Deutschland nimmt 408 Flüchtlingsfamilien auf

Nach dem Brand im Flüchtlingslager Moria hat die Bundesregierung angeboten, auch noch mehr als 400 Familien mit Kindern von den griechischen Inseln aufzunehmen. Auf Lesbos sollen neue Unterkünfte entstehen, unter Beteiligung der EU.

Berlin/Athen (dpa) - Deutschland will nach der Brandkatastrophe von Moria noch mehr Hilfe leisten und 1553 zusätzliche Flüchtlinge von fünf griechischen Inseln aufnehmen.

Darauf haben sich Union und SPD verständigt, wie Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin mitteilte. Es handelt sich dabei um 408 Familien mit Kindern, die in Griechenland bereits als schutzbedürftig anerkannt wurden.

Dies soll der zweite Schritt sein, nachdem Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) am Freitag mitgeteilt hatte, Deutschland werde von insgesamt 400 unbegleiteten Minderjährigen bis zu 150 Jugendliche aufnehmen. Die 400 Minderjährigen sollen auf europäische Länder verteilt werden. In einem dritten Schritt sollen laut Bundesregierung gegebenenfalls weitere Menschen aufgenommen werden, wenn es dazu Vereinbarungen mit weiteren europäischen Staaten geben sollte.

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur ist die Aufnahme der Familien bereits mit der griechischen Regierung abgestimmt. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) sprach von einem vernünftigen und humanitären Ansatz. Sie werde weiter für einen europäischen Ansatz in der Migrationspolitik werben, sagte Merkel nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur von Teilnehmern in der Sitzung der Unionsfraktion. Aber angesichts der Situation vor Ort sei Hilfe in großem Umfang nötig. Mit Blick auf die Lage in Lesbos und im Lager Moria sagte Merkel, wenn Experten des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR sagten, dass sie selten auf der Welt so ein Flüchtlingslager wie Moria gesehen hätten, «dann ist das kein Zeichen für Europas Werte und für Europas Handlungsfähigkeit».

CSU-Chef Markus Söder nannte den Vorschlag der Koalition einen «sehr guten Kompromiss». Innenminister Seehofer machte am Rande der Fraktionssitzung klar, es werde ein geordnetes Verfahren geben, das einige Wochen in Anspruch nehmen werde. Da es sich um anerkannte Asylbewerber handele, könne in der Bundesrepublik sofort mit der Integration begonnen werden. Die Menschen würden nicht zunächst in Unterkünfte für Asylbewerber kommen, sondern in Wohnungen. Er werde schwerpunktmäßig auf jene Länder und Kommunen zukommen, «die jetzt in Deutschland in den letzten Tagen pausenlos erklärt haben, dass sie die menschlichsten sind in Deutschland», sagte der Minister.

Kritikern, die von einem erneuten deutschen Alleingang reden, hielt er entgegen: Wenn man feststelle, dass sich trotz vieler Bemühungen der Bundesregierung bei keinem anderen EU-Mitgliedsstaat etwas bewege, «können sie nur entscheiden: Sie machen gar nix. Oder sie machen eine verantwortbare Lösung, die sicherstellt, dass sich das Jahr 2015 nicht wiederholt.»

SPD-Chefin Saskia Esken ging am Dienstag davon aus, dass Deutschland nach der Aufnahme von 1553 zusätzlichen Flüchtlingen von den griechischen Inseln weitere Schutzsuchende von dort aufnehmen wird. Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) sagte, mit der deutschen Zusage könne auf der Insel Moria Entspannung eintreten. Auch Scholz betonte, dass es damit aber nicht getan sei.

EU-Ratspräsident Charles Michel betonte bei einem Besuch in Athen die Notwendigkeit einer Reform des europäischen Asylsystems. «Wir müssen eine gerechte und starke Antwort zur Bekämpfung der Schleuser und ein neues Asylsystem entwickeln», erklärte er nach einem Treffen mit dem griechischen Regierungschef Kyriakos Mitsotakis. Gastgeber Mitsotakis kündigte ein neues Lager auf der Insel Lesbos an, das unter gemeinsamer Führung der EU und Griechenlands entstehen solle. Entsprechende Pläne gibt es in Athen schon länger. Allerdings wehrten sich die Bewohner der Insel bisher erfolgreich gegen solch eine Anlage. Sie fürchten, dadurch endgültig als Flüchtlingsinsel stigmatisiert zu werden und wollen, dass die Migranten die Insel verlassen.

Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt forderte von der Bundesregierung «eine schnelle Aufnahme von 5000 Menschen». Die Aufnahme von 400 Familien, die schon positive Asylentscheidungen haben, sei «ein Alibi-Angebot». Auch Linksparteichef Bernd Riexinger und die Hilfsorganisation Pro Asyl nannten die Pläne der Regierung unzureichend.

FDP-Chef Christian Lindner sagte: «Wir verschließen uns nicht humanitären Verpflichtungen.» Allerdings sei ein «kraftvoller Versuch» für eine europäische Lösung geboten. AfD-Parteivize Stephan Brandner kritisierte, die Aufnahme von Migranten aus Moria schaffe «weitere Anreize, Flüchtlingslager weltweit in Brand zu stecken und so ein Ticket nach Deutschland zu erpressen.»

Die griechischen Behörden gehen davon aus, dass das seit Jahren überfüllte Flüchtlingslager Moria vergangene Woche von Migranten angezündet worden war. Zuvor war die Situation dort eskaliert, nachdem mehrere Asylbewerber positiv auf das Coronavirus getestet worden waren.

Der griechische Minister für Bürgerschutz, Michalis Chrysochoidis, teilte am Dienstag mit, fünf von sechs mutmaßlichen Brandstiftern seien ausfindig gemacht worden. Aus Polizeikreisen hieß es, die fünf Festgenommenen seien Afghanen, deren Asylanträge abgelehnt worden waren. Mehr als 12.500 Migranten wurden durch den Brand in der Nacht zum vergangenen Mittwoch obdachlos.

Am Dienstagabend brach auf der griechischen Insel Samos nahe dem dortigen Flüchtlingslager ein Feuer aus. «Es brennt am Rande des Registrierzentrums», sagte der Bürgermeister der Ortschaft Vathy, Giorgos Stantzos, der dpa. In sozialen Medien wurden entsprechende Bilder und Videos eines großen Brandherds veröffentlicht. Griechischen Medien zufolge ist das Feuer 200 bis 300 Meter oberhalb des Flüchtlingslagers ausgebrochen. Im Flüchtlingslager Vathy nahe dem gleichnamigen Ort auf der Insel Samos leben laut dem griechischen Migrationsministerium rund 4600 Migranten, das Lager hat nur eine Kapazität von rund 650 Plätzen. Am Dienstag waren im Camp zwei Menschen positiv auf das Coronavirus getestet worden.

Die griechischen Behörden hatten - abgesehen von den 400 unbegleiteten Minderjährigen - offiziell bislang nicht um die Aufnahme der nun obdachlos gewordenen Menschen in anderen EU-Staaten nachgesucht. Viele von ihnen zögern, in ein neues Zeltlager einzuziehen. Stand Dienstagmorgen waren rund 800 Migranten dort aufgenommen worden. Das neue Lager bietet mittlerweile Platz für rund 5000 Menschen, wie der griechische Staatssender ERT berichtete.

Deutschland hatte bereits vor dem Brand zugesagt, gemeinsam mit anderen europäischen Staaten besonders schutzbedürftige Migranten von den Inseln aufzunehmen - unbegleitete Kinder und Jugendliche sowie kranke Kinder mit ihren Eltern und Geschwistern. Laut Bundesregierung betrifft diese frühere Zusage insgesamt voraussichtlich mindestens 1000 Menschen, von denen mehr als 500 schon in Deutschland sind.

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4949 Kommentare
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  • 0
    8
    tbaukhage
    19.09.2020

    @censor: "Wir" = mein Guter (der mehr und mehr amüsiert hier mitliest) und ich, also schonmal zwei.

  • 6
    1
    censor
    18.09.2020

    klapa - genauso sehe ich das auch.
    Audiator et altera pars.

  • 9
    1
    klapa
    18.09.2020

    'Auch Perspektivwechsel können erleuchtend sein.'

    Denke genau so darüber, censor. Und deshalb gehören zu meinen Infoquellen die Leit- und Alternativmedien von Rechts bis Links, weil sie in meinen Augen das demokratische Spektrum abbilden - ex bleibt außen vor.

