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In Mittweida droht ein Kinderarzt wegzufallen

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Für die freie Stelle im MVZ hat sich bislang niemand gefunden. Wenn sich in den nächsten Wochen nichts tut, wird eine Entscheidung getroffen.

Mittweida.

Es gibt immer noch keinen Nachfolger für die offene Kinderarzt-Stelle im Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) in der Lauenhainer Straße 57 im Neubaugebiet. Ende Juni hatte Kinderarzt Tom Geißler seine Praxis dort geschlossen. Seitdem wird nach einem neuen Arzt für die Praxis, die zum MVZ Freiberg gehört, gesucht. Sollte bis zum Ende dieses Jahres niemand gefunden werden, droht der Wegfall der Stelle.

Wie kann das sein? Das MVZ gehört zum Kreiskrankenhaus Freiberg. "Wir haben den Sitz von der Kassenärztlichen Vereinigung zugesprochen bekommen", sagt Christian Pudack, kaufmännischer Direktor des Kreiskrankenhauses. Wenn die Stelle bis zum Jahresende nicht besetzt wird, muss sie an die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen (KVS) zurückgegeben werden. "Herrscht Überversorgung in einem Gebiet, wird die Stelle eingezogen", erklärt Christian Pudack.

Laut KVS beträgt der Versorgungsgrad für Kinder- und Jugendmedizin im Planungsbereich Mittweida derzeit 158,2 Prozent. Die Region ist also zumindest auf dem Papier deutlich überversorgt. Damit ist es sehr wahrscheinlich, dass die Stelle künftig entfällt. Der Planungsbereich Mittweida umfasst ein Gebiet von Penig bis Königsfeld, Striegistal und Frankenberg. Neun Kinderarztstellen sind für diese Region vorgesehen, drei davon für Mittweida. Sucht man über die Arztsuche der KVS nach einem Kinderarzt in Mittweida, wird nur die Praxis von Elvira Hoffmann angezeigt.

Fehlender Kinderarzt in Mittweida: Wer übernimmt die Vertretung?

"Einige Patienten wurden in der Kinderarzt-Praxis von Elvira Hoffmann an der Robert-Koch-Straße in Mittweida behandelt", teilt Claudia Steinbach, Pressesprecherin des Klinikums Freiberg, mit. "Auch bei der dem MVZ Freiberg zugehörigen Kinderarzt-Praxis von Jenny Heinrich in Freiberg können sich Patienten nach vorheriger telefonischer Rücksprache vorstellen."

Die KVS weist darauf hin, dass der Bereitschaftsdienst an Wochenenden und Feiertagen für den Bereich Kinder- und Jugendmedizin von der Bereitschaftspraxis im Krankenhaus Mittweida und vom Klinikum Chemnitz an der Flemmingstraße übernommen wird.

Warum ist es so schwer, einen Kinderarzt für Mittweida zu finden?

Derzeit gäbe es deutlich mehr offene Stellen als Bewerber, teilt Claudia Steinbach vom Kreiskrankenhaus Freiberg mit. "Junge Ärzte wollen häufig abwechslungsreiche, interessante Fälle in Kliniken behandeln und Erfahrungen sammeln. Eine Niederlassung wird meist erst interessant, wenn die Ärzte aus dem aufreibenden Klinikalltag mit Schichtmodellen, in einen besser planbaren Praxisalltag wechseln möchten", so die Pressesprecherin. Dann werde häufig eine Stelle in der Nähe des Wohnortes gesucht. "Das sind Faktoren, die man auch mit attraktiven Vergütungsstrukturen und Arbeitszeitmodellen nicht beeinflussen kann."

Bundesweit sei es schwierig, für Vertragsärzte in Praxen Nachfolger zu finden, so René Reiche, Sprecher der KVS. Immer weniger Mediziner seien bereit, sich abseits großer Städte niederzulassen. In ländlichen Gebieten kommen "lange Wege, schwache Infrastrukturen, die Altersstruktur und zunehmende Bürokratisierung" hinzu.

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