Ärger um rechtsextreme Symbole auf Nürnberger Bauern-Demo

Tausende Landwirte demonstrierten am Freitag in Nürnberg gegen Vorwürfe, sie seien für Umweltverschmutzung und Klimawandel verantwortlich. Doch einige Teilnehmer versuchten wohl, den Protest noch für ganz andere Parolen zu missbrauchen.

Nürnberg (dpa) - Nach der großen Bauern-Demonstration in Nürnberg gibt es Ärger um Banner mit in rechtsextremen Kreisen verwendeten Symbolen an einzelnen Traktoren.

Der Veranstalter der Protestaktion, Sebastian Dickow von der Initiative «Land schafft Verbindung», bestätigte am Samstag, dass einzelne Teilnehmer mit Transparenten aufgefallen waren. Zuvor waren Fotos von Traktoren im Internet aufgetaucht, an die große Plakate mit eisernen Kreuzen, einem Adler und den Sprüchen «Die Wahrheit siegt» oder «Klagt nicht, kämpft» montiert waren.

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) teilte einen kritischen Tweet zu den Fotos, in dem die Demo-Verantwortlichen dazu aufgerufen werden, sich zu distanzieren.

«Die sind uns aufgefallen und wir haben den Leuten gesagt, sie sollen gefälligst ihre Banner abnehmen», sagte Dickow der Deutschen Presse-Agentur. «Wir distanzieren uns davon und wir haben denen ganz klar gesagt, dass die Banner hier nichts verloren haben und auch die Polizei hat sich darum gekümmert.» Das Polizeipräsidium Mittelfranken konnte sich dazu am Samstag zunächst nicht äußern.

Der «Land schafft Verbindung»-Sprecher Dirk Andresen warnte im «Tagesspiegel am Sonntag» vor einem Erstarken rechter Kräfte unter Landwirten in Deutschland, sollte die Agrarpolitik dem nicht entgegenwirken. «Auch ein Teil der Bauern wird sich dann radikalisieren», sagte der Landwirt aus Schleswig-Holstein.

«Zwei oder drei» Traktoren seien mit Bannern dieser Art versehen gewesen. «Es geht nicht um solche Parolen, es geht um Landwirtschaft», betonte Dickow. «Ähnliches haben wir auch zur AfD gesagt: Das ist keine Wahlkampfveranstaltung für euch - beschränkt euch auf die Landwirtschaft.» Die Transparente seien nach der Intervention der Veranstalter abgenommen worden.

Auch der Deutsche Bauernverband distanzierte sich entschieden von den Plakaten: «Von unserer Seite ist klar: Wir distanzieren uns eindeutig und klar von so rechten Parolen. Damit haben wir nichts zu tun», sagte ein Sprecher. Und der Generalsekretär des Verbandes, Bernhard Krüsken, fügte hinzu: «Das hat mit Bauernprotesten nichts zu tun. Das ist Trittbrettfahrerei.»

Am Freitag waren rund 5000 Bauern mit 2500 Traktoren aus allen Teilen Frankens in Nürnberg zu einem großen Protest gegen die Agrar- und Umweltpolitik in Deutschland zusammengekommen. Die Landwirte kritisieren neben der geplanten Verschärfung der Düngeverordnung auch Auswirkungen des Insektenschutzes auf die Wirtschaftlichkeit ihrer Betriebe. Die Landwirte waren seit den Morgenstunden in einer Sternfahrt aus allen Himmelsrichtungen mit ihren Fahrzeugen auf Nürnberg zugerollt.

«Wir Bauern wehren uns, weil wir mit dem Rücken zur Wand stehen. Wir sind auf der Straße, um deutlich zu machen, dass es ohne Kompensation nicht gehen wird», sagte Andresen im «Tagesspiegel». Mehr Tierschutz oder Umweltschutz könne es nur geben, «wenn wir das auch bezahlt bekommen.» Die Politik gefährde derzeit die Existenz der Landwirte. «Wenn wir uns jetzt nicht wehren, sterben wir.»


Einen Monat für
nur 1€ testen.
Verlässliche Informationen sind jetzt besonders wichtig. Sichern Sie sich hier den vollen Zugriff auf freiepresse.de und alle FP+ Artikel.