    Glaube, das kann helfen, der Ausbildung eines Tunnelblicks zu entgehen.

  • 8
    1
    censor
    18.09.2020

    tbaukage - Wer ist denn "wir"? Gehören Sie dem Hochadel an?

  • 7
    1
    harzruessler1911
    18.09.2020

    @ tb..

    Genau aus dem Grund fand ich Deinen Hinweis, ja so wichtig und war auch keinesfalls negativ gemeint.
    Ich gehe nur davon aus, dass auch auf die Schnelle nicht 648 Seiten lesen kannst, um ich beschränke es, nur mal, "" auf Formulierungen/Zitate, welche man eventuell so interpretieren könnte""" , sicher zu finden. Wie Du gesagt hast ist ja schon eine Weile her, als Du das Buch gelen hast.

    @Censor

    Ich habe es mir auch bestellt, bei so einem Online Buchportal, muss allerdings noch auf Antwort des eigentliche Verkäufers warten, ist nämlich gar nicht so einfach, diese Auflage zu einem angemessen Preis zu bekommen.
    Wie bereits gesagt auf Google allein verlasse ich mich da nicht.

  • 9
    1
    Malleo
    17.09.2020

    Von der SPD und den Grünen kommt der Vorschlag der Unterbringung auf Kreuzfahrtschiffen.
    Tolle Idee finde ich.
    Vielleicht geht noch was?
    Weltumrundung zum Beispiel?

  • 1
    9
    tbaukhage
    17.09.2020

    @Censor: Du kannst Dir viel verbitten. Wir beispielsweise verbitten uns, mit falschen Zitaten belehrt zu werden!

  • 4
    2
    censor
    17.09.2020

    @kartracer Ich stehe auch mit meinen beiden Beinen auf dem Boden der Tatsachen, aber gerade das macht es heutzutage so schwierig, denn objektives Hinterfragen und Beleuchten von Zusammenhängen scheint nicht mehr in Mode zu sein - nein, man muss immer zu allem eine "Haltung" haben und diese auch zeigen.

    Als Hobby-Historiker erscheint mir diese Herangehensweise problematisch, denn damit erzielt man nur einseitige Sichtweisen. Auch Perspektivwechsel können erleuchtend sein. Und historische Werke und Ereignisse muss man immer im Kontext der Zeit sehen, in der sie sich abgespielt haben.

    Man sieht allerdings an der Reaktion der Mitkommentatoren, dass die meisten sich aktuell eher auf Wikipedia und Google verlassen und man dabei nicht berücksichtigt, dass auch dort die "Haltung" immer mehr Vorrang vor den Fakten erlangt.

    Ein gutes altes, zerlesenes Buch im Originalzustand ist mir da lieber als Neuauflagen mit dem Zeitgeist angepasstem Inhalt.

    Ich werde die Antiquariate nach der alten Weizsäcker-Erstfassung abgrasen. Darauf könnt ihr euch alle verlassen.

  • 5
    4
    censor
    17.09.2020

    An alle, die sich hier so über mein Weizsäcker-Zitat aufregen. Ich habe das Buch, wie gesagt, vor vielen Jahren geliehen und mir handschriftliche Notizen macht und diese in einem Heft gesammelt.

    Warum regt ihr euch so auf? Es tritt doch gerade das meiste von dem, was W. vor fast 40 Jahren prophezeite, ein.

    C.F. v. Weizsäcker sagte 1983, dass sein Buch , welches er als sein letztes großes Werk bezeichnete, mit Sicherheit von der Bevölkerung nicht verstanden würde und die Dinge somit ihren Lauf nähmen.

    Mehr ist dazu nicht zu sagen außer, dass ich es mir verbitte, als Lügner bezeichnet zu werden.

  • 2
    3
    tbaukhage
    17.09.2020

    @harzruessler: Deshalb schrieb ich ja: "Ich habe hier die ungekürzte zweite Auflage von Weizsäckers Buch "Der bedrohte Friede" von 1984."

  • 6
    2
    KTreppil
    17.09.2020

    Es reicht doch eigentlich auch aus, mit seinen eigenen Worten Meinungen kund zu tun. Man sollte sich auf sachbezogenes, angemessenes kommentieren und argumentieren beschränken, nicht agitieren.

