Bunter Protest in Dresden gegen Neonazis

In Dresden protestieren Hunderte auf den Straßen, um einen Neonazi-Aufmarsch zum Gedenken an die Kriegszerstörung der Stadt vor 75 Jahren zu verhindern. Die Polizei ist mit Pferden, Hubschrauber und jeder Menge Beamten im Einsatz.

Dresden (dpa) - Trommeln, Trillerpfeifen, laute Musik und Sprechchöre - bunt und lautstark haben in Dresden zahlreiche Menschen gegen eine Kundgebung von Neonazis und einen sogenannten «Trauermarsch» zum Gedenken an die Zerstörung der Stadt im Zweiten Weltkrieg demonstriert.

«Gemeinsam gegen den Rechtsruck in Europa» war etwa auf Transparenten zu lesen. Pink gekleidete Demonstranten hielten ein Pappschild mit der Aufschrift: «Lieber Paradiesvogel als Reichsadler.»

Gegen die teils aus mehreren europäischen Ländern angereisten Rechtsextremen machten nach ersten Schätzungen der Organisatoren deutlich mehr als 2000 Menschen mobil. Die genaue Zahl lasse sich allerdings nur schwer abschätzen, weil sich unterwegs zahlreiche Menschen den beiden Protestzügen angeschlossen und beim Ankommen in der Innenstadt zerstreut hätten. «Auf jeden Fall sind es mehr als erwartet», so eine Sprecherin vom Bündnis «Dresden Nazifrei». Die Polizei machte keine Angaben zur Zahl der Demonstranten.

Die rechtsextreme Kundgebung, angemeldet von einem Dresdner NPD-Funktionär, musste aufgrund von Protesten und Sitzblockaden eine andere Route nehmen als ursprünglich geplant. Die geschätzt etwas mehr als 1000 Neonazis konnten nicht wie gewünscht durch die Altstadt marschieren, sondern mussten auf eine Strecke am Rande der Innenstadt Richtung Hauptbahnhof ausweichen. Auf der Versammlung wehten auch Fahnen aus Spanien, Italien, Frankreich und der Slowakei. Die Rechtsextremen hatten zuvor rund 800 Teilnehmer angemeldet.

Das linksgerichtete «Aktionsbündnis 13. Februar 2020», zu dem unter anderem «Dresden Nazifrei», die Grüne Jugend Dresden, die Dresdner Jusos und die Initiative «Hope - fight racism» gehören, hatte unter dem Motto «Nazis stören» zu Protesten aufgerufen. Bereits am Vormittag hatten sich Hunderte im Szeneviertel Neustadt sowie am Hauptbahnhof versammelt, um Richtung Innenstadt zu ziehen. Auch die Arbeitsgemeinschaft «13. Februar», die das städtische Gedenken an die Zerstörung Dresdens koordiniert, hatte zu einer Kundgebung aufgerufen und sich in der Nähe des Rathauses versammelt.

Die Polizei war mit einem Großaufgebot im Einsatz, darunter Hubschrauber und berittene Polizei. Sie trennte die Lager konsequent. Unterstützung kam von der Bundespolizei sowie von Kollegen unter anderem aus Thüringen, Brandenburg, Berlin und Schleswig-Holstein.

Im Zuge des Einsatzes wurden sieben Menschen in Gewahrsam genommen und 25 Ermittlungsverfahren eingeleitet. Unter anderem wird nach Polizeiangaben wegen möglicher Verstöße gegen das Versammlungsgesetz, Körperverletzung, Landfriedensbruch und Beleidigung ermittelt.

Dresden war vor 75 Jahren am 13. Februar 1945 und in den Tagen danach von britischen und amerikanischen Bomben stark zerstört worden, bis zu 25.000 Menschen starben. Immer wieder wird das historische Datum von Rechtsextremen missbraucht, um die Verbrechen der Nationalsozialisten zu relativieren. Seit 2012 überwiegt das friedliche Gedenken der Bürger.

So hatten sich vor wenigen Tagen am 13. Februar im Dresden rund 11.000 Bürger zu einer kilometerlangen Menschenkette zusammengeschlossen, um einen schützenden Ring um die Innenstadt zu bilden und ein Zeichen für Frieden und Versöhnung zu setzen. Zur zentralen Gedenkfeier war auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier angereist, der in seiner Rede zur Verteidigung der Demokratie aufrief. Die Bombardierung Dresdens erinnere an die Zerstörung des Rechtsstaates und der Demokratie in der Weimarer Republik, an nationalistische Selbstüberhebung und Menschenverachtung, an Antisemitismus und Rassenwahn, sagte er. «Und ich befürchte, diese Gefahren sind bis heute nicht gebannt.»


