Ostbeauftragter Wanderwitz verliert Direktmandat

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Marco Wanderwitz von der CDU muss nach fünf Legislaturperioden erstmals über einen Listenplatz in den Bundestag. Die meisten Erststimmen holte Mike Moncsek von der AfD.

Der erwartete Zweikampf war gestern kurz nach 22 Uhr entschieden. Mike Moncsek von der AfD hat Marco Wanderwitz (CDU) das Direktmandat im Wahlkreis 163 abgenommen. "Mit geht es richtig gut. Und ich bin ganz entspannt", sagte der AfD-Politiker gestern in der Uhlig-Mühle bei Oberlungwitz. Er dankte allen Helfern, allen Wählern für das Votum. "Ich habe mir nie die Umfragen angeschaut. Unser Ziel war, den Berufspolitiker Wanderwitz als Direktkandidat abzulösen. Die meisten Menschen haben uns nicht abgelehnt, es gab keine Negativerlebnisse im Wahlkampf - aber natürlich Kritik." Der 57-Jährige arbeitet seit 2019 als regionaler Büroleiter für den AfD-Europaabgeordneten Maximilian Krah, der 2016 aus der CDU ausgetreten war.

Im Bund habe sich die AfD stabilisiert, so Moncsek weiter. "Wir sind zweistellig, stehen fest im Bundestag." Er betonte aber, dass er in der Region bleiben wolle. "Berlin ist die Pflicht, die Heimat ist die Kür." Das Ergebnis in Sachsen sei aus Sicht der AfD sehr gut. "Nur die Großstädte sind nicht in unserer Hand." Nun gelte es für die Partei mittelfristig, in Sachsen den Ministerpräsidenten zu stellen.

Marco Wanderwitz hatte bereits gestern am frühen Abend vom "historisch schlechtesten Ergebnis" seiner Partei gesprochen. Am späten Abend sprach er davon, dass Wahlen in Mitteldeutschland mittlerweile "Schlachten um die Demokratie" sind. "Es ist ein Desaster, alles AfD. Weiter im Norden von Ostdeutschland wurde die CDU wenigsten von der SPD, einem demokratischen Gegner, geschlagen", so der Ost-Beauftragte der noch amtierenden Bundesregierung. Ob er das bleibt? Wanderwitz kommt wahrscheinlich über die Landesliste in den Bundestag. "Wie werden im Bund wohl knapp hinter der SPD landen. Aber dieses Amt ist jetzt nicht meine größte Baustelle."

Marco Wanderwitz sagt, er habe immer wieder von Bürgern im Wahlkampf gehört, dass der CDU-Kanzlerkandidat nicht der richtige sei. "Wie jeder weiß, habe ich damals auch für Söder gestimmt." Die Verluste für die CDU führte er auch auf die späte Kandidatenkür seiner Partei und die Diskussionen darüber zurück. Im Wahlkampf habe man das als "Klotz am Bein" gespürt. Ergebnis für ihn: Nur in Niederfrohna konnte er im Wahlkreis mehr Stimmen als der Konkurrent der AfD bekommen.

Vor vier Jahren war für Carlos Kasper von der SPD noch nicht daran zu denken, dass der gestrige Abend für ihn ein so guter wird. "Ich bin sehr froh, denn ich habe das zweitbeste Stimmenergebnis für die SPD in diesem Wahlkreis geholt. Allerdings bin ich sehr überrascht über das Erststimmenergebnis. Offenbar hat die Wahlkampagne von Herrn Wanderwitz nicht gefruchtet." Hintergrund: Der warb mit dem Slogan "Erststimme für die Demokratie!" für sich. Kasper gab aber zu, es sei auf Bundesebene noch mal knapp zur Union geworden. Er selbst kommt nicht mit einem Direktmandat in den Bundestag, aber mit seinem Listenplatz wahrscheinlich trotzdem nach Berlin. "Am Dienstag und Mittwoch ist die Sitzung der neuen Fraktion", so der 27-Jährige. Wo die Sitzung stattfindet? "Ich weiß gar nicht. Das steht auf dem Einladungszettel." Übersetzt könnte das heißen: Bis vor wenigen Stunden musste er das noch nicht wissen. Nun aber schon.

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