Bundesarbeitsminister plant Gesetz für Recht auf Homeoffice

Nach Schätzungen ist die Zahl der im Homeoffice tätigen Arbeitnehmer in der Corona-Krise auf bis zu 25 Prozent gestiegen. Und wenn es nach Arbeitsminister Hubertus Heil geht, wird die Zahl wohl auch künftig nicht mehr auf den Vor-Pandemie-Stand zurückkehren.

Berlin (dpa) - Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) will das Recht auf Arbeit von zu Hause aus gesetzlich verankern: «Ich arbeite an einem neuen Gesetz für ein Recht auf Homeoffice, das ich bis Herbst vorlegen werde».

«Jeder, der möchte und bei dem es der Arbeitsplatz zulässt, soll im Homeoffice arbeiten können - auch wenn die Corona-Pandemie wieder vorbei ist», sagte Heil der «Bild am Sonntag». «Man darf entweder komplett auf Homeoffice umsteigen oder auch nur für ein oder zwei Tage die Woche», erklärte Heil. Ersten vorsichtigen Schätzungen zufolge sei der die Zahl der Arbeitnehmer im Homeoffice in der Corona-Krise von 12 auf 25 Prozent aller Beschäftigten gestiegen.

Mit «fairen Regeln» will Heil verhindern, dass «sich die Arbeit zu sehr ins Private frisst». Auch im Homeoffice gebe es einen Feierabend - «und zwar nicht erst um 22 Uhr». Heimarbeit soll für die Arbeitnehmer eine freiwillige Möglichkeit sein. «Wir wollen mehr Homeoffice ermöglichen, aber nicht erzwingen», sagte Heil.

Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) pries ebenfalls die Vorzüge des Arbeitens von zu Hause aus. «Die vergangenen Wochen haben gezeigt, wie viel im Homeoffice möglich ist - das ist eine echte Errungenschaft, hinter die wir nicht mehr zurückfallen sollten», sagte der Finanzminister der «Bild am Sonntag».

Die Arbeitgeber lehnen die Pläne von Minister Heil ab. «Politische Ladenhüter aus der Zeit vor dem größten Wirtschaftsrückgang seit vielen Jahrzehnten aufzuwärmen, wirkt etwas aus der Zeit gefallen», sagte der Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, Steffen Kampeter. «Wir brauchen ein Belastungsmoratorium statt weiterer Vorgaben, die Wachstum und Flexibilität beschränken.»

Es sei im Interesse von Arbeitgebern und Beschäftigten gleichermaßen, mobiles Arbeiten dort einzusetzen, wo es möglich und sinnvoll sei, so Kampeter. «Dabei müssen betriebliche Belange und die Wünsche der Kunden eine zentrale Rolle spielen. Mit Homeoffice allein kann die Wirtschaft nicht am Laufen gehalten werden.»


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3Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 0
    1
    Pixelghost
    28.04.2020

    Bis ein Mitarbeiter einen Laptop mit irgendwelchen Verkaufszahlen seines Unternehmens in der U-Bahn liegen lässt…

  • 3
    3
    Lesemuffel
    26.04.2020

    Ein völlig überflüssiger Rechtsanspruch. Aus populistischen Gründen formuliert. Das sollte freiwillig sein und deinerVereinbarung zwischen Arbeitgeber/ - nehmer vorbehalten bleiben.
    Soll dann eine Mutter, die zwei Kleinkinder zu betreuen hat, keinen Rechtsanspruch auf Kita-Plätze haben? Heil sollman eine Mutter mit zwei kleinen Mädchen von 2 und vier Jahren fragen, welchsen Spaß es macht, Homeoffice, Telefonlonferenzen zu machen. Wenn Ahnungslose mit komischen Gesetzesvorschlägen vorpreschen kommt wirklich nur Unsinn heraus.

  • 1
    5
    ralf66
    26.04.2020

    Die Folgen wären, dass teuer errichtete Büroräume mit aller der auf den neuesten Stand gebrachten Computertechnik und Kommunikation nur noch teilweise genutzt werden. In der jetzigen Krise sieht man Heimarbeit ein, später wird das flächendeckende Arbeitsmodell für Bürokräfte oft von zu Hause arbeiten zu können gegenüber anderen Berufstätigen die das nicht können als ungerecht angesehen werden, denn bei Heimarbeit kann man sich einteilen wie man arbeitet, wie lange man arbeitet, wenn man früh aufsteht, wenn man Pause macht und wie lange man Pause macht, man ist keinem straff organisierten Arbeitsalltag mehr unterzogen, kann berufliches mit privatem gut organisieren, muss natürlich das Arbeitspensum schaffen.