Kommunalwahl: Erste Veränderungen in Mittelsachsen im Überblick

Freiberg.

Die CDU hat bei den Kommunalwahlen in Mittelsachsen herbe Verluste zu verzeichnen. Vor allem AfD, Freie Wähler und parteiunabhängige Gruppen profitierten. Und es gibt Überraschungen.

In Mittweida haben die Christdemokraten nach den vorläufigen Endergebnissen der Kommunalwahlen ihre Mehrheit im Stadtrat verloren. Jetzt muss Oberbürgermeister Ralf Schreiber (CDU) für Beschlüsse in der bisherigen Hochburg der Christdemokraten auch bei anderen Parteien um Zustimmung werben. Zudem sitzt erstmals die Alternative für Deutschland (AfD) mit am Tisch.


In Hainichen gibt es die Überraschung der Wahlnacht in der Region: Im Stadtrat werden zwei Sitze nicht besetzt sein. Anspruch darauf hätte die AfD gehabt, die einen Stimmenanteil von 16,8 Prozent erzielt hat. Doch für die Partei war nur ein Kandidat aufgestellt worden. Damit umfasst das neue Gremium künftig statt bisher 18 nur noch 16 Abgeordnete.

Ziel der CDU in Frankenberg waren elf Sitze plus X. Sie musste einen Sitz abgegeben, verfügt aber mit der Stimme des Bürgermeisters weiterhin über eine Mehrheit. "Mit Blick auf die Ergebnisse im Kreis sind wir froh, dass wir die AfD weit hinter uns lassen konnten", hieß es von der Partei.

Im Raum Rochlitz stehen vor allem in den Städten Veränderungen an: So muss der wegen sinkender Einwohnerzahlen von 22 auf 18 Räte abgespeckte Peniger Stadtrat mit einem unbesetzten Sitz auskommen. Grund: Die Vereinigung Unabhängige Bürger für Penig hätte bei 14,7 Prozent Stimmenanteil zwei Sitze bekommen. Alleiniger Kandidat war Mike Tauchmann, der nun auch im künftigen Stadtrat mitmischen darf. Die neue parteiunabhänige Gruppe Rochlitz gemeinsam gestalten" zieht mit 28,6 Prozent der Stimmen als zweitstärkste Kraft in den Stadtrat ein. Die Mehrheit behält die CDU, die 31,6 Prozent holte.

Die Geringswalder Christdemokraten haben die Mehrheit im Stadtrat an die Freien Wähler verloren. Während die CDU von 29,4 auf 21,1 Prozent der Stimmen rutschte, legten die Freien Wähler zu und verbesserten ihr Ergebnis im Vergleich zur Wahl 2014 von 23,2 auf 37,3 Prozent. Auch die Linken mussten Verluste hinnehmen. In Lunzenau errangen die Freien Wähler, die mit 51,1 Prozent deutlich vor der CDU lagen, die meisten Sitze. Die Bürgerbewegung der Kirchgemeinde Seelitz stellt weiterhin die Mehrheit im Gemeinderat, wenn auch mit leichtem Verlust - von 46,7 Prozent bei der Wahl 2014 sank ihr Stimmanteil auf 37,8 Prozent am Wahlsonntag gestern. Zweitstärkste Kraft im Rat bleibt die Bürgergemeinschaft der Freiwilligen Feuerwehr. AfD und Seelitz gemeinsam gestalten ziehen mit je einem Abgeordneten neu in das Gremium ein.

In Wechselburg, Königshain-Wiederau und Zettlitz wurden Mehrheiten verteidigt: Die CDU wurde in Wechselburg mit 37,9 Prozent erneut stärkste Kraft, auch in Königshain-Wiederau stellt die CDU wieder die Mehrheit. Die Wählervereinigung der Freiwilligen Feuerwehr Zettlitz ist ebenfalls wieder am stärksten vertreten, auch die Wählervereinigung der Freiwilligen Feuerwehr Königsfeld/Schwarzbach ist wieder stärkste Kraft im Rat.