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17Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 3
    0
    Freigeist14
    17.02.2020

    ralf@ Sie meinten sicher ein größeres Gebiet . Denn nach dem 15.Februar 1945 waren 14 km² der Stadt total zerstört .

  • 6
    2
    ralf66
    17.02.2020

    Bei Dresden nahm man sich ein ca 4km² großes Gebiet in der Innenstadt vor um es zu bombardieren, dieses Gebiet war gleichzeitig das so wertvolle historische Zentrum mit seinen weltbekannten Baudenkmälern und Wohngebiet der Zivilbevölkerung, die Industrie um Dresden herum blieb vom Angriff unversehrt. Der Bombenangriff ist zu dieser Zeit militärisch Unsinnig gewesen, die Front befand sich zudem noch 100km von Dresden entfernt. Mir gefällt auch bei derartigen Aktionen wie es der Bombenangriff auf Dresden war die Argumentation nicht, ja die Deutschen haben doch den Krieg begonnen, gerade das war doch das Unrecht dieses Krieges, dass keine der beiden Seiten die Deutschen nicht und die Alliierten nicht sich an die militärischen Gesetzmäßigkeiten zur Führung eines Krieges gehalten haben, der ganze Bombenkrieg mit der Bombardierung der Zivilbevölkerung hätte so nicht stattfinden dürfen!

  • 5
    5
    Hinterfragt
    17.02.2020

    Oder Nationalmannschaft bzw. gar Nationalhymne ...

  • 3
    8
    Freigeist14
    17.02.2020

    Wer bei "National " schon Bauchweh bekommt : Wie schätzt man dann heute die Bezeichnung "Nationale Volksarmee " ein ? Gänsehaut . Oder denkt man an eine Armee , die sich friedlich selber aufgelöst und niemals im Ausland "Verantwortung " übernommen hatte ?

  • 10
    3
    Freigeist14
    16.02.2020

    Distelblüte@ Sie pauschalisieren und versteigen sich , wer wie und was am 13 .Februar zu gedenken hat . Man könnte fast glauben ,ein Gerhard Hauptmann vergaß bei seinen berühmten Worten über das Weinen über den Untergang der Stadt ,nicht explizit die deutschen Verbrechen benannt zu haben ! Natürlich war Dresden eine Hochburg des braunen Geistes und ,was kaum einer weiß : Im Taschenbergpalais wurde der Plan für das "Unternehmen Barbarossa " gründlich ausgearbeitet . Vernichtungskrieg . Aber : Der Angriff auf Dresden hatte nur zum Schein ein militärischen Zweck. Das massivste (!) Bombardement des 2.Weltkrieges in Europa ,in 3. Angriffswellen , sollte die Stadt , das Zentrum , die Wohnviertel in Brand setzen und die zivile Stadt auslöschen .

  • 10
    4
    Freigeist14
    16.02.2020

    DS91@ schießen Sie bitte nicht übers Ziel : " Nationale Gedanken " . Dieses Denken war mal früher positiv besetzt . Oder meinten Sie "Nationalistische Gedanken " ? Ein feiner aber entscheidender Unterschied !

  • 10
    16
    DS91
    16.02.2020

    Der bombenhagel auf Dresden und anderer Städte ist das Ergebnis von nationalen Gedanken, Hass und Ausgrenzung!

    Es ist absurd das Menschen mit gleichen Gedanken und Einstellungen um die Zerstörung und derer Opfer trauern.

    JEDES KRIEGSOPFER IST EINS ZUVIEL unabhängig von Nation, Religion, Status und Herkunft!

    Nie wieder Krieg = Nie wieder Nationalismus!

    Es ist beschämend wie erneut Menschen auf Rechte Instrumentalisierung reinfallen!

  • 13
    8
    vonVorn
    16.02.2020

    @Distelblüte, auch NPD Mitglieder sind Menschen! Bin mir nach Ihrer Äußerung nicht sicher ob Sie das so sehen.

  • 14
    10
    Lesemuffel
    16.02.2020

    Es ist interessant mal einen Blick hinüber nach GB zu werfen. Von dort kamen die, die anscheinend wegen Distelblütes Fakten die Bomben kurz vor Kriegsende auf die ungeschützte Stadt geworfen haben. Am 13.2. berichtete der DLF aus London darüber wie die Briten heute darüber denken. "Eigentlich war es ein Kriegsverbrechen und wenn Harris noch leben würde, müsste man ihn sogar aufhängen."
    Verwundert sind sie darüber, dass die jungen Deutschen nicht fähig sind, ihre eigenen Toten betrauern zu können. Meine Meinung: Von einer Demokratie englischen oder französischen Musters sind wir hier meilenweit entfernt.

