Grüne fordern Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder

Nach Ansicht der Grünen muss die Betreuung der Kinder mindestens neun Stunden am Tag umfassen. Ansonsten könnten viele Eltern Familie und Beruf nicht vereinbaren.

Berlin (dpa) - Die Grünen machen Druck, den von der großen Koalition angekündigten Rechtsanspruch auf eine Ganztagsbetreuung für Kinder im Grundschulalter umzusetzen.

«Trotz Koalitionsvertrag und großem Tamtam der Ministerin liegt bis heute kein Gesetzentwurf vor. Dabei soll er schon ab 2025 gelten», sagte Grünen-Fraktionsvize Katja Dörner der Deutschen Presse-Agentur. Wenn Familienministerin Franziska Giffey (SPD) nicht bald liefere, drohe der Rechtsanspruch zu scheitern. Auf der Tagesordnung des Bundestags steht heute ein Antrag der Grünen zum Thema.

Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sei für viele Eltern die zentrale Voraussetzung, um nicht in Armut zu rutschen, sagte Dröge. «Deshalb muss der Rechtsanspruch auf Betreuung mindestens neun Stunden am Tag umfassen.» Für Kinder bedeuteten gute Ganztagsangebote ein besseres Lernen, bessere Startchancen und mehr Bildungsgerechtigkeit. «Dafür braucht der Ganztag aber eine hohe pädagogische Qualität», forderte die Familienpolitikerin Dörner. «Ohne gesetzlich verankerte Mindeststandards bei Fachkräften geht das nicht.» Der Bund müsse die Mittel für Investitionen in den Ganztagsausbau aufstocken, sie seien bisher zu knapp bemessen.

Im Koalitionsvertrag von Union und SPD ist ein Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Kinder im Grundschulalter ab 2025 vereinbart. Die Bundesregierung fördert den Ausbau der Ganztagsbetreuung in Grundschulen mit insgesamt 3,5 Milliarden Euro. Der Bundestagsantrag der Grünen dazu kritisiert das als «bei weitem nicht ausreichend». Die Grünen fordern darin unter anderem, ab 2025 einen von der Berufstätigkeit der Eltern unabhängigen Rechtsanspruch einzuführen, der mindestens fünf Tage die Woche und neun Stunden am Tag umfasst und auch in den Ferien- und Randzeiten ausreichende Angebote sicherstellt.

44 Kommentare
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  • 1
    4
    censor
    11.09.2020

    So lange im Hort keine politische Frühindoktrination stattfindet, ist das auch i.O. Genau das befürchte ich aber.

    Man will die Hoheit über die Kindererziehung erlangen, und dazu braucht man auch die sog. Kinderrechte im Grundgesetz. Das ist nichts anderes als eine schleichende Übertragung des elterlichen Sorgerechts auf den Staat.

    Was nicht passt, wird einfach als "kindswohlgefährdend" bezeichnend.
    Wo hätte man Kinder besser unter staatlicher Kontrolle als in einer Ganztagsbetreuung.

  • 4
    1
    klapa
    11.09.2020

    Erinnere mich, dass das in der DDR für die Mehrzahl der Grundschüler mit Unterricht und anschließender Hortbetreuung überhaupt kein Problem war.

    Das Fahrrad wird auch hier neu erfunden.

  • 6
    1
    620390
    10.09.2020

    Man kann und darf doch nicht etwas übernehmen, was in der DDR gut war, so wie auch unser Schulsystem. Warum das Fahrrad nicht zweimal erfinden?

  • 7
    4
    censor
    10.09.2020

    Die Grünen merken auch alles. Wäre man nie drauf gekommen, dass Eltern ohne Hortbetreuung (so hieß das in der DDR) für Schuilkinder Familie und Beruf nicht vereinbaren können.

    Sind wir froh, dass wir die Grünen haben. Die erfinden das Fahrrad neu.