JETZT 1€-TESTMONAT STARTEN 
29Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 1
    3
    Distelblüte
    21.01.2020

    @Hinterfragt: Das hab ich. Da Sie die Bundeswehr ins Spiel bringen - von Nordkreuz (https://de.wikipedia.org/wiki/Nordkreuz), Hannibal, Uniter haben Sie gehört?

  • 5
    3
    ralf66
    21.01.2020

    Distelblüte, na und nun, das Kreuz im Eichenlaubkranz ist aber kein Hakenkreuz, es ist das Eiserne Kreuz, demzufolge auch nicht das Wappen des NS-Staates. Das Parteiabzeichen der NSDAP sah ganz anders aus, es war rund mit der Umschrift NATIONALSOZIALISTISCHE D.A.P. auf rotem Grund in der Mitte war auf weißem Grund das Hakenkreuz.

  • 4
    1
    Hinterfragt
    21.01.2020

    @Distelblüte; Sie haben sich mein verlinktes Foto angesehen???

  • 6
    5
    gelöschter Nutzer
    21.01.2020

    Distel...: Alles SEHR SEHR weit hergeholt. Aber wer unbedingt eine Verbindung zu "rechts" herstellen will sucht eben so lange bis er etwas gefunden hat, auch wenn es sehr weit hergeholt ist.

  • 4
    6
    Distelblüte
    21.01.2020

    @ralf66: Zu Ihren Ausführungen möchte ich folgendes ergänzen:
    "Reichsadler
    Der Adler ist weltweit Wappentier. In Deutschland steht er seit dem Mittelalter als Sinnbild für Macht, Erhabenheit, Göttlichkeit und Glück. Die romanisch-gotische Darstellungsform des Reichsadlers, wie sie in der kaiserlichen Reichskriegsfahne zu sehen ist, wurde im Nationalsozialismus weitgehend durch stilisierte Darstellungen ersetzt. Damit drückte der NS seine Modernität aus. Der Adler mit dem Hakenkreuz im Eichenkranz unter den Klauen war das Wappen des NS-Staates und das Parteiabzeichen der NSDAP. Nach 1945 wurde der Bundesadler zum Wappenvogel.
    In extrem rechten Kreisen sind alle Darstellungsformen gebräuchlich, doch zumeist wird auf den »NS-Adler« zurückgegriffen. Dabei wird in der Regel das Hakenkreuz weggelassen oder durch nicht verbotene Gruppenkennzeichen, Logos oder Symbole ersetzt.
    Gefunden auf: https://dasversteckspiel.de/die-symbolwelt/nationalsozialismus/reichsadler-46.html

    Es lässt sich einfach nicht schönreden. Zudem sind solche plakativen Zurschaustellungen in keiner Weise mit landwirtschaftlichen Anliegen verbunden, es sei denn, jemand will die "Blut und Boden"-Argumentation wieder aus dem Grab erwecken.

  • 5
    3
    ralf66
    20.01.2020

    @Distelblüte, der von den Adlerklauen gehaltene Eichenlaubkranz in dem sich ein Kreuz befindet, ist kein Kreuz wo man die Haken weggelassen hat, daß ist ein Kreuz in Form des Eisernen Kreuzes. Das Eiserne Kreuz wurde für den Verlauf der Befreiungskriege 1813 von König Friedrich Wilhelm III von Preußen gestiftet und war später eine reine Kriegsauszeichnung die von 1813-1945 verliehen wurde.

  • 5
    2
    tbaukhage
    20.01.2020

    @Hintefragt: Antwort auf die Kontrollfrage: Nazis gibt's seit 1920 (= Gründung der NSDAP).

  • 5
    5
    Hinterfragt
    20.01.2020

    @Freigeist14; Was Ihnen nicht in den Kram passt ist also "pseudo-wissenschaftlich"?
    Ihre Sicht, Sie können sich die selbe Dokureihe aber gern auch auf Spiegel-Geschichte oder im Originalsprache (englisch) ansehen, wenn Ihnen N-TV suspekt ist.
    Komisch nur, dass Sie diese Einwänden nicht brachten, als man 2018 auch auf N-TV über die Ereignisse in Chemnitz berichtete, da war das für Sie dann alles glaubhaft und nicht "pseudo-wissenschaftlich"?!?

