Anti-Braunkohle-Proteste im Rheinland

Nach den großen Protesten von Fridays for Future gibt es auch im rheinischen Braunkohlerevier wieder Proteste. Die Polizei war mit einem Großaufgebot im Einsatz. Demonstranten besetzten auch eine aufgegebene Kneipe.

Erkelenz/Aachen (dpa) - Im rheinischen Braunkohlerevier haben Klimaschutz-Aktivisten am Samstag für ein sofortiges Ende der Stromerzeugung aus Kohle und Gas demonstriert. Die Polizei war mit einem Großaufgebot von Beamten aus mehreren Bundesländern im Einsatz.

Sie sollten die Demonstranten daran hindern, in den Tagebau Garzweiler einzudringen. Aufgerufen zu den Aktionen hatten das Bündnis Ende Gelände und andere Organisationen. Ende Gelände sprach von 3000 Teilnehmern an den Aktionen. Nach Angaben der Polizei waren es mindestens über 1000.

Zeitweise gelang es Demonstranten, Anlagen am Rand des Tagebaus und im Kraftwerk Weisweiler bei Aachen zu besetzen. In den direkten Abbaubereich sei aber kein Demonstrant gelangt, sagte eine Polizeisprecherin am Abend. Eine Sprecherin von Ende Gelände bezeichnete die Aktionen als «zivilen Ungehorsam». Ein RWE-Sprecher betonte, der Betrieb der Anlagen sei nicht eingeschränkt gewesen.

Um Demonstranten vom Tagebau fernzuhalten, setzte die Polizei vereinzelt Pfefferspray und Polizeihunde ein, wie eine Polizeisprecherin in Aachen bestätigte. Die Demonstranten hätten zuvor mehrfach Aufforderungen ignoriert, nicht weiter in Richtung der Abbruchkante des Tagebaus zu laufen.

Fünf Polizisten wurden nach den Angaben der Polizei am Samstag verletzt, sie blieben aber dienstfähig. Ein Mensch wurde festgenommen. Der Aachener Polizeipräsident Dirk Weinspach hatte ein konsequentes Einschreiten bei gewalttätigen und rechtswidrigen Aktionen angekündigt.

Nach dem Ende der Auseinandersetzungen um den Hambacher Forst ist der Tagebau Garzweiler zum neuen Zentrum des Streits um die Braunkohle geworden. RWE will den Tagebau bis zum Abschalten seines letzten Braunkohlekraftwerks 2038 weiter betreiben. Dabei sollen noch mehrere Dörfer den Baggern weichen. Der Energiekonzern verweist darauf, dass es im Kohleausstiegsgesetz eine Bestandsgarantie für Garzweiler gibt.

Die Initiative Alle Dörfer bleiben machte am Samstag mit einem Protestzug gegen die Abbaupläne mobil. Demonstranten besetzten am Samstag eine bereits aufgegebene Gaststätte im Ort Keyenberg. Sie warfen RWE vor, systematisch Dorfgemeinschaften zu spalten. Nach Angaben von RWE ist die Umsiedlung der 1500 Bewohner der Ortschaften bereits weit fortgeschritten. Die meisten hätten sich für einen gemeinsamen Neuanfang entscheiden.

Die Proteste richten sich diesmal nicht nur gegen die Braunkohle. Auch vor einem Gaskraftwerk in Düsseldorf zogen etwa 200 Demonstranten auf, wie die Polizei mitteilte. Zudem besetzten Demonstranten eine Baustelle einer neuen Fernleitung zwischen den Niederlanden und Westfalen. Auch Gas sei «extrem klimaschädlich», sagte eine Sprecherin von Ende Gelände. Deshalb müsse sofort aus allen fossilen Energien ausgestiegen werden.

Am Freitag waren in Deutschland auf Aufruf von Fridays for Future bereits Zehntausende Menschen für Klimaschutz auf die Straße gegangen. Weltweit forderten die Demonstranten, den Ausstieg aus der Nutzung von Kohle und Öl zu beschleunigen, um die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen - dafür wäre aus Sicht von Wissenschaftlern ein radikales Umsteuern zwingend notwendig.

1111 Kommentare
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    2
    censor
    28.09.2020

    mops - das steht zu befürchten. Früher hatten wir ja einen antiimperialistischen Schutzwall, den angeblich nicht mal die Tschernobyl-Strahlen durchdringen konnten. ;-)
    Silvester 1978 haben wir bei Kerzenschein gefeiert. Viertel vor 12 kam der Strom wieder.

