Wo es beim Flutschutz noch Lücken gibt

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20 Jahre nach der Jahrhundertflut im August 2002 sind noch Vorhaben zum Hochwasserschutz im Landkreis unerledigt. Das betrifft insbesondere die Freiberger Mulde.

Frankenberg/Hainichen.

Während in der Stadt Penig im Juni dieses Jahres die Fertigstellung von Flutschutzanlagen an der Zwickauer Mulde, immerhin ein Großprojekt mit einem Umfang von 23 Millionen Euro, gefeiert wurde, existieren andere Vorhaben zum Hochwasserschutz in Mittelsachsen immer noch nur auf dem Papier.

Im Landkreis stehen nach Angaben der Landestalsperrenverwaltung (LTV) insbesondere noch der Neubau des Hochwasserrückhaltebeckens Mulda am Chemnitzbach mit dem Bau des Überleitungsstollens von der Freiberger Mulde zum Hochwasserrückhaltebecken an. Diese Projekte befinden sich in Planung und werden rund 85 Millionen Euro kosten. Das Hochwasserrückhaltebecken Oberbobritzsch (62 Millionen Euro) befinde sich nach erteiltem Planfeststellungsbeschluss zumindest in ersten vorbereitenden Maßnahmen. Doch der weitere Baufortschritt sei von laufenden verfahrensrechtlichen und damit gerichtlichen Auseinandersetzungen abhängig, wie LTV-Sprecherin Gerlind Ostmann erklärte. Der Naturschutzverband Sachsen hatte die Planungen vor dem Oberverwaltungsgericht Bautzen angefochten. Wann dazu eine Entscheidung fällt, ist nicht absehbar. Die Anlagen sollen die Gemeinden an der Bobritzsch und der Freiberger Mulde schützen und bis nach Döbeln wirken, wo ebenfalls noch an Hochwasserschutzprojekten im Gesamtumfang von etwa 87,5 Millionen Euro gearbeitet wird. Teils sind diese laut den LTV-Informationen fertiggestellt. Mit dem Abschluss der Arbeiten in Döbeln werde aber erst im Jahr 2029 gerechnet.

Für Hochwasserschadensbeseitigung und Hochwasserschutz wurden in Zuständigkeit der Landestalsperrenverwaltung im Landkreis Mittelsachsen seit 2002 mehr als 200 Millionen Euro aufgewendet. Zu den Schwerpunkten gehörte die Stadt Flöha, wo allein zwischen 2010 und 2015 rund 18,7 Millionen Euro in den Hochwasserschutz entlang der Zschopau und der Flöha investiert worden sind. Die beiden Flüsse nehmen die Große Kreisstadt in die Zange und haben 2002 und 2013 für verheerende Flutschäden gesorgt. Rund 104 Millionen Euro waren es bei der Jahrhundertflut im August 2002, etwa 13,5 Millionen Euro wurden 2013 bilanziert.

Zu den größten Einzelmaßnahmen im Landkreis zählt die Landestalsperrenverwaltung Projekte in Frankenberg und Lichtenau an der Zschopau mit Investitionen von 17,4 Millionen Euro beziehungsweise 6,8 Millionen Euro. Diese seien genauso fertiggestellt wie ein Hochwasserschutzprojekt in Mulda an der Freiberger Mulde im Umfang von etwa 12 Millionen Euro. Vergleichsweise große Summen wurden auch in Rochlitz und Lunzenau mit jeweils rund 5,4 Millionen Euro zum Flutschutz an der Zwickauer Mulde ausgegeben.

Auch das kommunale Wasserver- und Abwasserentsorgungsunternehmen ZWA Hainichen ist in Teilen von Mittelsachsen mit im Boot, was Hochwasserschutz betrifft. So sind allein nach dem jüngsten großen Flutereignis 2013 rund 7,8 Millionen Euro in Maßnahmen zum Hochwasserschutz und der Binnenentwässerung im Verbandsgebiet des ZWA geflossen. "Weitere Investitionen, die für die Erneuerung von Kanälen und Anlagen eingesetzt wurden, haben ebenfalls die Aspekte des Hochwasserschutzes zum Inhalt gehabt", erklärte ZWA-Bereichsleiter Dirk Kunze. Dabei sei eine klare Abgrenzung zwischen "normaler" Abwasserentsorgung und Hochwasserschutz nicht möglich. Größte Einzelmaßnahme sei die Eindeichung der Kläranlage Frankenberg mit Gesamtkosten von etwa 4,4 Millionen Euro gewesen. Die Schäden durch die Hochwasserereignisse 2002 und 2013 im Verbandsgebiet des ZWA, der Teile der Landkreise Mittelsachsen, Erzgebirge und Leipzig umfasst, beliefen sich auf mehr als 25 Millionen Euro. Auch beim ZWA gibt es noch ausstehende Vorhaben, die in Konsequenz der Flutereignisse geplant worden sind. Das betrifft laut Kunze unter anderem die Ausrüstungen für die Binnenentwässerungsanlagen in Frankenberg, Penig und Rochlitz sowie sogenannte Abwurfsammler in Flöha und Penig. Geplant und genehmigt sei auch der Bau eines Regenrückhaltebeckens im Lichtenauer Ortsteil Auerswalde. "Ein Förderantrag ist eingereicht und bisher noch nicht beschieden, sodass wir den Bau noch nicht beauftragen konnten", so Kunze. Ohne Fördermittel sei der ZWA und die Gemeinde allerdings nicht in der Lage, diese Investition von deutlich mehr als drei Millionen Euro zu finanzieren.

Die "Freie Presse" sammelt bisher veröffentlichten Geschichten zur Flut in einem Online-Spezial, das am Freitag freigeschaltet wird. www.freiepresse.de/flut02


Gewässerentwicklungskonzepte: Flüssen soll mehr Raum gegeben werden

Auf die Bedeutung von ökologischem Hochwasserschutz hat Sachsens Umweltminister Wolfram Günther (Grüne) hingewiesen. "Wir geben Flüssen mehr Raum. Natürliche Überschwemmungsflächen, Deichrückverlegungen, renaturierte Auen und Flussläufe sind wichtige und nachhaltige Bestandteile des Hochwasserschutzes", sagte Günther. Maßnahmen wie zur Gewässeraufweitung, Renaturierung sowie Wiederanbindung an natürliche Rückhalteräume sind Bestandteil von sogenannten Gewässerentwicklungskonzepten.

Im Landkreis Mittelsachsen wurden bisher Gewässerentwicklungskonzepte für die Große Lößnitz und die Chemnitz unterhalb des Stadtgebietes bis zur Einmündung in die Zwickauer Mulde bearbeitet. Beide Konzepte befinden sich laut Landestalsperrenverwaltung derzeit im Abschluss. Dabei seien Gewässerabschnitte ermittelt worden, die sich für die Umsetzung von Renaturierungsmaßnahmen eignen. Dazu zählt beispielsweise die Renaturierung eines Gewässerabschnittes zwischen Eppendorf und Großwaltersdorf. Hier seien bereits Regelungen mit betroffenen Flächeneigentümern getroffen und im Herbst 2021 mit der Umsetzung von Gewässerentwicklungsmaßnahmen begonnen worden.

Für die Zschopau wird derzeit ein Gewässerentwicklungskonzept erarbeitet. Dabei werden Maßnahmen ermittelt, die die Gewässerstruktur und die Durchgängigkeit verbessern. Untersucht wird der Gewässerabschnitt zwischen Annaberg-Buchholz und Talsperre Kriebstein im Erzgebirgskreis bzw. im Landkreis Mittelsachsen. (jl)

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