Corona: Das ist die Lage in Mittelsachsen am Montag

Ein Orchester, das online zusammen probt und Hoteliers, die schnelle finanzielle Hilfe fordern: So ist die Lage am Montag.

Fälle: Im Landkreis Mittelsachsen gibt es 35 Fälle, am Freitag waren es noch 24. Bei den Neu-Erkrankten handelt es sich laut Landratsamt vor allem um Kontaktpersonen, bei vier Leute konnte der Ursprung nicht festgestellt werden. Zwei der Neuinfizierte kommen aus dem Raum Döbeln, fünf aus der Region Freiberg und vier aus dem Raum Mittweida, der Jüngste ist 21, der Älteste 87 Jahre alt. 105 Personen befinden sich in Quarantäne.

Die Hotline: Das Bürgertelefon des Gesundheitsamtes in Mittelsachsen ist täglich, 9 bis 16 Uhr, und Dienstag und Donnerstag von 9 bis 18 Uhr unter der 03731 799-6249 erreichbar - auch für Gehörlose und Hörgeschädigte. Fragen werden dann via Internettelefonie beantwortet. Zum Gebärdentelefon gelangen Sie hier.  Das Gebärdentelefon ist von Montag bis Donnerstag von 8 bis 18 Uhr sowie am Freitag von 8 bis 12 Uhr erreichbar.

Wertstoffhöfe: Alle Wertstoffhöfe im Landkreis Mittelsachsen bleiben vorerst geschlossen. Das teilte das Unternehmen Entsorgungsdienste Kreis Mittelsachsen (EKM) am Montag mit. Demnach wird das illegale Abladen von Abfällen, insbesondere vor Wertstoffhöfen und an Standplätzen des Schadstoffmobils, angezeigt und kann mit Bußgeldern bis zu 100.000 Euro bestraft werden. Auch die Sammlung des Schadstoffmobils und die kommunale Problemstoffannahme bei der Firma FNE Freiberg werde ab Dienstag, 24. März, vorläufig eingestellt.

Wie bisher laufe die Entsorgung der Abfälle (Rest-, Bio-, Papier- und Verpackungsabfall) sowie die Abholung des Sperrmülls, für den bereits Termine vergeben wurden. "Bitte stellen Sie Ihre Abfallbehälter am Vorabend des Entsorgungstages bereit", appelliert EKM an die Bürger. Das Unternehmen sei bemüht, nach Normalisierung der Lage schnellstmöglich wieder die gewohnten Entsorgungsleistungen anzubieten. "Bis dahin bitte den Slogan beachten ,Wir bleiben zu Hause‘", so EKM. Die aktuellsten Informationen zur Abfallentsorgung im Landkreis Mittelsachsen erhalten Sie unter www.ekm-mittelsachsen.de oder telefonisch unter 03731-2625-0/-41/-42/-44. (hh)

Toilettenpapier: In Flöha hat sich Eismanufaktur-Betreiber Daniel Ivandic hat sich etwas einfallen lassen. Der 39-Jährige hat in Flöha die erste Drive in-Toilettenpapier-Station. Dort kann man zugreifen und sich kostenlos bedienen. Aber: Bitte nicht hamstern! Flöha lockt mit erster Drive-in-Station für Toilettenpapier

Hygiene: Obwohl Supermärkte von den seit Montag geltenden Beschränkungen für den Handel in Sachsen nicht betroffen sind, sind die zum Beispiel die Kunden des Kaufland-Marktes in Mittweida am Montag mit verschärften Hygienemaßnahmen konfrontiert worden. So bittet am Eingang ein freundlicher Mitarbeiter jeden Kunden darum, die Griffe des Einkaufswagens desinfizieren zu dürfen. An den Kassen weisen schwarz-gelbe Klebestreifen auf den einzuhaltenden Abstand von zwei Metern in der Schlange hin, die sich aber am Montagnachmittag auch nicht gebildet hat. Denn es waren vergleichsweise wenig Kunden auf den Fluren zwischen den Regalen zu sehen.

Sächsisches Oberbergamt: Seit dem heutigen Montag arbeitet die Bergbehörde in Freiberg vollständig dezentral über Homeoffice. Lediglich ein minimaler Notdienst sichert zentrale Aufgaben in den Räumen des Oberbergamts, heißt es in der Pressemitteilung.