  • 14
    14
    ralf66
    16.02.2020

    @Distelblüte, Sie liegen so was von daneben mit Ihren Behauptungen, nachreden der Mainstreammeinung ist der Hauptinhalt Ihrer Kommentare, mehr kann und braucht man dazu nicht zu schreiben.

  • 12
    18
    Distelblüte
    16.02.2020

    @peggi: Widerspruch. Gestern, am Samstag, ging es explizit um eine Demo rechtsextremer Gruppen und Parteien, als "Trauermarsch" getarnt. Das Gedenken an Menschen ist dabei Mittel zum Zweck. Mehr nicht.
    Zudem sollte nicht vergessen werden, dass es Städte wie Hamburg, Nürnberg und andere gab, die sogar mehr Tote zu beklagen hatten als Dresden.
    Dresden ist nur seit Jahren die Bühne für rechtsextremen Missbrauch. Und die Stadt erlaubt das. Mit Unterstützung der Behörden, die den Demoverlauf absichern müssen.
    Viele haben auf Dresden den "Canaletto-Blick", der die Stadt nur im Licht großer kultureller Bauten und Traditionen sieht. Aber zur Dresdner Geschichte während des Vogelschisses (laut Gauland) gehören auch die ersten Bücherverbrennungen, der Standort als SS-Standort und Mutschmanns Hauptquartier. Von hier aus erfolgten Deportationen und Transport kriegsrelevanter Güter.
    Bei aller Trauer um gestorbene Angehörige sollte nicht vergessen werden, wer und was zur Bombardierung deutscher Städte führte.
    Stellen Sie sich dumm. Das steht keinem.

  • 13
    11
    gelöschter Nutzer
    16.02.2020

    Hier geht es nicht um irgendwelche "Parteien", hier geht es um viele tausend Dresdnerinnen und Dresdner, die ihrer, im bombenhagel, verstorbener Angehörigen gedachten. Und wer das anders sieht sollte sich was schämen.

  • 9
    17
    Distelblüte
    16.02.2020

    @peggi: Jeder mit Augen und Ohren kann das erkennen, wenn er/sie nicht die offensichtlichen Merkmale ignoriert. Am Start für den sogenannten Trauermarsch (iinklusive Holocaustrelativierung) standen die NPD, die auch als Anmelder fungierte, die Partei Die Rechte und ihre Anhänger. Ebenfalls dabei war Katrin Oertel, ex-Pegida, und Torsten Heise, bester Buddy von Herrn H.
    Wie ordnen Sie diese Parteien ein?

  • 18
    10
    gelöschter Nutzer
    16.02.2020

    Distel....: Und wer hat die Deutungshoheit wer hier "rechtsextrem" ist ? Sie jedenfalls nicht.

  • 16
    7
    vonVorn
    16.02.2020

    @Distelblüte, das wichtigste vorneweg, ich bin ein grosser Fan der Demokratie. Ich habe das Beispiel schon anderswo gebracht, grade beim Besuch des Gefängnisses in Bautzen hat man gut gesehen das jede Diktatur Menschen mit anderen Meinungen ohne Rücksicht mundtot macht und wenn das mit dem Tod des Menschen verbunden ist stört das auch keinen. Vor dem Hintergrund eine Demokratie hat das auszuhalten wenn jemand mit anderen Ansichten demonstriert oder einen Gedenkmarsch oder änhliches durchführt, weil das durch Meinungs und Demonstrationsfreiheit gedeckt ist. Gerade die ewigen Gegendemonstranten zeigen ja überdeutlich, das Sie diese Dinge nicht verstanden haben oder nicht verstehen wollen.
    Ich finde wenn in einer Demokratie Entwicklungen auftreten die ich nicht will, muss ich mit den Leuten reden und mich fragen woher das kommt, die Menschen mit anderen Meinungen einfach zu verteufeln ist der erste Schritt Richtung Diktatur.

  • 14
    21
    Distelblüte
    15.02.2020

    @vonVorn: Warum sollte man Rechtsextreme unwidersprochen demonstrieren lassen?

  • 18
    13
    vonVorn
    15.02.2020

    Warum kann man nicht einfach die Einen und dann die Anderen demonstrieren lassen?