Björn Höcke sieht seinen Kurs als Erfolgsrezept für die AfD

Wer sein Wahlergebnis mehr als verdoppelt hat, stellt sich normalerweise gerne den Fragen der Berliner Hauptstadtpresse. Bei Björn Höcke von der AfD ist das anders. Er fremdelt mit den Journalisten, fühlt sich von ihnen gar «gemobbt».

Berlin (dpa) - Nach dem Stimmenzuwachs seiner Partei bei der Landtagswahl in Thüringen will der AfD-Landesvorsitzende Björn Höcke seinem Kurs in der Partei zu mehr Geltung verhelfen.

«Ich glaube auch, dass dieser solidarische Patriotismus das Erfolgsmodell für die Gesamtpartei sein kann und sein sollte, wenn wir in den nächsten Jahren dann eine gesamtdeutsche Volkspartei werden wollen», sagte Höcke am Montag in Berlin. Auf die Frage, ob er beim Bundesparteitag Ende November für einen Posten im Parteivorstand kandidieren werde, antwortete er: «Das behalte ich mir vor, ob ich kandidiere oder nicht.»

Die AfD hatte am Sonntag mehr als 23 Prozent der Stimmen erhalten und war damit zweitstärkste Kraft geworden. Höcke, der die Partei als Spitzenkandidat in die Thüringen-Wahl führte, ist Gründer des rechtsnationalen «Flügels» in der AfD. Das Bundesamt für Verfassungsschutz stuft den «Flügel» - anders als die Gesamtpartei - als «Verdachtsfall» im Bereich des Rechtsextremismus ein.

Der AfD-Vorsitzende Alexander Gauland hatte am Sonntagabend gesagt: «Herr Höcke rückt die Partei nicht nach rechts. Herr Höcke ist die Mitte der Partei.» Der Vorsitzende des Parlamentarischen Kontrollgremiums des Bundestages, Armin Schuster (CDU), sagte: «Ich hätte Herrn Gauland mehr Vorsicht angeraten, denn wenn Höcke in der Mitte steht, würde ja die ganze AfD ins Blickfeld des Verfassungsschutzes geraten.» Ein solcher Schritt erscheine ihm derzeit allerdings «übertrieben», fügte Schuster hinzu.

Gauland schob am Montag hinterher, er habe mit dem Begriff «Mitte» keine Verortung im politischen Rechts-Links-Schema ausdrücken wollen, sondern betont, dass Höcke in der AfD kein Außenseiter sei. Er sagte: «Wenn jemand als Spitzenkandidat von Thüringen knapp 25 Prozent der Wähler hinter sich vereinigt, dann ist er bestimmt keine Randfigur.» Er sei zwar nicht mit allen Positionen Höckes einverstanden - und umgekehrt sei dies sicher genauso -, doch stehe für ihn fest: «Wir sind in den Grundzielen der Partei natürlich völlig einer Meinung.»

Der Co-Vorsitzende Jörg Meuthen sagte, er würde einige Positionen von Höcke nicht als mittig klassifizieren. «Vielleicht könnte man sagen: Gesellschaftspolitisch deutlich rechts, wirtschafts- und sozialpolitisch deutlich links ist im Durchschnitt dann mittig.»

Auf die Frage, ob die AfD-Wähler in Thüringen seine Partei wohl wegen oder trotz des rechtsnationalen Spitzenkandidaten Höcke gewählt hätten, antwortete Meuthen, an solchen Spekulationen wolle er sich nicht beteiligen. Dass eine Partei in ihren Wahlkämpfen im Osten und im Westen unterschiedliche Schwerpunkte setze, sei normal.

Dem Sender Phoenix sagte Meuthen mit Blick auf den Bundesparteitag: «Wenn es Björn Höcke gelüstet, zu kandidieren, dann soll er das tun. Wir werden dann sehen, wo die Mehrheitsverhältnisse sind. Ich sehe das völlig gelassen.»

Höcke beklagte sich über «Mobbing» durch Journalisten und die aus seiner Sicht zu negative Darstellung der AfD im Thüringer Wahlkampf. Er sagte: «Ich möchte in diesem Zusammenhang fast schon von Manipulation reden.» Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) wies das zurück. Der DJV-Bundesvorsitzende Frank Überall erklärte: «Statt Weinerlichkeit erwarten wir Journalisten vom thüringischen AfD-Chef faktenbasierte Antworten.»

19Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 6
    2
    Lesemuffel
    30.10.2019

    Warum finden Sie, maresch Herrn Höcke "einfach nur lächerlich"? Es wurde doch erst von einem bundesdeutschen Gericht entschieden, dass man ihn als "Faschist" bezeichnen darf. Und das sei keine Beleidigung. Das ist doch nicht lächerlich, oder? Er ist damit so einer wie der Duce, oder?

  • 6
    5
    Distelblüte
    30.10.2019

    @Maresch: Lächerlich ist vielleicht nicht das richtige Adjektiv. Von außen betrachtet mag man sich wirklich fragen "ausgerechnet den" erwählt Opa Vogelschiss zur Mitte der afd. Ich rate aber davon ab, H.s Machthunger zu unterschätzen. In einem Spiegel-Interview
    mit H. vor einigen Jahren konnte man zwischen den Zeilen lesen, dass H. sich auf dem Weg nach ganz oben sieht. Wenn ich noch deutlicher werde, wird mein Kommentar wieder nicht veröffentlicht.

  • 9
    3
    Maresch
    30.10.2019

    Ich finde diesen Herrn Höcke einfach nur lächerlich! Insbesondere sind seine völlig realitätsfernen Aussagen und abstrusen Fantasien eine Beleidigung für jeden, der noch bei gesundem Menschenverstand ist.

