Boris Palmer empört mit Kritik an Bahn-Werbung

Er hat es mal wieder geschafft: Die Grünen - und nicht nur sie - sind schwer genervt von Boris Palmer. Der Tübinger Bürgermeister hat bei der Bahn Bilder entdeckt, sich gewundert - und das auf Facebook herausposaunt.

Tübingen/Berlin (dpa) - Der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) hat mit Kritik an der Auswahl von Werbeträgern der Bahn für Empörung gesorgt.

Die Bahn zeigt auf ihrer Internetseite Bilder von Reisenden mit unterschiedlichen Hautfarben, unter anderem den dunkelhäutigen Sterne-Koch Nelson Müller und die türkisch-stämmige Moderatorin Nazan Eckes. «Ich finde es nicht nachvollziehbar, nach welchen Kriterien die «Deutsche Bahn» die Personen auf dieser Eingangsseite ausgewählt hat», schrieb Palmer am Dienstag auf Facebook. «Welche Gesellschaft soll das abbilden?» Die Bahn und die Grünen-Spitze reagierten befremdet.

«Herr Palmer hat offenbar zum wiederholten Male Probleme mit einer offenen und bunten Gesellschaft», sagte ein Sprecher der Bahn der Deutschen Presse-Agentur. «Solch eine Haltung lehnen wir ab.» Müller, Eckes und der früheren Formel-1-Fahrers Nico Rosberg, die auch auf Plakaten und in Werbespots der Bahn zu sehen sind, stünden «für besondere Talente, die viele Menschen begeistern».

Der Bundesgeschäftsführer der Grünen, Michael Kellner, lobte die Kampagne demonstrativ: «Die Bahn ist für alle da, und dass sie mit Vielfalt wirbt, begrüße ich», sagte er der dpa. «Es zeigt die gesellschaftliche Realität.»

Viele Grüne zeigten sich genervt von dem Oberbürgermeister der schwäbischen Universitätsstadt, der unter anderem mit Aussagen zur Asylpolitik seine Partei immer wieder reizt. Der Tübinger Landtagsabgeordnete der Grünen in Baden-Württemberg, Daniel Lede Abal, wies Palmers Äußerung als «einfach völlig daneben» zurück: «Wenn er als Oberbürgermeister mit so einer Stadtgesellschaft nicht zurechtkommt, sollte er sich jetzt überlegen, ob er Oberbürgermeister bleiben kann.» Der nordrhein-westfälische Grüne Ali Bas forderte auf Twitter: «Es wird Zeit den Hut zu nehmen, Herr Palmer!»

Auf Anfrage der dpa erläuterte Palmer am Dienstag seinen Standpunkt. «Menschen, die so aussehen, als hätten sie keinen Migrationshintergrund, sind bei den Bildern in der Minderheit», sagte er. «Ich würde eine Auswahl an Bildern, die unsere Gesellschaft abbildet, für logischer halten.» Wer eine andere Auswahl treffe, könne dafür gute Gründe haben. «Aber die erkenne ich bisher nicht.» Er frage sich, welche Strategie hinter der Bilderauswahl der Bahn stecke.

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6Kommentare
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  • 2
    0
    Franziskamarcus
    29.04.2019

    Apropos Bahn: Politisch korrekt wollen(müssen) sie ja sein, aber der Fahrplan funktioniert irgendwie nie korrekt:
    https://m.faz.net/aktuell/rhein-main/fernzuege-hielten-wegen-krankheitsfalls-nicht-am-frankfurter-flughafen-und-in-mainz-16161352.html?GEPC=s3
    Ich frag mich grade, ob der hochdotierte Werbeträger Rossberg oder der Herr Müller nich e bissl Zeit haben, sich ins Stellwerk zu hocken?

  • 5
    5
    27.04.2019

    Tja, Boris Palmer liebt die Aufmerksamkeit und die Provokation. Aber was soll die DB den zeigen? Weiße Männer in kurzen Hosen mit karierten Kniestrümpfen und Sandalen? Aber er kann nun einmal wirklich nicht die… halten :-)

  • 5
    3
    Malleo
    24.04.2019

    Ja der Herr Palmer, gelegentlich tanzt er ein Stück weit aus der Reihe und erntet dafür die gewollte Aufmerksamkeit.
    Berlin findet er nicht so gut, dann postuliert er, dass bei den Grünen keiner die Multikulti- Romantik vertritt (eine glatte Lüge), gelegentlich wettert er gegen testosterongesteuerte junge Menschen mit Migrationshintergrund, prügelt sich fast mit einem Studenten und nun Zoff wegen eines Bildes, wo die Lebenswirklichkeit unverstellt abgebildet ist.
    Mal ehrlich, das geht gar nicht.
    Ich hätte mir auch viel lieber gewünscht, jene Frau mit dem buntgeschmückten Papageienkostüm und ihren 41.000 Flugkilometern, als fotogene Werbeikone der DB AG auf dem Bild zu sehen.
    Das wäre ebenso authentisch, wie der versagte Physiknobelpreis für Frau Baerbocks Erkenntnis Energie im Netz zu speichern.

  • 7
    6
    Freigeist14
    24.04.2019

    Hat sich Palmer schon einmal über die kundenfeindliche Politik des Bundes und der Bahn geäußert. Das müsste doch einem Grünen am Herzen liegen . Aber nein ,der Wertkonservative findet die Werbeaktion mit unterschiedlichen Menschen anstößig . Man stelle sich vor , Gauland & Co. hätten sich so geäußert ....

  • 8
    3
    Distelblüte
    24.04.2019

    @Franziskamarcus: Ich finde es gut, dass wenigstens Sie ehrliche Worte für Herrn Palmers Einstellung finden.

  • 10
    9
    Franziskamarcus
    23.04.2019

    Die einzigen, die Nerven, sind die Grünen. Aber einen der ihren als Rassist zu betiteln, so viel mumm haben die dann doch nicht....
    Da hat wieder einer in den Hühnerstall gepickt und alle gackern wild umher, Herrlich!!



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