 2021 soll es auf der Autobahn 4 zwischen der Anschlussstelle Wilsdruff und dem Autobahndreieck Nossen in beiden Fahrtrichtungen zu Verkehrsbehinderungen kommen. Das hat Thorsten Rietbrock von der Autobahn GmbH des Bundes mitgeteilt. Seit April dieses Jahres werde an der Triebischtalbrücke und der Triebischseitentalbrücke bei Wilsdruff in Fahrtrichtung Görlitz gearbeitet. Der Verkehr werde auf jeweils zwei Spuren am Baubereich vorbeigeleitet, so der Pressesprecher der Niederlassung Ost in Halle an der Saale weiter. Die Arbeiten lägen im Plan, ab dem 12. August würden die Anlagen zur Verkehrsführung zurückgebaut, Mittelstreifenüberfahrten geschlossen sowie Markierungen erfolgen.

Der Verkehr wird laut Rietbrock bewusst nicht in das untergeordnete Netz geführt: "Der vierspurige Verkehr über eine Seite ist die günstigste Lösung - so lange sich alle Verkehrsteilnehmer an die Regeln halten." Im vorigen Jahr sei bereits die andere Brückenseite saniert worden; die Erfahrungen daraus seien in die jetzige Verkehrsführung eingeflossen. (jan)


Das sagen die Anwohner 

Dietrich Gelfert aus Dittmannsdorf ist erleichtert, dass der Lkw-Verkehr durch seinen Wohnort von der mittelsächsischen Verkehrsbehörde eingeschränkt worden ist: "Es sind viel zu viele und zu große Lkw unterwegs. Die Straße wurde dafür nicht ausgebaut, es gibt viele enge Stellen und Kurven. Jetzt ist die Belastung deutlich geringer. Vor der Sperrung konnte man kaum über die Straße gehen."


Bernd Quaschnewski wohnt im benachbarten Landkreis Meißen in Tanneberg an der Staatsstraße 36 gegenüber der Bushaltestelle: "In der Schulzeit müssen die Kinder hier langlaufen. Viele Eltern haben deshalb Kinderspielsachen und Warnwesten am Weg angebracht. Die Polizei müsste viel mehr kontrollieren, ich muss manchmal 15 Minuten warten, um aus meiner Ausfahrt auf die Straße zu kommen."


Nicole Kühne mit Tochter Emely aus Neukirchen berichtet, dass die Ortsdurchfahrt in ihrem Wohnort tagsüber von vielen Lkw-Fahrern als Umleitungsstrecke genutzt werde. Das wisse auch schon ihre vierjährige Tochter: "Man muss da wirklich in Gänsemarsch am äußersten Straßenrand laufen, Kinder an die Hand nehmen." Sie wünsche sich mehr Aktivitäten von Anwohnern wie im Nachbarort Tanneberg, wo auf die Gefahren durch den starken Straßenverkehr aufmerksam gemacht werde.

 

 


Dirk Titze aus Reinsberg ärgert sich darüber, dass die Lastkraftwagen morgens ab 5 Uhr über die Talstraße vor seiner Haustür donnern: "Die kennen kein Tempolimit. Vor allem Kraftfahrer aus dem Nachbarland Polen scheint das überhaupt nicht zu interessieren." Seiner Meinung nach müsste die Polizei vor Ort durchgreifen und für Verkehrsverstöße sofort abkassieren. (mer)

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