"Das Wichtigste ist, dass Eltern mit ihren Kindern reden"

Mit dem Beauftragten der Bundesregierung für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, Johannes-Wilhelm Rörig, hat Christoph Ulrich gesprochen.

Freie Presse: Der Bundestag hat Änderungen im Strafrecht beschlossen, um Cybergrooming besser bekämpfen zu können. Wie können Kinder sensibilisiert werden, um solchen Missbrauchstätern nicht auf den Leim zu gehen?

Johannes-Wilhelm Rörig: Dass der Versuch des Cybergroomings nun endlich unter Strafe gestellt wird, ist ein wichtiger Schritt. Täter können so noch effektiver verfolgt werden, wenn sie mit dem Ziel im Netz unterwegs sind, sexuellen Missbrauch oder die Herstellung von Missbrauchsabbildungen anzubahnen. Wir brauchen für Kinder und Jugendliche eine vernünftige Einführung in die Chancen digitalen Lernens - aber auch eine Aufklärung über die Risiken. Eine Aufklärung, die Perspektiven jenseits von Katastrophenszenarien zeigt und Kindern Gefährdungen und Gefahren deutlich macht.

Welche Rolle könnten die Schulen dabei spielen? Hat Medienpädagogik heute schon den entsprechenden Stellenwert?

Bundesweit sollte endlich ein intelligentes neues Schulfach "Medienkompetenz" eingeführt werden, von der ersten bis zur zehnten Klasse. Hier sollte nicht nur über mögliche Risiken aufgeklärt, sondern auch vermittelt werden, dass grundlegendende Werte wie Menschlichkeit und Respekt auch in der digitalen Welt gelten. Medienpädagogik versteht sich leider immer noch viel zu häufig als Vermittlung von technischen Fertigkeiten.

Welche Vorkehrungen sollten Eltern treffen, um ihr Kind vor solchen perfiden Angriffen im Netz zu schützen?

In vielen Elternhäusern und Schulen gibt es ein Lehr- und Lernvakuum. Auf der einen Seite gibt es Eltern und Lehrkräfte, die noch oft mit der Technik der digitalen Medien zu kämpfen haben. Auf der anderen Seite Kinder und Jugendliche, die mit Smartphones hantieren, ohne Risiken wirklich abschätzen zu können. Der Umgang mit Youtube, Snapchat, Instagram oder Whatsapp ist für Kinder und Jugendliche eine moderne Kulturtechnik. Eltern und Pädagogen sind wichtige Gesprächspartner für Kinder und Jugendliche - es geht um vertrauensvolle Beziehungen, in denen Sorgen thematisiert werden sollen, aber auch konkrete Hilfe möglich ist. Wichtig ist es, diese Kommunikation zwischen Eltern und Kindern nicht zu verhindern. Zum Beispiel durch strikte Verbote oder Vorwürfe.

Gibt es Erfahrungen, wie Eltern handeln müssen, um Anzeichen von Cybergrooming gegenüber ihrem Kind zu erkennen?

Das Wichtigste ist, dass Eltern mit ihren Kindern reden, sich dafür interessieren, was sie im Internet tun. Kinder dürfen in der digitalen Welt nicht allein gelassen werden. Gerade jüngere Kinder sollten auf dem Weg in die digitale Welt gut begleitet sein.

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