Ehemaliger KZ-Wächter soll im März vernommen werden

Der 95-Jährige hatte zuletzt in den USA gelebt. Ihm wird Beihilfe zum Mord vorgeworfen. Ob das Verfahren weitergeführt wird, ist unklar.

Celle (dpa) - Der am Wochenende aus den USA nach Deutschland ausgewiesene ehemalige KZ-Wächter Friedrich Karl B. soll nach dem Plan der Generalstaatsanwaltschaft Celle im März befragt werden.

Zunächst habe der 95-Jährige Zeit, einen Anwalt zu benennen, sagte der Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft, Bernd Kolkmeier, am Montag. «Das dauert ein bisschen.» Der Anwalt bekomme Akteneinsicht. «Wir streben März an», so Kolkmeier über den Zeitplan für die Vernehmung. Der 95-Jährige, der am Samstag mit einem Ambulanzflugzeug in Frankfurt ankam, ist auf freiem Fuß. Ihm wird Beihilfe zum Mord vorgeworfen. Der Deutsche hatte seit 1959 in den USA gewohnt - jahrzehntelang war seine Vergangenheit unbekannt.

In einer ersten Befragung nach seiner Ankunft in Deutschland erklärte er sich grundsätzlich bereit, Fragen zu den Vorwürfen zu beantworten. Nach Angaben der US-Behörden hat B. gestanden, als Wachmann in einem Außenlager des Hamburger Konzentrationslagers Neuengamme nahe dem niedersächsischen Meppen Gefangene bewacht zu haben. Ein Richter in den USA ordnete seine Abschiebung an. Die deutsche Justiz nahm die Ermittlungen gegen B. im Jahr 2020 auf, stellte sie mangels hinreichenden Tatverdachts aber Ende 2020 ein. Damals hieß es: «Die eingeräumte Bewachung von Gefangenen in einem Konzentrationslager, das nicht der systematischen Tötung der Gefangenen diente, reicht als solche für einen Tatnachweis nicht aus.» Die Ermittlungen in den USA hätten den Beschuldigten nicht mit einer konkreten Tötungshandlung in Verbindung gebracht.

Nach der Ausweisung hat die Generalstaatsanwaltschaft die Ermittlungen wieder aufgenommen. «Wir wollen alles ausschöpfen, um den Sachverhalt aufzuklären», sagte Kolkmeier. Ob es zu einer Anklage und einem Prozess kommt, ist unklar. «Wir werden das weitere Vorgehen abhängig machen von dem Inhalt der Vernehmung», so der Sprecher.

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55 Kommentare
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  • 7
    2
    Letsop
    23.02.2021

    Immer diese komische Bemerkungen zu unseren Freunden aus Übersee. Die wollen doch nur unser Bestes und sorgen überall dafür, dass Frieden herrscht auf unserer Welt.

  • 11
    1
    Hinterfragt
    23.02.2021

    @Bautzemann; wer schrieb hier von Kriegsverbrechen der USA in Vietnam, Nahen Osten und anderswo auf der Welt?

    Wernher von Braun war Nazi.
    Durch seine Arbeit gab es viele Opfer unter den Zwangsarbeitern/ KZ-Insassen und z.B. London!

  • 17
    3
    ernstel1973
    21.02.2021

    [...]Die USA böten «Kriegsverbrechern» keinen Schutz.[...]

    ...hüstel und tief ein- und ausatmen ; )

  • 23
    4
    Bautzemann
    20.02.2021

    Hier geht es nicht um die Kriegsverbrechen der USA in Vietnam, Nahen Osten und anderswo auf der Welt. Hier geht es um einen Naziverbrecher. Aber warum mit 95 und erst jetzt. Warum nicht 1960,1970, 1980,1990? Ob der mit dem Alter weiß, wo er in den Kriegsjahren war?

  • 33
    7
    Hinterfragt
    20.02.2021

    "...Die USA böten «Kriegsverbrechern» keinen Schutz..."
    Nun, das stimmt so schon mal nicht, denn wenn es zum eigenen Vorteil ist dann schon ...

    https://de.wikipedia.org/wiki/Wernher_von_Braun