Gibt es zu viele Krankenhäuser?

Eine Studie schlägt massive Schließungen vor. Sachsen ist da einen Schritt voraus - aber wohl nicht mehr lange.

Dresden.

Hat Deutschland zu viele Krankenhäuser? Ja, sagt die Bertelsmann-Stiftung - und zwar viel zu viele. In einer aktuellen Studie schlug sie die Schließung von 800 Kliniken vor. Dies, so die Begründung, würde die Qualität der Versorgung verbessern und Engpässe bei Ärzten und Pflegepersonal mildern. Mehr als ein Monat ist seitdem vergangen. Doch die Entrüstung hält unvermindert an, wie sich am Donnerstag auf dem Sächsischen Krankenhaustag in Dresden zeigte.

Als "Blödsinn" und "Gipfel der Unwissenschaftlichkeit" bezeichnete der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Georg Baum, die Studie. Und Sachsens Gesundheitsministerin Barbara Klepsch (CDU) gestand: "Das hat bei uns eingeschlagen wie ein Blitz." Dabei könne Sachsen bei diesem Thema gelassen bleiben.

Unterstützung bekam sie von Professor Boris Augurzky vom Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung. Er gehörte dem Beirat an, der die Bertelsmann-Studie begleitet hatte, und bezeichnete Selbige als "Planspiel". Nach seiner Auffassung wäre es besser gewesen, wenn man sich bei den Bedarfsberechnungen nicht an Dänemark, sondern an Sachsen orientiert hätte. In Sachsen habe nur etwa jedes fünfte Krankenhaus weniger als 150 Betten, in Bayern sei es über die Hälfte. Und auch wirtschaftlich gehe es den meisten sächsischen Kliniken nicht schlecht: 2017 schrieben 82 Prozent schwarze Zahlen, in Baden-Württemberg nur 51 Prozent.

Dem Lob schob er aber sogleich eine Warnung hinterher: Sachsen lebe nunmehr von der Substanz: "Das wird in fünf Jahren nicht mehr so laufen." In manchen Gegenden werde die Zahl der Behandlungen sogar zurückgehen. Ähnlich kritisch beurteilte der Wissenschaftler die Zukunft im ambulanten Bereich. Insbesondere im ländlichen Raum werde man die Versorgung kaum noch aufrechterhalten können. Ein Grund: Vielerorts sei die Praxisnachfolge nicht gesichert.

Was tun? Eine der größten Herausforderungen der Zukunft wird die Suche nach Fachkräften sein. Dabei konkurrierten die Kliniken nicht nur untereinander, sondern auch mit anderen Branchen, sagte Augurzky. Dem Pflegepersonal-Stärkungsgesetz prophezeite er eine kurze Lebensdauer. Es werde eine Sogwirkung in Richtung Krankenhäuser haben - zu Lasten von Altenpflege- und Reha-Einrichtungen. Scharfe Kritik an der "Regulierungswut" der Bundespolitik äußerte Hubertus Jäger, Vorstandschef der Sächsischen Krankenhausgesellschaft. Als Beispiel nannte er die Pläne zu Personaluntergrenzen.

Einig waren sich alle Redner, dass Krankenhäuser - insbesondere auf dem Lande - zunehmend ambulante Leistungen übernehmen sollten. Sachsen werde sich in der Bund-Länder-Arbeitsgruppe dafür einsetzen, dass "mehr Bewegung" in die Diskussion komme, versprach Ministerin Klepsch.

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1Kommentare
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  • 3
    0
    ma27nd08y
    29.08.2019

    Klar, das weiß doch jeder, genau wie zuviel Ärzte, Schulen und Kindergärten. Eine Schande ist das.



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