AfD: Höcke probt nach Rauswurf von Kalbitz den Aufstand

Im AfD-Parteivorstand haben die Gegner des rechtsnationalen Flügels einen Sieg errungen. Doch in der Causa Kalbitz ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Der kaltgestellte Kalbitz fordert seine Unterstützer zum Bleiben auf. Höcke springt ihm bei.

Berlin/Potsdam (dpa) - Nach dem Rauswurf des Brandenburger Landeschefs Andreas Kalbitz aus der AfD bahnt sich ein offener Machtkampf zwischen dem rechtsnationalen Parteiflügel und den Unterstützern des Bundesvorsitzenden Jörg Meuthen an.

«Die Spaltung und Zerstörung unserer Partei werde ich nicht zulassen - und ich weiß, dass unsere Mitglieder und unsere Wähler das genauso sehen wie ich», sagte der Thüringer Landes- und Fraktionschef Björn Höcke bei Facebook in einem Video.

Der Bundestagsabgeordnete Jürgen Pohl veröffentlichte unter der Überschrift «Wir sind Spalter!» eine Fotomontage mit den Köpfen der acht Mitglieder des Bundesvorstandes, die am Freitag nicht gegen die Annullierung der Mitgliedschaft von Kalbitz gestimmt hatten.

Kalbitz selbst rief seine Anhänger auf, die AfD nicht zu verlassen. «Ich bitte Euch herzlich: Tretet nicht aus, wir machen natürlich weiter. Die Verantwortung für unser Land ist wichtiger als einzelne Personen», sagte er am Freitagabend in einem Video bei Facebook. Er werde sich juristisch gegen den Rauswurf zur Wehr setzen und sei «zuversichtlich, dass wir in Brandenburg auch in Zukunft wieder weiter an diesen Erfolg anknüpfen werden.»

Der Bundesvorstand der AfD hatte seine Mitgliedschaft am Freitag per Mehrheitsbeschluss für nichtig erklärt. Hintergrund sind frühere Kontakte im rechtsextremen Milieu. In dem Beschluss hieß es, die Mitgliedschaft sei mit sofortiger Wirkung aufgehoben, «wegen des Verschweigens der Mitgliedschaft in der «Heimattreuen Deutschen Jugend»» (HDJ) und «wegen der Nichtangabe seiner Mitgliedschaft» bei den Republikanern zwischen Ende 1993 und Anfang 1994.

Kalbitz galt neben Höcke als wichtigster Vertreter der rechtsnationalen Strömung in der Partei, die vom Verfassungsschutz als rechtsextreme Bestrebung beobachtet wird. Da er Beisitzer im Bundesvorstand war, wäre für seinen Einspruch nach Einschätzung eines Vorstandsmitglieds das Bundesschiedsgericht der Partei zuständig.

Meuthen zog unterdessen auch die Zukunft von Kalbitz als Fraktionschef im Landtag von Brandenburg in Zweifel. «Ich kann mir schwer vorstellen, einen Parteilosen als Fraktionsvorsitzenden zu haben, aber letztlich muss das die Fraktion in Brandenburg selbst entscheiden», sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Der Vorsitzende der AfD-Bundestagsfraktion, Alexander Gauland, erklärte: «Ich kann mir gut vorstellen, dass er den Fraktionsvorsitz ruhen lässt für die Dauer der juristischen Klärung.»

Für die Entscheidung des Bundesvorstandes habe er seit Freitag «unglaublich viel Zustimmung» aus der Partei erhalten, sagte Meuthen. Einige Mitglieder hätten allerdings auch mit «wütender Ablehnung» reagiert. Auf die Frage, weshalb er eine Verortung von Kalbitz im rechtsextremen Spektrum früher selbst bestritten habe, antwortete der AfD-Vorsitzende: «Ich habe ihn im persönlichen Kontakt nicht als Rechtsextremisten wahrgenommen, später wurde aber deutlich, dass er auf jeden Fall eine rechtsextreme Vergangenheit hat.»

Wer sich in einem parteiinternen Konflikt auf Argumente von «Parteigegnern» berufe, der begehe «Verrat an der Partei», sagte Höcke. Meuthen und der stellvertretenden Parteivorsitzenden Beatrix von Storch warf er vor, sie wollten die AfD so verändern, dass sie keine echte Alternative zu den etablierten Parteien mehr wäre.

Gauland sagte, er habe von Anfang an gewusst, dass Kalbitz früher bei den Republikanern gewesen sei. Was die vom Verfassungsschutz behauptete ehemalige Mitgliedschaft in der HDJ angehe, so wäre der Bundesvorstand gut beraten gewesen, das Ergebnis einer Klage von Kalbitz gegen den Verfassungsschutz abzuwarten.

Gauland sagte, der 2013 von Kalbitz eingereichte Antrag auf Mitgliedschaft in der AfD sei wohl nicht mehr auffindbar. Aus dem Bundesvorstand hieß es, im Landesverband Brandenburg erinnerten sich aber noch mehrere Mitglieder an Angaben die Kalbitz damals bei der Bildung seines Kreisverbandes und bei der Kandidatenaufstellung für die Landtagswahl 2014 gemacht habe.

Der Bundestagsabgeordnete Frank Pasemann schrieb auf Facebook: «Meuthen & Co. unterlaufen rechtsstaatliche Prinzipien, um einen verdienten Parteifreund auszuschließen.»

In der AfD sei jetzt ein «entfesselter Machtkampf» zu beobachten, sagte der Berliner Politologe Hajo Funke. Die Partei befinde sich seit vier Jahren in einem Prozess der Radikalisierung. Meuthens Position sei mitnichten gefestigt.