Im Raum Flöha sitzt die AfD nun in vier Räten: In durchweg allen Städten und Gemeinden der Region hat es eine höhere Beteiligung an der Europa- und der Kommunalwahl als vor fünf Jahren gegeben. Spitzenreiter ist die Stadt Oederan. Dort lag die Wahlbeteiligung bei 68,8 Prozent (2014 waren es 55,9 Prozent).

Stark zugelegt hat die Wählergemeinschaft Augustusburg (WG), stärkste Fraktion im Stadtrat. Die Wählergemeinschaft kann nun neun Sitze (2014: sieben Sitze) für sich beanspruchen. 349 Stimmen verloren haben die Christdemokraten. Gewaltig der Erdrutsch bei der Europawahl, bei der 28,5 Prozent der Wähler der AfD ihre Stimme gaben. Bürgermeister Dirk Neubauer (SPD) postete gegen 22 Uhr dazu im sozialen Netzwerk Facebook: "Ich bin schockiert."

Einen Erdrutsch gab es für die Christdemokraten auch in Eppendorf. Nur noch 26 Prozent der Wahlberechtigten machten ihr Kreuz bei der CDU. Bei der Kommunalwahl 2014 hatte die Partei noch 62,7 Prozent auf sich vereint. Die AfD holte aus dem Stand 16,1 Prozent. Zu den Gewinnern gehörten auch die Freien Wähler, die 35,2 Prozent der Stimmen holten.

In Flöha legt die Alternative für Deutschland nach 2014 erneut zu. 27,9 Prozent der Wahlbeteiligten gaben den EU-Skeptikern ihre Stimme. 2014 hatte die AfD auf Anhieb 15 Prozent geholt. Das heißt, die Fraktion verdoppelt die Anzahl ihrer Sitze auf sechs. Stärkste Fraktion bleiben die Christdemokraten, die jedoch zwei Sitze (bisher 11 Sitze) abgeben müssen.

In Leubsdorf haben die Christdemokraten ihre Position verteidigt. Weil Die Linke und die SPD keine Kandidaten mehr stellten, verteilten sich die Stimmen auf CDU und die Unabhängige Wählervereinigung Leubsdorf. Letztere gingen mit drei Kandidaten ins Rennen, die nun alle einen Sitz im Gemeinderat beanspruchen. Bürgermeister Dirk Fröhlich (CDU) hatte dafür am Sonntagabend eine einfache Erklärung: "Bei uns im Gemeinderat spielt die große Politik keine Rolle. Da geht es um die Sache."

Mit einer neuen Kräfteverteilung im Gemeinderat muss sich auch Niederwiesa auseinandersetzen: Die Afd trat erstmals an und holte 11,4 Prozent der Stimmen. Auch der einzige Kandidat der Wählervereinigung IG Niederwiesa verbuchte neun Prozent. Zu den Gewinnern gehören auch die Grünen, die ihr Ergebnis mehr als verdoppelten.

Auch in Oederan ist die AfD in den Stadtrat eingezogen. Die Partei, die mit sieben Kandidaten ins Rennen gegangen war, holte aus dem Stand 23,3 Prozent der Stimmen. Die CDU büßte 12,6 Prozentpunkte ein.

Noch nicht gemeldet sind weit nach Mitternacht die Ergebnisse der Stadt- und Gemeinderatswahlen in zahlreichen Orten der Region Freiberg, darunter in der Kreisstadt. In Brand-Erbisdorf im Erzgebirge wird die CDU mit 43,1 Prozent der Stimmen stärkste Kraft, vor den Freien Wählern (24,3). Weitere bislang vorliegende, vorläufige Resultate aus Oberschöna, Mulda und Reinsberg bescheinigen der Union zum Teil starke Verluste. (red)

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