  • 1
    9
    mops0106
    20.01.2020

    @Maresch:
    Bitte jetzt keine Wortklauberei. Sie wissen schon, wie ich das meine. Zumal aus vielen Ihrer Kommentare ersichtlich ist, wie Sie z.B. Mitglieder, Sympathisanten und Wähler der AfD bewerten.
    Und mit "Rechte ... unter den Bauern und Bäuerinnen. 'Bauernschläue' ist ja auch kein Synonym für Bildung und Intelligenz." sprechen Sie konservativ denkenden Menschen/ Bauern Bildung und Intelligenz ab.

  • 7
    1
    Maresch
    20.01.2020

    @moprs. Mit "unter den Bauern und Bäuerinnen" kann nach reiner Logik keiner ganzen Bevölkerungsgruppe etwas unterstellt werden.

  • 2
    6
    mops0106
    20.01.2020

    @Maresch:
    Rechts/ konservativ hat nichts mit Rechtsextremismus und schon gar nichts mit Nazismus zu tun.
    Und mit Bauernschläue kann man keinen Bauernhof/Wirtschaftsbetrieb erfolgreich führen.
    Und unabhängig davon, ob man die Ansichten einer politischen Richtung teilt oder nicht: Es gibt sogar gebildete/ intelligente Nazis.
    Es wäre also gut, wenn Sie Unterstellungen gegenüber ganzen Bevölkerungsgruppen unterlassen.

  • 8
    2
    Maresch
    20.01.2020

    Es gibt natürlich auch Rechte und Nazis unter den Bauern und Bäuerinnen. 'Bauernschläue' ist ja auch kein Synonym für Bildung und Intelligenz...

  • 8
    1
    Zeitungss
    20.01.2020

    Frage: Geht es hier noch um die Belange der Bauern oder die verwendete Schrift ?
    Auch auf diese Weise kann man das eigentliche Thema erfolgreich aus der Welt schaffen.

  • 6
    4
    Freigeist14
    20.01.2020

    Hinterfragt@ Sie müssen nicht noch pseudo-wissenschaftliche Reportagen des Privatsenders N-TV bemühen um Ihre Verharmlosungen unzweideutiger Symbolik Nachdruck zu verleihen . Die Fraktur-Schrift war übrigens ab 1941 im 3.Reich verpönt . Fleisch war allgemein vor 1950 Luxus und die Ernährungssempfehlungen nach abwechslungsreicher Kost war in den Industriestaaten Konsens . In Deutschland für eine "Wehrbereite Bevölkerung" wohl besonders .

  • 11
    5
    Hinterfragt
    20.01.2020

    Ach @Lexisdark, Fraktur ist nicht verboten und wird nach wie vor benutzt.
    Nur weil auch die Nazis diese Schrift nutzten, muss man nicht alles in diesen Kontext setzen.

    Nach 1945 in Fraktur gesetzte Bücher (Beispiele)
    https://de.wikipedia.org/wiki/Fraktur_(Schrift)

    Hitler war Vegetarier, setz man deshalb Vegetarier auch in dessen Kontext?
    Gestern Abend (NTV) kam in einer Doku, wie die Nazis die Ernährung der Bevölkerung "vorgaben". Raten Sie mal ganz wenig Fleisch, viel Gemüse, Kartoffeln, Obst .
    Also genau so, wie es u.a. die Grünen (Habeck) heute fordern, werden die deshalb in den Kontext zu damals gesetzt?

  • 11
    5
    Hinterfragt
    20.01.2020

    @Distelblüte, "... mit einer Abbildung des Reichsadlers,..."
    Sie schreiben selbst "nicht strafbar ", also auch nicht verboten.
    Schauen Sie mal hier:
    https://www.flickr.com/photos/145361631@N02/48698524617/

  • 7
    11
    Distelblüte
    20.01.2020

    @Hinterfragt: Der Spruch wurde auf der Bauerndemo nicht separat verwendet, sondern explizit mit einer Abbildung des Reichsadlers, der ein Kreuz in den Klauen hält (dessen Haken wurden weggelassen, damit die Symbolik nicht strafbar ist). Der Kontext ist somit eindeutig rechtsnational.
    Googeln Sie es einfach.

  • 5
    4
    Lexisdark
    20.01.2020

    @Hinterfragt Und die meisten nutzen die Schriftart, weil es nett aussieht? Is klar...
    davon abgesehen haben auch die alten Römer früher den Arm gehoben, irgendwer auch in seiner Sprache Sieg heil oder Heil mein Führer gerufen. Dass die Leute heutzutage sich allerdings darauf und nicht auf den verrückten Österreicher berufen, wage ich zu bezweifeln.