  • 12
    6
    Freigeist14
    29.10.2019

    franzUDo@ Sie müssen hier keine plakativen BILD- Schlagzeilen wieder geben . Es ist die übliche Masche , Empathie und Altruismus gegenüber Migranten als Toleranz gegenüber muslimischen Extremismus und deren Familien-Clans zu diffamieren .

  • 9
    11
    franzudo2013
    29.10.2019

    Wenn ich mich zu Menschen, deren Sprache ich spreche, hingezogen fühle, dann ist das weder nationalistisch noch rassistisch sondern menschlich normal.
    Bin ich rassistisch, wenn ich es ablehne, dass in Deutschland Ehrenmorde verübt werden und Frauen enthauptet werden, wie zuletzt in Limburg?

  • 10
    4
    tbaukhage
    29.10.2019

    @thomboy: Ich woll's mal auflösen... Das von mir kopierte Zitat stammt vom Bernd. Das Original lautet "Wir kommen nicht als Freunde, auch nicht als Neutrale. Wir kommen als Feinde! Wie der Wolf in die Schafherde einbricht, so kommen wir." und stammt von seinem Reden- , Sprach- und Gestenvorbild Joseph.

  • 10
    3
    Freigeist14
    29.10.2019

    Hinterfragt @ vielleicht übersahen Sie es nur . Aber es ist kein Zufall , das im Zitat von der EIGENEN Schande die Rede war o d e r ein Bernd Höcke mit voller Absicht nur vom "Mahnmal der Schande" sprach . Seine Anhänger haben das verstanden .

  • 12
    7
    SimpleMan
    29.10.2019

    @thomboy "Und was ist daran rechts?" Die Aussagen von Björn Höcke sind vor allen Dingen rassistisch. Seine Aussagen würdigen Menschen, die nicht in Deutschland geboren sind, herab. Gleichzeitig überhöhen sie Menschen, die in Deutschland geboren sind. Aber selbst die Menschen, die hier geboren sind, werden unterschieden, nach der Herkunft ihrer Eltern oder Großeltern.

  • 10
    11
    Distelblüte
    29.10.2019

    @th: Ihnen ist wohl nicht mehr zu helfen. Alle diese Aussagen können als symptomatisch für rechte Positionen gesehen werden. Überlegen Sie einfach, ob Sie diese Aussagen selbst vertreten würden.

  • 6
    7
    Hinterfragt
    29.10.2019

    "...Neil MacGregor hat anhand dieses Beispiels auf eine Besonderheit deutscher Denkmalkultur aufmerksam gemacht. Er kenne, schrieb er im Buch zu seiner Ausstellung „Deutschland. Erinnerungen einer Nation“, er kenne „kein anderes Land, das in der Mitte seiner Hauptstadt ein Mahnmal der eigenen Schande errichtet hätte.“ ..."

    Frau Monika Grütters (CDU)
    Montag, 5. September 2016

  • 5
    14
    gelöschter Nutzer
    29.10.2019

    Und was ist daran rechts?

  • 11
    7
    gelöschter Nutzer
    29.10.2019

    Zitate Höcke:

    "Christentum und Judentum stellen einen Antagonismus dar. Darum kann ich mit dem Begriff des christlich-jüdischen Abendlands nichts anfangen.“ (auf einer Veranstaltung der „Jungen Alternative Berlin“ am 26. September 2015)

     „Im 21. Jahrhundert trifft der lebensbejahende afrikanische Ausbreitungstyp auf den selbstverneinenden europäischen Platzhaltertyp.“ (in einem Vortrag über Asylbewerber aus Afrika, 21. November 2015)

    „Ich will, dass Deutschland nicht nur eine tausendjährige Vergangenheit hat. Ich will, dass Deutschland auch eine tausendjährige Zukunft hat.“ (auf einer Kundgebung im Oktober 2015)

    „Wir Deutschen, also unser Volk, sind das einzige Volk der Welt, das sich ein Denkmal der Schande in das Herz seiner Hauptstadt gepflanzt hat.“ (Dresden, 17. Januar 2017, über das Holocaust-Denkmal in Berlin)

    https://www.focus.de/politik/deutschland/bjoern-hoecke-sieben-zitate-zeigen-wie-gefaehrlich-der-afd-rechtsaussen-wirklich-ist_id_6536746.html

  • 11
    3
    tbaukhage
    28.10.2019

    @thombyo: "Wir müssen uns entscheiden, ob wir Schafe oder Wölfe sein wollen und wir entscheiden uns dafür, Wölfe zu sein!" Stammt das vom Bernd oder vom Joseph?

  • 3
    17
    gelöschter Nutzer
    28.10.2019

    Blacky: was ist an Höcke rechts?

  • 4
    14
    gelöschter Nutzer
    28.10.2019

    Osgar: ich erinnere mich noch sehr gut an die DDR Diktatur!

  • 11
    3
    Einspruch
    28.10.2019

    Höcke ist nun wirklich nicht die Mitte. Soviel zweifelhafte Äußerungen sind ja kaum zu glauben. Das ist eher so wie nur bittere Medizin ist wirksam. Wann bieten die Altparteien mal wieder Politik fürs Volk und korrigieren mal was bei Rente, Migration, EEG Gesetz, CO 2 steuer, AKK und ihren Diäten. man wartet und wartet.
    Dann wäre die Auswahl bei der Wahl wieder größer.

  • 8
    6
    osgar
    28.10.2019

    Manche Leute werden mit zunehmendem Alter vergesslich.

  • 15
    10
    gelöschter Nutzer
    28.10.2019

    Wenn Höcke die Mitte ist, zeigt das, wie weit rechts die gesamte AfD schon ist.

  • 6
    14
    gelöschter Nutzer
    28.10.2019

    Da hat Gauland voll Recht.



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