Jagd: Einzeljagden dürfen weiterhin stattfinden. Das meldet das Landratsamt. Die Einzeljagd sei ein "triftiger Grund" im Sinne der Allgemeinverfügung, die das Coronavirus eindämmen soll. Vorraussetzung ist, dass das allgemeine Kontaktverbot eingehalten wird, die Jagd also entweder allein oder in Begleitung des Lebenspartners beziehungsweise Angehörigen des eigenen Hausstands stattfindet.

Ausgangssperren: In Mittweida scheint das öffentliche Leben am Montag überwiegend in einen auffälligen Ruhezustand versetzt zu sein. Die Menschen halten sich überwiegend an die im Land verhängte Ausgangsbeschränkung zur Eindämmung der Corona-Pandemie: Auf den Fußwegen und Plätzen waren bei strahlenden Sonnenschein nur selten Menschen unterwegs und wenn, dann sind meist nie mehr als zwei Leute nah beieinander. Selbst in dem noch in der vorigen Woche von vergleichsweise vielen Mittweidaern frequentierten Park am Schwanenteich herrschte gähnende Leere. Dementsprechend hatten die Mitarbeiter des Ordnungsamtes am Montag kaum Verstöße gegen die neuen Ausgangsregelungen festgestellt, sie mussten laut Oberbürgermeister Ralf Schreiber (CDU) lediglich in wenigen Fällen darauf hinweisen, dass sich Menschen wie in einem Fall vor einem Imbiss nicht versammeln sollte. Dort standen fünf bis sechs Menschen dicht beieinander. Die Schließung von Geschäften, wie zum Beispiel von Friseurläden, musste laut Schreiber nicht durch das Amt durchgesetzt werden, es wurde lediglich kontrolliert. Ob die Stadt in den nächsten Tagen für diese Aufgaben mehr Personal benötigt, sei derzeit nicht absehbar. "Wir reagieren nach Bedarf. Bisjetzt sind unsere Kontrollen ausreichend", so der Oberbürgermeister. (jl)

In Freiberg ermahnten Mitarbeiter des Ordnungsamtes, die die Polizei unterstützen, vereinzelt Bürger auf offener Straße, Gruppenbildungen zu vermeiden. Zudem wiesen sie in Gaststätten darauf hin, dass ausschließlich Hol- und Bringedienste zugelassen sind, nicht jedoch das Hinsetzen. Das sagte Oberbürgermeister Sven Krüger auf Anfrage. Seinen Angaben nach gibt es Probleme bei der Auslegung der Ausgangsbeschränkung. So seien bereits Fragen zum Wohnumfeld aufgetaucht: Wie weit ist dies gefasst? Dazu Krüger: "Grob kann man dazu sagen, dass zum Wohnumfeld gehöre, was fußläufig erreichbar ist." Eine weitere Frage sei gewesen, ob man in seinen Garten im Nachbarort fahren darf. Dazu Krüger: "Ja, wenn auch man auch dort auf die sozialen Kontakte verzichtet." (hh)

In der Stadt Frankenberg wird die seit Montag geltende Ausgangsbeschränkung dem Anschein nach eingehalten. Während der Markt am Montagnachmittag gegen 16 Uhr wie leergefegt war, nutzten einige Bürge das sonnige Wetter für einen Spaziergang. Dabei waren nur Paare und keine Gruppen zu sehen, unter anderem im Mühlbachtal. Der Parkplatz unterhalb der Sachsenburg war zu diesem Zeitpunkt voll belegt. Auch hier genossen die Menschen das Frühlingswetter. Derweil begegnet die Stadtverwaltung mit einer außergewöhnlichen Maßnahme der Verbreitung des Corona-Virus: An allen von der Kommune bewirtschafteten Parkplätzen können die Parkautomaten nicht mehr bedient werden. Sie wurden überklebt mit dem Hinweis, dass die Automaten "im Rahmen des Infektionsschutzgesetzes und zum Schutz vor einer Infektion" bis auf Weiteres außer Betrieb sind.