«Wichtig ist, dass sich die AfD von dem rechtsextremistischen Gedankengut löst, das es in ihren Reihen gibt», sagte der Chef der Innenministerkonferenz, Georg Maier (SPD) aus Thüringen. «Dabei muss man auch sehr intensiv über Herrn Höcke sprechen.» Dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) sagte Maier: «Andreas Kalbitz ist nur die Spitze des Eisberges.»

11Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 7
    6
    mops0106
    19.05.2020

    Der Verfassungsschutz überwacht auch viele Linksableger. Und über Quer- subventionen werden von Seiten des Staates fragwürdige Dinge unterstützt.

  • 6
    10
    vonVorn
    18.05.2020

    @Distelblüte, in Deutschland ist es nun mal so das man als normaler Wähler kaum Einfluss auf die Politik hat, nur zur Wahl kann man seiner Meinung, mit dem Kreuzchen mal kundtun. Dementsprechend sind die Erfolge der AfD nur ein Zeichen mit der unzufriedenheit vieler mit der CDU Regierung. Deshalb finde ich, sollte man nicht ständig die bösen rechtsextremen kritisieren, sondern sich mal damit beschäftigen warum die AfD gewählt wird.
    Ausserdem, der Verfassungschutz, überwacht gerade mal den HöckeClub, merken Sie da nicht selbst, das ihre Unterstellung der komplett rechtsextremen AfD pure Hetze sind?

  • 7
    11
    Sterntaler
    17.05.2020

    Bei einem Abschied des Flügel bekommen wir vielleicht mal wieder eine durch und durch echte konservative Partei. Vielleicht ist diese dann auch für mehr Bürger der Mitte wählbarer. @Distel: wie immer .... @Malleo: Die "Hallo- Wach- Tablette der CDU", der ist echt gut und treffend!

  • 9
    13
    gelöschter Nutzer
    17.05.2020

    @vonVorn: Wenn Wähler eine offen rechtsextreme Partei wie die afd immer wieder wählen, obwohl sie wissen, was deren Agenda ist, dann müssen sich diese Wähler auch fragen lassen, warum sie Rechtsextreme in den Bundestag, den Landtag oder in die Kommunalpolitik wählen.
    Wieso stärkt man Rechtsextreme? Was würden Sie antworten?

  • 13
    3
    MuellerF
    17.05.2020

    "Wer sich in einem parteiinternen Konflikt auf Argumente von «Parteigegnern» berufe, der begehe «Verrat an der Partei», sagte Höcke."

    Was heißt denn hier "Argumente von Parteigegnern"? Die Unvereinbarkeitsliste ist eine INTERNE Regelung der AfD! Kalbitz hat durch sein Zuwiderhandeln gegen diese & durch das Verschweigen seiner Mitgliedschaften bei HDJ & REPs selbst die Argumente geliefert. Wie war das doch gleich mit "Mut zur Wahrhheit" ?

  • 12
    14
    vonVorn
    17.05.2020

    @Distelblüte, komisch Wähler an den Pranger stellen können Sie gut. Aber über die Ursachen für die AfD, kein Wort.

  • 8
    12
    Lesemuffel
    17.05.2020

    Man kann es drehen und wenden wie man will, die AfD ist die rechtskonservative, bürgerliche Ergänzung des Parteienspektrums. Wie jede junge Partei eben ein "gäriger Haufen". Jedenfalls wird ob mit oder ohne AfD das konservative Element nie mehr unterdrückt werden können, weil es den erstarrten, bequemen der anderen Seite Beine macht.

  • 10
    13
    ralf66
    16.05.2020

    @Distelblüte, zuletzt waren Sie noch der Ansicht, dass die AfD sich nicht ändern könne wenn gewisse Mitglieder in der Partei verbleiben würden, jetzt ist der erste dieser Mitglieder die Sie meinen raus, jetzt reicht Ihn das immer noch nicht, Ihnen kann man aber auch gar nichts recht machen.

  • 5
    11
    j35r99
    16.05.2020

    Um einen Staat zu regieren und zu beherrschen braucht man einen inneren und einen äußeren Feind.
    In allen Krisensituationen kann man sich dieser Konstellation "bedienen".
    Z.Zt. sind AFD der innere Feind und Russland der äußere Feind.
    Man kann natürlich noch einen "Traufsetzen" mit Offizieren im besonderem Einsatz.
    Die müssen in bestimmten Zeiten viel "Lärm" machen.
    (siehe Lucke, Petri, Klaubitz, Höcke u.a).
    Dies habe ich zu DDR-Zeiten, in meinem Studium zum Staatswissenschaftle,r gelehrt bekommen.

  • 18
    21
    Malleo
    16.05.2020

    Distel.
    Ihre Dramatisierungsreserven mit
    Blick auf die AfD sind unendlich.
    Noch einmal: Die AfD ist eine Konsequenz für Merkel und so die Hallo- Wach- Tablette der CDU.

  • 18
    21
    gelöschter Nutzer
    16.05.2020

    Keine Sorge, Kalbitz klagt sich schon wieder zurück.
    Aber niemand sollte sich jetzt noch einreden, die afd sei bürgerlich. Der Ex-Geschichtslehrer Herr H. gibt den Ton an, und er und seine Gefolgsleute sind nun mal Rechtsextreme, da beißt die Maus keinen Faden ab.
    Da muss jeder selbst entscheiden, ob er mit seiner Wahlentscheidung weiter Nazis groß macht. Oder eben nicht.