  • 3
    1
    harzruessler1911
    17.09.2020

    Ich habe die Google Beiträge dazu ebenfalls gelesen. Denke, dass man dazu das Buch erst einmal selbst lesen sollte (mich eingeschlossen) , um abzuschätzen, ob es diese Zitate nun wirklich 1:1, oder Passagen so interpretiert werden können, bzw. beides völlig ausgeschlossen werden kann.
    Auf jeden Fall sollte man dazu, den indirekten Hinweis von @tb.... auf eine vollständige Auflage beachten, da mir schon aufgefallen ist, dass es sich bei aktuelleren Auflagen, um abgespeckte Versionen handelt, was nat. ein Hinterfragen rechtfertigt.
    Auf Google allein, sollte man sich auf keinen Fall verlassen, im Besonderen wenn es um Interpretationsfragen geht.
    Man kann sich ja dort nicht mal mehr auf ganz einfache Dinge, wie Öffnungszeiten von Praxen o. ä. verlassen, da bestimmte Dinge einfach nicht gepflegt werden.

  • 10
    1
    ralf66
    17.09.2020

    Ich habe grundsätzlich nichts gegen spontane Hilfe es ist völlig klar, dass es den Menschen in den Flüchtlingslagern nicht gut geht Bilder und Berichte zeigen das, leider scheint die Denkweise spontane Hilfe zu gewähren bei den Verantwortlichen in den Bundesländern und der Regierung Deutschlands und allen Altparteien der allein einzige Weg zu sein Elend zu mildern.

    Der syrische Bürgerkrieg geht glaube ich schon bald 12 Jahre und keiner auf dieser Erdkugel ist in der Lage dieses Problem die Beendigung dieses Bürgerkrieges und damit das Ende der Massenflucht aus Syrien zu beenden, genau das ist das Hauptproblem, dieser Bürgerkrieg der kein Ende finden will und dabei interessieren die Gründe für diesen Bürgerkrieg nicht, wenn die dort unten der Meinung sind, sie müssen sich aus irgendeinem Grund die Birne eindreschen, dann müssen sie auch für die Folgen aufkommen und das tun sie nicht, die Folgen dieses Bürgerkrieges die sollen in Europa und immer wieder äußerst gern beliebt in Deutschland abgefangen werden!

    Wie lange will man der deutschen Bevölkerung noch weiß machen, dass es sich hier um humanitäre, spontane und kurzzeitige Hilfe handelt?
    Man mildert zwar mit dieser erneuten Flüchtlingsaufnahme für eine geringe Menge von Flüchtlingen das Elend verhindert damit aber in keinem Fall, dass viele Flüchtlinge weiterhin unter unwürdigen Bedingungen leben müssen und was man gar nicht verhindert mit der immer wieder neuen Aufnahme von Flüchtlingen, dass eben wegen des andauernden Bürgerkrieges immer ständig neue Flüchtlinge dazu kommen werden, wo man dann in paar Monate später wieder genau vor dem gleichen Problem stehen wird wie jetzt!

  • 6
    1
    Sterta
    17.09.2020

    @censor
    "tbaukage - es waren mehrere Zitate aus dem Buch, die ich so notiert und zu einem hier zusammengefasst habe, Das Buch besitze ich leider nicht mehr. Hatte es geliehen."
    Das ist eine dreiste Lüge! Googeln Sie doch bitte mal "Ihr" Zitat und Sie werden es sehen.

  • 1
    1
    mops0106
    17.09.2020

    OlafF, ich stimme Ihnen zu, außer, dass ich sage: Es ist/ war so beabsichtigt.

  • 3
    5
    kartracer
    17.09.2020

    @censor, genau das passiert wenn man Kontexte auseinander reißt, da kommen zB. auch schon mal die krudesten Verschwörungstheorien zusammen, man muß sich nur die passenden paar Worte zusammensuchen.
    Setzten sich so Ihr Wissen und Ihre gebetsmühlenartigen Weisheiten zusammen?
    Keine Angst, ich stehe weder auf der einen noch auf der anderen Seite anstehender Probleme, sondern auf meinen Füßen, und vertraue meinen Sinnesorganen, das kann sehr hilfreich sein.