Die Straßen in Hainichen sind am Montag vergleichsweise menschenleer gewesen. Nur Einzelne huschten über den Marktplatz, um Besorgungen in den wenigen noch offenen Geschäften zu erledigen. Und auch der Stadtpark, sonst bei sonnigen Wetter von Familien und Spaziergängern rege besucht, blieb leer. Das hat auch Hainichens Bürgermeister Dieter Geysinger (SPD) registiert: "Die Stadt ist weitestgehend ausgestorben." Die Menschen würden die neuen Regelungen akzeptieren, so der 55-Jährige. "Ich merke, dass eine breite Zustimmung für diese Maßnahmen in der Bevölkerung existiert. Bis jetzt sind wir in Hainichen glimpflich davongekommen, ich hoffe natürlich, das bleibt auch so." Beim einzigen registrierten Fall einer Covid-19-Erkrankung in der Stadt sei die Quarantäne abgelaufen und die betroffene Person gelte als geheilt, erklärte Greysinger. Die Bevölkerung habe aber den Ernst der Lage erkannt. "Bis jetzt musste das Ordnungsamt keine Strafen aussprechen und auch die Polizei habe nur wenige ermahnen müssen." Und auch die Stadtverwaltung selbst habe auf die neuen Regelungen im Freistaat unter anderem zu den Ausgangsbeschränkungen reagiert, wie Geysinger erklärte. "Wir haben Mitarbeiter aus der Verwaltung zum Ordnungsamt versetzt, um die Kontrollen zu gewährleisten." Gleichzeitig wurde die Telefonhotline der Stadt personell aufgestockt, um alle Fragen zu beantworten. "Wir versuchen so gut wie möglich, alle Informationen zu liefern, die wir haben." (frgu)

In Brand-Erbisdorf läuft die Umsetzung der Allgemeinverfügung bislang laut Oberbürgermeister Martin Antonow "sehr geordnet". Allerdings musste er am gestrigen Montag eine Anzeige wegen eines Verstoßes gegen die Allgemeinverfügung erstatten. Näheres wollte er dazu nicht sagen. Antonow: "Derzeit halte ich sporadische Kontrollen im Stadtgebiet für ausreichend." Zugleich appellierte er an die Einwohner, die Allgemeinverfügung zu respektieren. (hh)

Auch in Penig und Rochlitz haben sich die Bürger an die Allgemeinverfügung gehalten.

Fragestunde: Der Augustusburger Bürgermeister Dirk Neubauer beweist live via Facebook Nerven und Entertainerqualitäten: In dem sozialen Netzwerk stellte er sich am Sonntagabend den Fragen der Einwohner.  "Freie Presse" urteilt: informativ und unterhaltsam. 

Flöhas Oberbürgermeister Volker Holuscha (Die Linke) wendet sich ab sofort auch mittels Videobotschaft an die Bürgerinnen und Bürger. Auf der Internetseite der Stadt Flöha wurden die ersten Beiträge Online gestellt. "Je nach Entwicklung der Situation und den Erfordernissen werden weitere Sequenzen folgen", sagte Stadtsprecher Reiner Schirmer. Er unterstützt die Arbeiten zu den Beiträgen, die unter Regie des einheimischen Diplom- Kameramann Dietmar Hösel produziert werden. . "Das gesellschaftliche Leben kommt zunehmend zum Erliegen. Keiner von uns kann voraussagen, wann die Normalität wieder einziehen wird. Zeigen wir unsere zivile Reife und gegenseitige Solidarität, wie zu den Hochwassern 2002 und 2013. Üben wir uns in diesen Zeiten auch wieder in mehr Respekt und gegenseitiger Achtung untereinander", sagte Holuscha . (kbe) 

Auch Freibergs Bürgermeister Sven Krüger und Hainichens Stadtchef Dieter Greysinger halten die Leute online auf dem aktuellen Stand.

Oederaner Orchester: Selbstständige haben es zurzeit schwer. Unter Ihnen ist auch Jonas Ernecke, Künstlerischer Leiter der News Generation, des Nachwuchsensembles der Oederaner Blasmusikanten. Doch er hatte eine ganz besondere Idee: eine Online-Probe. Jeder für sich: Trotzdem musizieren sie gemeinsam.

 

Hoteliers: Massen-Stornierungen und keine Aussicht auf Besserung. Das Gastgewerbe ächzt unter der Corona-Krise. Hoteliers: "Wir brauchen schnelles Geld und keine Kredite" (FP+)


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