Bald neue US-Panzertransporte durch Deutschland nach Osten

Die Beförderung von US-Kampfgerät quer durch Sachsen hat im Herbst 2017 für erhebliche Irritationen in der Öffentlichkeit gesorgt. In Kürze soll nun erneut US-Kriegsgerät durch Deutschland an die östlichen Nato-Außengrenzen rollen. Doch diesmal will die US-Armee die Bürger vorab informieren.

Berlin.

Der unverhoffte Anblick von Panzern wirkte auf viele Bürger bedrohlich: Im Oktober 2017 machte im Bahnhof von Mittweida für mehrere Tage ein Güterzug Station, der mit US-Kampffahrzeugen beladen war. Auch in anderen Bahnhöfen sowie auf Autobahnen im Freistaat wurde Kriegsgerät gesichtet. Viele Menschen fragten sich, was da vor sich geht. Sollte womöglich ein Militäreinsatz bevorstehen? Sorge machte sich breit. Und es dauerte tatsächlich einige Tage, bis klar war, worum es ging.

Im Rahmen der Nato-Militärmanöver an den östlichen Außengrenzen der Bündnispartner hatte die US-Armee im Herbst 2017 Kampfgeräte aus Polen zurücktransportiert. Aufgrund fehlender Kapazitäten für derlei Sondertransporte auf der Schiene musste der Güterzug für längere Zeit in Mittweida haltmachen, bevor er seine Reise Richtung Süddeutschland fortsetzen konnte.

Auch demnächst sind wieder US-Militärtransporte im Rahmen der Nato-Übung geplant. Zwischen Mitte und Ende Januar landet in der belgischen Hafenstadt Antwerpen Kriegsgerät aus den Vereinigten Staaten an, wie Brigadegeneral Hartmut Renk, zuständig für die US-Armee in Europa, gestern in Berlin mitteilte. Demnach werden rund 3500 Militär- und Zivilkräfte an die östliche Nato-Außengrenze gebracht, ferner 500 Kettenfahrzeuge, 120 Schützenpanzer, 1500 Radfahrzeuge und 850 Anhänger.

Das Gerät wird nach Renks Worten zumeist per Bahn über Nordrhein-Westfalen, Hannover, Magdeburg und Berlin in die Oberlausitz und von dort weiter an die polnische und die baltischen Nato-Außengrenzen befördert. Ob im Gegenzug erneut auch Kampfgerät aus Osteuropa über Sachsen zurücktransportiert wird, wie im Oktober 2017, ist derzeit unklar. Dies hängt den Angaben zufolge von den Schienenkapazitäten der Deutschen Bahn ab, die die Trassen für die Güterbeförderung festlege. Ausgeschlossen ist es demnach nicht, dass bald wieder US-Militärgerät durch Sachsen rollt.

Die zeitlich beschränkte Stationierung von Nato-Truppen an den östlichen polnischen und baltischen Außengrenzen geht auf Nato-Gipfelbeschlüsse von 2014, 2016 und 2018 zurück. Mit der militärischen Maßnahme soll das Verteidigungsbündnis dem Schutzbedürfnis seiner östlichen Partnerstaaten gegenüber Russland nachkommen. Das Verhältnis beider Seiten hat sich seit Ausbruch des Krieges in der Ukraine massiv verschlechtert.

Da die Nato-Grundakte eine dauerhafte Stationierung von westlichem Militär an der Nato-Ostflanke untersagt, rotieren die Truppen im Neun-Monats-Rhythmus. Faktisch führt diese Praxis jedoch zu einer Nato-Dauerpräsenz nahe der Grenze zu Russland, was in Moskau für anhaltende Kritik sorgt.

Renk betonte gestern in Bezug auf die US-Truppenrotation, Ziel sei "der Aufbau eines Abschreckungsszenarios". Es handle sich um schnell und über größere Entfernungen verlegbare, einsatzfähige Kräfte. So stehe es in den Gipfel-Entscheidungen der Nato. Die Verlegungen von größeren Truppenteilen samt Kampfgerät seien Teil der Fähigkeiten, die im Rahmen der Nato-Operation Atlantic Resolve (OAR) geübt würden. Entsprechende Übungen hätten seit der Osterweiterung der Nato nicht mehr stattgefunden, sagte Renk. Es handle sich um ein anspruchsvolles militärisches Programm. Ziel der Manöver sei, "jedem potenziellen Gegner deutlich zu machen, dass es gegen die Nato und Europa keine militärische Option gibt". Renk fuhr fort: "Das dient nicht dazu, dass wir alle einen Krieg führen wollen. Das dient ausdrücklich der Abschreckung."

Zugleich wird deutlich, dass die US-Armee im Vorfeld ihrer neuerlichen Truppenverlegung für mehr Öffentlichkeit und Transparenz hierzulande sorgen will. Damit soll das Verständnis wachsen und einer erneuten Verunsicherung in Teilen der Bevölkerung vor allem in Ostdeutschland vorgebeugt werden, wie am Rande zu erfahren war. Dieser Gesichtspunkt sei in der Vergangenheit nicht ausreichend berücksichtigt worden. Es solle klar werden, dass die Manöver Teil der Umsetzung von Nato-Beschlüssen sind und nicht als bedrohlich wahrzunehmen seien. Auch Renk betont: "Es ist das Ziel, dass wir der Bevölkerung erklären, was wir machen. Das müssen alle verstehen."

Bewertung des Artikels: Ø 5 Sterne bei 1 Bewertung
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...