  • 9
    3
    OlafF
    17.09.2020

    Die einen wollen gesinnungsethisch handeln, ähnlich einer Religion, einfach handeln um , was auf den ersten Blick recht human ausschaut, im Rampenlicht als Retter der Menschheit dazustehen, ohne sich an den langfristigen Folgen zu stören, wenn sie allen Menschen die Hoffnung geben die Erfüllung ihrer Sehnsüchte lege in der Flucht in eine bessere Welt.
    Die anderen, wollen verantwortungsethisch handeln, da sie ahnen, dass ihr Handeln Folgen nach sich zieht. Verstärkung des Rechtsextremismus, Spaltung der Gesellschaft, Verteilungskämpfe, interkulturelle Konflickte u.s.w.
    Es ist nicht klar, wer von beiden gewinnt. Aber wie sagte so schön Max Weber:
    Der "Gesinnungsethiker" fühlt sich einzig und allein dafür verantwortlich, "dass die Flamme der reinen Gesinnung" nicht erlischt". Bringt ihn eine rein aus Gesinnung getroffene Entscheidung nicht weiter oder führt sie gar zu üblen Folgen (in dem Fall ein Boom der Schlepperindustrie), die er keinesfalls beabsichtigt hat, dann sucht er (sie) nicht bei sich, sondern macht "die Welt dafür verantwortlich, die Dummheit der anderen Menschen".Die Annahme, dass aus Gutem nur Gutes, aus Bösem nur böses folge, werde der ethischen Irrationalität nicht gerecht.
    Ich bin dafür, dass die Verantwortungsträger endlich die Folgen ihres Handens vorher bedenken und nicht die Folgen ihres Handelns nachher als Dummheit der Anderen verkaufen.

  • 5
    6
    tbaukhage
    16.09.2020

    @censor: Ach, Du kannst also gar keine Quelle liefern... Und auf das Buch kannst Du auch grad nicht zugreifen, um nachzuschauen - aber ich!

    Die von Dir ausdrücklich als Zitat bezeichnete Textpassage mag geschrieben haben, wer will. Weizsäcker war es jedenfalls nicht!

  • 7
    4
    censor
    16.09.2020

    Genau, mops - wie lautete das Prinzip des Diederich Heßling? Nach oben kriechen, nach unten treten.

  • 6
    4
    mops0106
    16.09.2020

    Meiner Meinung nach wird der Durchschnittsdeutsche so richtig beschrieben. Nicht umsonst wurde "Der Untertan" in Deutschland geschrieben.

  • 3
    4
    censor
    16.09.2020

    tbaukage - es waren mehrere Zitate aus dem Buch, die ich so notiert und zu einem hier zusammengefasst habe, Das Buch besitze ich leider nicht mehr. Hatte es geliehen.

  • 4
    7
    tbaukhage
    16.09.2020

    @censor: Ich habe hier die ungekürzte zweite Auflage von Weizsäckers Buch "Der bedrohte Friede" von 1984. Ist zwar schon eine ganze Weile her, dass ich die mehr als 600 Seiten gelesen habe, aber ich kann mich nicht erinnern, Dein "Zitat" gelesen zu haben. Auch jetzt gerade, beim oberflächlichen Durchblättern, habe ich nichts davon gefunden.

    Vielleicht kannst Du uns in etwa die entsprechende Stelle oder wenigstens das Kapitel benennen.

    Der Mann hat viel Kluges und Weitsichtiges gesagt und blieb dennoch oder gerade deswegen oft unverstanden. Aber dein "Zitat" traue ich ihm nicht zu. Sowohl seine Sprache als auch seine zutiefst christliche Überzeugung widersprechen meiner Ansicht nach der Aussage aus dem "Zitat".

  • 8
    4
    censor
    16.09.2020

    mops0106
    Das sehe ich genauso. Letztlich ist D doch bei Migranten deshalb so begehrt, weil es so außerordentlich gute Sozialsysteme besitzt, die auch den "Neuen" offenstehen. Das gibt es so nirgends sonst (außer vll. noch in Schweden, aber die werden auch zurückhaltender).