  • 2
    1
    mops0106
    28.09.2020

    Censor, das habe ich auch erlebt als Kind und junger Erwachsener.
    Heute würden bei tagelangen Stromausfällen aber noch Plünderungen, Überfälle etc. dazu kommen.

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    0
    censor
    28.09.2020

    mops , ich möchte das auch nicht erleben, aber die Kids sollten es vielleicht mal verkosten, damit sie wissen, was Konsumverzicht wirklich ist.

    In der DDR hatten wir solche Ausfälle mehrmals - damals 1978 (Schneechaos) und 1987 mit bis zu -30Grad in der Nacht, als in Borna-Espenhain der Tagebau eingefroren war.
    Damals hatten wir im Betrieb nur stundenweise Strom und abends zu Hause gar keinen.

    Zum Glück hatten wir damals Ofenheizung und konnten alles verkacheln, was Wärme erzeugte. Aber es gab keine Kerzen und Taschenlampenbatterien mehr zu kaufen.

  • 1
    0
    mops0106
    28.09.2020

    Deluxe, theoretisch stimme ich ihrem Vorschlag zu, aber praktisch möchte ich keinen tagelangen Stromausfall erleben. Nicht vorzustellen, was dann in den Städten los wäre.

  • 6
    2
    censor
    28.09.2020

    Ich schlage vor, die Kraftwerksbetreiber befolgen die Forderung der Aktivisten und stellen die Stromproduktion aus Kohle und Gas mit sofortiger Wirkung ein.

    Ich bin überzeugt, dieselben Aktivisten werden in wenigen Tagen auf Knien darum bitten, die Kraftwerke wieder hoch zu fahren, denn sie werden weder wissen, wo sie ihre Smartphones laden noch eine vegane Pizza backen können. Sie werden an den Allerwertesten frieren, weil keine Heizungspumpe ohne Strom funktioniert und nach 3 Tagen wird auch der Wasserhahn und Toilettenspülung versiegen, denn auch Wasserwerke brauchen Energie. Öffentliche Verkehrsmittel werden still stehen, Läden geschlossen bleiben und Onlinebanking ist auch Pustekuchen.

    Zudem wird die Mehrheitsbevölkerung, die für ihre immer höhere Stromrechnung und den ganzen anderen "Alltagskram" hart arbeiten muss, diesen Nachwuchsideologen etwas husten.

    Also: Konfrontationstherapie jetzt.

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    Lesemuffel
    28.09.2020

    Korrektur gegen = hegen

  • 6
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    Deluxe
    28.09.2020

    Es müßte doch möglich sein, daß die Beschäftigten des Kohleenergiesektors sich mal untereinander auf einen Probelauf einigen und die Kohleverstromung mal ganz gezielt für einige Tage beenden.

    Das wäre dann sozusagen der "sofortige Ausstieg", nur eben auf Probe.

    Einfach mal probieren - der wirtschaftliche Schaden fällt im Schatten des Coronavirus vielleicht gar nicht mehr groß ins Gewicht. Und mal schauen, wer hinterher immer noch SOFORT aus der Kohle raus will. Bin gespannt.

    Bedingung wäre natürlich, daß kein Strom im Ausland eingekauft wird. Es soll ja ein realistisches Szenarium werden.

  • 6
    1
    Lesemuffel
    28.09.2020

    Warum werden die Forderungen dieser "Aktivisten" nicht sofort umgesetzt? Mal sehen, was passiert. Politik und Medien gegen und pflegen doch diese scheinheiligen Typen. Angst vor der Realität? Oder gut geeignet von tatsächlichen Problemen im Land abzulenken?

  • 7
    1
    Malleo
    28.09.2020

    Kklapa
    ...weil das das Land der unbegrenzten Zumutbarkeit ist und sich nach Erlösung sehnt..

  • 7
    1
    Hinterfragt
    28.09.2020

    @klapa, Richtig!
    Zudem kann es nicht angehen, dass diese Leute die Aufrufe zu ihren Straftaten auch noch über die Medien verbreiten dürfen - siehe Intervievs in den Nachrichtensendungen, usw..

    Nun bin ich ja mal gespannt, ob der Kommentar das "Licht der Welt" erblickt ...

  • 7
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    klapa
    27.09.2020

    Dritter Versuch

    Es sind keine Aktivisten, sondern Gesetzesbrecher, die sich an fremden Eigentum vergreifen.

    Weshalb werden sie nicht bestraft wie in der Schweiz?

    - https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/protest-vor-schweizer-banken-hohe-strafen-fuer-klimaaktivisten-16301889.html