  • 10
    4
    Hinterfragt
    20.01.2020

    @Distelblüte; was ist an der Aussage "Die Wahrheit siegt" rechtsnational?

  • 8
    9
    Distelblüte
    20.01.2020

    @Franz Udo: Auch mit harter körperlicher Arbeit gibt es kein Recht auf rechtsnationale Sprüche.
    Die absolut meisten Bauern lehnen das auch ab.
    Übrigens: mein Sohn ist Landwirt und engagiert sich bei "Land schafft Verbindung", mein Mann ist Landwirt im Nebenerwerb. Ich weiß, wovon ich ich rede.

  • 9
    5
    Hinterfragt
    20.01.2020

    @martindamm;"... mit dieser nazischriftart...".

    Was verstehen Sie unter einer Nazischriftart?
    Doch nicht etwa Fraktur?
    Guten Morgen! Frakturschrift stammt bereits aus dem Jahr 1513.
    Kontrollfrage: Wann traten die Nazis auf den Plan?

  • 13
    4
    franzudo2013
    19.01.2020

    Es gibt auch einen Unterschied zwischen vegan und vegetarisch. Machen denn alle, denen alles schmeckt, permanent Terror deswegen? Distelbluete, bitte mal runterfahren und den Leuten Respekt zollen, die in diesem Land jeden früh aufstehen und arbeiten.

  • 6
    12
    Distelblüte
    19.01.2020

    @martindamm: das sind keine konservativen Sprüche. Es gibt einen klaren Unterschied zwischen konservativ und rechtsnational. Ist aber nicht allen klar. Es fehlt zudem an Abgrenzung nach rechtsaußen.

  • 14
    7
    Sterntaler
    19.01.2020

    Der Tagesspiegel ist eine ausgesprochen weit links stehende Zeitung. Und klar, 2-3 Traktoren zeigen dass die Landwirte rechts sind. Gehts eigentlich noch? Was sollen solche Schlagzeilen? Nach den Bürgern, die sich berechtigt über die WDR-Umweltsau aufgeregt und friedlich protestiert haben versucht man nun auch noch, die Bauern die um ihre Existenz kämpfen, in die rechte Ecke zu stellen. Jeder der nicht die offiziell gewünschte Meinung vertritt ist rechts, oder was? Das glaubt längst kein vernünftiger Mensch mehr.

  • 5
    14
    martindamm
    19.01.2020

    natürlich sind das sprüche die schon sehr konservativ sind. was für mich jetzt nicht so schlimm wäre. aber gepaart mit dieser nazischriftart ist gegenwind vorprogrammiert ... und das ist auch gut so!!!!!

  • 12
    5
    ralf66
    19.01.2020

    @Distelblüte, hier wieder, Ihnen geht es doch nicht um das eigentliche Thema, es geht Ihnen nur darum, bei irgendwelchen Protesten oder Widerstand gegen die Regierung alles so genau zu untersuchen, bis Sie etwas gefunden haben, was rechts sein könnte um damit zu erklären, der Protest kommt von rechts und ist so nicht zu dulden, ein Spruch, ein Zeichen, ein Haarschnitt, ein Bart, ein Kleidungsstück, eine Bemerkung alles wird fein säuberlich unter die Lupe genommen.

  • 18
    6
    Hinterfragt
    19.01.2020

    Frage, mir war neu, dass der Ausspruch "Die Wahrheit siegt" rechtsradikal ist.
    Zum Zweiten, Eisernes Kreuz - ist auf Bundeswehrfahrzeugen allgegenwärtig und zum Dritten prangt im Plenarsaal des BT ein riesiger Adler von der Wand ...

  • 8
    13
    Distelblüte
    19.01.2020

    @peggi: Die Bauernproteste von "Land schafft Verbindung" sind NICHT POLITISCH RECHTS motiviert. Sie werden aber, wie im Artikel deutlich wird von Rechten benutzt.
    Wie der Initiator Sebastian Dickow im Artikel sagt: "«Es geht nicht um solche Parolen, es geht um Landwirtschaft», betonte Dickow. «Ähnliches haben wir auch zur AfD gesagt: Das ist keine Wahlkampfveranstaltung für euch..."

  • 15
    8
    gelöschter Nutzer
    19.01.2020

    Man sollte endlich aufhören jeden protest gegen die Regierung in die rechte ecke zu stellen.