    Das Problem ist ganz einfach, wenn in den Sozialtopf weniger eingezahlt wird, aber mehr "Mäuler" daraus gestopft werden müssen - dann kommt es irgendwann zum Systemkollaps oder bereits vorher zu massiven Leistungskürzungen - und zwar für alle.

    Dann drohen Verteilungswettkämpfe um die knappen Ressourcen und (ich will es nicht hoffen) die Etablierung des Rechts des Stärkeren, bei dem die neu Zugewanderten auf alle Fälle besser gewappnet sind als unsere wohlstandsverwöhnte Zivilgesellschaft.

    Unserer Gesellschaft steht auf alle Fälle eine Zerreißprobe bevor, denn es ist eine Frage der Zeit, dann müssen die coronabedingten Schonfristen für die Wirtschaft aufgehoben werden.
    Insolvenzrecht und Kurzarbeiterregelungen kann man nicht unbegrenzt verlängern. Spätestens dann ist Zahltag.

    Klug gehandelt haben werden dann die Staaten, die ihre Sozialtöpfe beizeiten bedeckt und den Personenkreis der Nutzer begrenzt gehalten haben. Soviel Geld kann die EZB nicht drucken, wie dann gebraucht wird.

  • 11
    2
    vonVorn
    16.09.2020

    Die Regierung nimmt MIgranten auf, wäre wohl die treffendere Bezeichnung. Was gut für Deutschland ist interessiert doch diese Regierung nicht. Es ist wirklich überdeutlich wenn man bedenkt das die selben Fehler wie 2015 gemacht werden.

  • 9
    3
    mops0106
    16.09.2020

    Censor, so ist der Durchschnittsdeutsche, richtig.

    Zuerst aufbegehren werden meiner Meinung nach aber die Leute, die sich auf die Versorgung hier verlassen.

  • 7
    5
    censor
    16.09.2020

    @mops Hier ein Auszug aus dem Buch "Der bedrohte Friede" (Carl-Friedrich v. Weizsäcker, 1983)
    Er beschreibt die Deutschen wie folgt -Zitat:
    „Absolut obrigkeitshörig, des Denkens entwöhnt, typische Befehlsempfänger; ein Held vor dem Feind, aber ein totaler Mangel an Zivilcourage.

    Der typische Deutsche verteidigt sich erst dann, wenn er nichts mehr hat, was sich zu verteidigen lohnt.

    Wenn er aber aus seinem Schlaf erwacht, schlägt er in blindem Zorn alles kurz und klein, auch das, was ihm vielleicht noch helfen könnte.“ Ende d.Z.

  • 4
    2
    mops0106
    16.09.2020

    Treppil: "..., der Bürgerkrieg ist generell eher nicht typisch für den Deutschen...."

    Wenn es mal nichts mehr zu verteilen gibt, wird er ausbrechen.

  • 6
    1
    KTreppil
    16.09.2020

    Mops, diese Gefahr sehe ich weniger, der Bürgerkrieg ist generell eher nicht typisch für den Deutschen. Außerdem ist insgesamt die Bevölkerung anteilsmäßig eher links und liberal eingestellt, man schaue nur auf die alten Bundesländer. Das sieht man an aktuellen Wahlergebnissen und der jugendliche Nachwuchs tendiert generell auch eher gen links und grün. Die Gefahr, die ich sehe, ist, dass unser Sozialsystem Coronaauswirkungen + Verhältnisse wie 2015 nicht aushält. Dazu dann vielleicht noch weitere Einsparungen auf Kosten der inneren Sicherheit, mag mir nicht ausdenken, welche Verhältnisse dann herrschen könnten.
    Ob das irgendwer der Verantwortlichen auch mal wenigstens ansatzweise bedenkt....

  • 9
    3
    mops0106
    16.09.2020

    Die Migrations"politik" der letzten Jahrzehnte, aber besonders der letzten Jahre mit all ihren negativen Folgen für unser Land/ unsere Bevölkerung ist die Hauptursache für den zunehmenden Rechtsextremismus in Polizei/ Bundeswehr und der Bevölkerung. Wenn das so weitergeht, gibt es irgendwann Bürgerkrieg.

