Bundesregierung will mit Impfpflicht Masern «ausrotten»

Um Masern-Infektionen rigoroser einzudämmen, soll eine Impfpflicht für Kinder in Gemeinschaftseinrichtungen - also Kitas und Schulen - kommen. Der Bundestag hat mit den Beratungen darüber begonnen. Mediziner fordern zusätzliche Instrumente.

Berlin (dpa) - Mit einer Impfpflicht gegen Masern in Kitas und Schulen will die Bundesregierung dieser ansteckenden und gefährlichen Infektionskrankheit endgültig beikommen.

«Wir wollen die Masern ausrotten», sagte Gesundheitsstaatssekretär Thomas Gebhart am Freitag im Bundestag bei der ersten Beratung eines Masernschutzgesetzes. «Ich will, dass kein Kind mehr an Masern erkrankt, und ich will, dass niemand mehr an den Folgen dieser Krankheit stirbt.» Dazu müssten mindestens 95 Prozent der Bevölkerung gegen die Krankheit immun sein. In diesem Jahr seien in Deutschland bereits mehr als 490 Masernfälle gemeldet worden, sagte Gebhart.

Der Gesetzentwurf von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sieht vor, dass Eltern ab März 2020 vor Aufnahme ihrer Kinder in Kitas oder Schulen nachweisen müssen, dass diese geimpft oder immun sind. Die Pflicht soll auch für Personal in Kitas und Schulen sowie für Beschäftigte in medizischen Einrichtungen gelten. Bei Verstößen drohen Bußgelder bis zu 2500 Euro.

Die Grünen-Abgeordnete Kordula Schulz-Asche betonte: «Sich impfen zu lassen, ist nicht nur Selbstschutz, sondern auch ein Akt gesellschaftlicher Solidarität.» Abgeordnete anderer Parteien wiesen ebenfalls darauf hin, dass es auch um den Schutz derjenigen Menschen gehe, die sich aus gesundheitlichen Gründen nicht impfen lassen könnten.

Die Impfung sei «ein kleiner Nachteil, eine kleine Belästigung», sagte Rudolf Henke (CDU). Sie sei aber «ein großer Vorteil für die Menschen, die selbst nicht geimpft werden dürfen und sonst schutzlos der Infektion mit einer Krankheit ausgesetzt wären, die sie das Leben kosten kann».

Die AfD kündigte an, dem Gesetzentwurf nicht zustimmen zu wollen. «Er ist der wiederholte und gezielte Angriff auf die Freiheitsrechte unserer Bürger», sagte ihr Abgeordneter Ulrich Oehme.

Die Kinderärzte unterstützen dagegen die geplante Impflicht, werben aber auch für weitere Maßnahmen. «Alle Kinder sollten gegen Masern geimpft werden, weil das ihr Leben schützt», sagte Hans-Iko Huppertz, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin, der Deutschen Presse-Agentur. «Dass künftig ein gewisser Zwang da ist, ist sicherlich gerechtfertigt.» Er betonte aber: «Alle Möglichkeiten der Überzeugung sollten weiterhin ausgeschöpft werden. Dazu gehört auch, Ärzte, die von Impfungen abraten, zur Verantwortung zu ziehen.»

Laut Huppertz müssten nicht nur Säuglinge und Kleinkinder geimpft werden, sondern auch ältere Jugendliche und Erwachsene, die nach 1970 geboren wurden. Da gebe es Impflücken. Sie würden von den bisherigen Plänen aber nicht erfasst.

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7Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 6
    7
    Einspruch
    19.10.2019

    Die Pflicht zur Impfung kann man nur befürworten. Gerade unter dem Aspekt der Zuwanderung vieler ungeimpfter. Da haette man das System ruhig mal übernehmen können, was wir schon hatten.

  • 3
    0
    Hinterfragt
    19.10.2019

    oops:

    natürlich "nicht drumherum" ;-)

  • 6
    0
    Hinterfragt
    19.10.2019

    "... Keine Kita, keine Schule, richtig so..."

    NÖ Falsch.

    Richtig ist keine KITA.
    Aber ansonsten besteht in D eine SCHULPFLICHT, da kommt man auch ohne die Impfung drumherum ...

    Die Impfpflicht ist ein Muss! Hatten wir aber auch schon mal.

  • 6
    11
    gelöschter Nutzer
    19.10.2019

    @lexidark: Als Partei der Aluhüte und alternativen Fakten passt die AfD doch super zur Impfgegnerfraktion.

  • 11
    3
    DTRFC2005
    19.10.2019

    Man muss nicht jede Impfung haben, wie z.b gegen Windpocken, aber wenn bei Krankheiten der kleiner Pikser weniger Schaden anrichtet, als die Erkrankung ,dann 100 pro Zustimmung zur Impfpflicht.Leider muss man es zur Pflicht deklarieren.

  • 11
    4
    Lexisdark
    19.10.2019

    Was denn, die AfD stimmt dem Gesetzentwurf nicht zu? Ach ja, man muss ja gegen alles sein, was sinnvoll ist. Dass die Masern und viele andere Krankheiten in der DDR fast komplett ausgerottet waren, kann man durchaus als positiv empfinden. Und viele gehen heutzutage nur nicht impfen, weil sie auf scheinheilige Argumente und Halbwahrheiten der Impfgegner hereinfallen. Dem wird nun abgeholfen. Keine Impfung gegen Masern? Keine Kita, keine Schule, richtig so

  • 7
    4
    BlackSheep
    19.10.2019

    https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/gesundheit/masern-im-osten-ein-fast-gewonnener-kampf-13452275.html
    Da will wohl wieder jemand das Rad neu erfinden?



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