  • 1
    0
    KTreppil
    16.09.2020

    Nein, aber man würde da sicher keinen Zusammenhang sehen wenn. Den Tourismus in den Ländern und der Tourismusbranche insgesamt neue Einbußen bescheren durch teilweise Pauschalisierungen ist eine Sache, hier aber geht es um mehr....

  • 7
    3
    klapa
    16.09.2020

    Gehört Griechenland eigentlich zu den Ländern, für die es eine Reisewarnung vom AA gibt?

  • 15
    4
    Schützenfrau
    16.09.2020

    408 Familien klingt weniger als 1553 Flüchtlinge . Psychologie spielt in der Berichterstattung der Medien eine große Rolle . Damit will man uns wohl weismachen , daß alles nicht so schlimm ist . Die Coronakrise hat unser Land schon geschwächt ( und tut es noch ) . Wäre es da nicht klüger erst mal vor der eigenen Haustür zu kehren und das eigene Land am laufen zu halten ? Wer soll das alles bezahlen ?? Wenn unsere Politiker so weiter wirtschaften , wird es bald nichts mehr geben was sie verschenken können . Die Schulden sind ja schon immens gestiegen und es sollen noch mehr dazukommen . Das Volk wird gar nicht erst gefragt , wie so oft in letzter Zeit . Selbstherrlich wird agiert wie es denen passt .

  • 18
    3
    KTreppil
    16.09.2020

    ...und auf Samos brennt es schon wieder in einem Lager. Das falsche Signal ist wohl angekommen. So könnte sich 2015 ganz schnell wiederholen, wurde uns da nicht irgendwie was versichert, dass es sich nicht wiederholen würde?
    Ob das falsche Signal auch für unsere nächste BT-Wahl ankommt...?Ich denke ja und mir graut davor, wie vor so Manchem, was momentan falsch läuft. Ein halbwegs konservatives Ergebnis wird so wohl nicht zustande kommen....

  • 18
    4
    Malleo
    15.09.2020

    Nixx
    In meinem Kreis von Sportfreunden, Arbeitkollegen und der Familie missbilligen alle die Aufnahme von Migranten.
    Für das Printforum mache ich mir die Mühe all jene Gesetze und Regelungen aufzuzeigen gegen die die Regierung verstößt.
    Ein Beleg dafür ist auch, dass kein einziges EU Mitglied dieser Republik bei Moria folgt.
    Ein Alleinstellungsmerkmal der negativen Form!!

  • 18
    4
    klapa
    15.09.2020

    Darf man fragen, ob die Aufzunehmenden sich durch Papiere ausweisenen können?

    So normal wäre das eigentlich nicht, wenn man 2015 dagegen stellt!

  • 13
    2
    mops0106
    15.09.2020

    https://www.welt.de/politik/deutschland/article215686406/Verwaltungsgerichte-Haelfte-aller-Verfahren-betreffen-Asyl.html

    "Fünf Jahre nach 2015 – Asylfälle machen jedes zweite Verfahren aus

    Ende dieses Jahres werden an den Verwaltungsgerichten nach Angaben von Seegmüller voraussichtlich noch immer insgesamt 250.000 Verfahren anhängig sein – alle Themengebiete eingeschlossen, neue sowie bereits anhängige Verfahren. Der Berg werde somit nur langsam abgebaut. „Bis wir wieder das Niveau des Jahres 2014 erreicht haben, wird es trotz großer Anstrengungen seitens der Verwaltungsgerichte leider noch dauern“...

    Im laufenden Jahr rechnet der BDVR allein mit rund 76.000 neuen Asylverfahren. Dies seien in etwa doppelt so viele wie vor 2015, als fast eine Million Asylsuchende nach Deutschland kamen. Die Asylverfahren machen damit aktuell etwa die Hälfte der neuen Vorgänge an den Verwaltungsgerichten aus. Zu den Klagen oder Eilverfahren aufgrund abgelehnter Asylgesuche durch das BAMF kommen im laufenden Jahr etwa 80.000 neue Verfahren aus anderen Gebieten, schätzt Seegmüller."

  • 34
    7
    harmoniummueller
    15.09.2020

    Schlimm, wenn die Bundesregierung 5 Jahre nach der Flüchtlingskrise nun wieder den gleiche Fehler macht und das Signal ausgesendet wird, Flüchtlinge aufzunehmen. Damit werden wieder die anderen standhaften Mitglieder der EU vor den Kopf gestoßen. Priorität sollte der massive Schutz der EU-Außengrenze haben, sonst ist das Konstrukt EU auf lange Sicht zum Scheitern verurteilt. Die jetzige Entscheidung der Regierung treibt meines Erachtens noch mehr Wähler im nächsten Jahr zur AfD.

  • 33
    5
    mops0106
    15.09.2020

    Bei den Umfragen wäre erstmal die Fragestellung zu klären.

    Und wenn die Menschen, die dafür stimmen, ständig neue Migranten aufzunehmen (und die meisten bis an ihre Lebensende zu versorgen), dies selbst tun müssten, statt die Kosten auf die Allgemeinheit abzuwälzen - auch auf die große Zahl derer, die das nicht wollen - wie wenige würden da wohl noch dafür sein?

  • 7
    6
    Nixnuzz
    15.09.2020

    @Zeitungss: Zum einen bestätigen die letztwöchentlichen Umfragen eine Meinungsverteilung via Parteienspektrum, das keine endgültige Einheitsentscheidung enthält. Gewünschte demokratische Entscheidungen nach Henry Ford: "Sie können jede Farbe wählen ausser sie ist schwarz!" werden wir hier hoffentlich nicht (wieder) erleben.

  • 22
    6
    Zeitungss
    15.09.2020

    @Nixnuzz: Zu beantworten wäre Ihre Frage nach der Abstimmung in den 16 Ländern, an einem Ergebnis besteht natürlich kein öffentliches Interesse bei der Volksvertretung, welche sich irgendwie verselbstständigt hat, wenn man die allgemeine Meinung bei den Untertan sich zu Gemüte führt.

  • 13
    7
    Nixnuzz
    15.09.2020

    @Malleo: Ok! Wieviele würden die neuen Migranten ablehnen?

  • 13
    4
    Malleo
    15.09.2020

    Nixx
    Es gibt wohl 16?
    Nächste Frage!

  • 38
    9
    NeuErzgebirger
    15.09.2020

    Warum hat man immer mehr das Gefühl, dass Politiker, die auch mal über den eigenenTellerrand schauen, logisch überlegen und an Konsequenzen ihres Handelns denken, fast immer nur in anderen Ländern zu finden sind?

  • 31
    7
    OlafF
    15.09.2020

    In dem Artikel steht doch:

    Berlin (dpa) - Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Innenminister Horst Seehofer (CSU) wollen rund 1500 weitere Migranten von den griechischen Inseln in Deutschland aufzunehmen.

    Unsere VerantwortungsträgerInnen übernehmen das, wie man liest.

  • 14
    9
    Nixnuzz
    15.09.2020

    @Malleo: In welchen Bundesländern sollte dann diese bestimmende Abstimmung durchgeführt werden?

  • 51
    8
    Pelz
    15.09.2020

    Ok , sie da. Und wie weiter? Wovon und wo oder bei wem werden sie leben?Arbeiten? Lernen? Haben diejenigen, die ihre Ankunft hier so begrüßen und rote Daumenklicker eine Antwort? Wer kümmert sich um sie?

  • 52
    20
    Malleo
    15.09.2020

    Falsches Signal.
    Lasst endlich den Souverän entscheiden!
    Aber dazu haben die " Moralisten" keinen Mut.
    Politisches Veragen wird mit der Ersatzreligion " Wir sind die Guten" vertuscht.

  • 50
    7
    KTreppil
    15.09.2020

    Schnelle Reaktion der Redaktion, nun ist auch ein Foto von Familien eingefügt. Na hoffentlich sind diese Menschen wirklich unter den 1500. Mit Bildern kann man beeinflussen, aber die Realität wird sich zeigen.

  • 58
    9
    KTreppil
    15.09.2020

    1500 Familien, die auch bereits anerkannt sind, so weit so gut. Hoffe, es trifft die wirklich Hilfsbedürftigen. Aber die jungen Männer auf dem Foto (Beitrag Stand 15.9. 10.08 Uhr) sollten denk ich lieber in ihrer Heimat sein und dort wieder was aufbauen oder Missstände abbauen. Ich fürchte aber, es machen sich nun noch mehr auf den Weg....