Gymnasiallehrer fordern Plan gegen Lehrermangel

Das Thema Lehrermangel wird die Schulen in Deutschland auch in diesem Jahr beschäftigen. Aktuellste Prognosen zeigen, dass eine Entspannung erst ab Mitte der 20er Jahre in Sicht ist. Der Philologenverband fordert: Die Länder müssen mehr tun.

Berlin (dpa) - Die Vorsitzende des Deutschen Philologenverbands (DPhV), Susanne Lin-Klitzing, hat die Bundesländer zu einer gemeinsamen Strategie gegen den Lehrermangel aufgerufen.

Die Länder hätten zwar bei der letzten Kultusministerkonferenz (KMK) im Dezember Prognosen zur Entwicklung der Lehrerzahlen vorgelegt, aber keine Ideen zum Umgang mit diesen Daten, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur.

Nach den Prognosen der KMK werden in den kommenden zehn Jahren vor allem Berufs-, Haupt- und Realschulen durchgängig mit Lehrermangel zu kämpfen haben. An den Grundschulen wird sich die Lage den Vorausberechnungen zufolge erst ab Mitte der 20er Jahre wieder entspannen.

Der Philologenverband, der hauptsächlich die Interessen der Gymnasiallehrer vertritt, schlägt mehrere konkrete Maßnahmen vor, um dem Lehrermangel zu begegnen: Um mehr pensionierte Pädagogen zurück in die Klassenräume zu locken, sollten die bei ihnen geltenden Hinzuverdienstgrenzen ausgesetzt werden. Zudem brauche es ein vereinfachtes Modell des Lehrkräfteaustauschs zwischen den Ländern. An Universitäten sollte bei Studenten gezielt dafür geworben werden, dass sie in die am meisten betroffenen Lehramtsstudiengänge wechseln, schlägt der Verband vor. Es könnten auch «attraktive Stipendien» für Mangelfächer ausgelobt werden, besonders im Bereich Naturwissenschaften.

Der wichtigste Punkt: Die Länder sollten nach Ansicht des DPhV über Bedarf Lehrer ausbilden und in jeder Schulart auch über den aktuellen Bedarf Lehrer einstellen. «Eine 130-prozentige Unterrichtsversorgung ist planerisch umzusetzen, damit eine reale 100-prozentige Unterrichtsversorgung und phasenweises Teamteaching ermöglicht werden», sagte Lin-Klitzing. Dieser Puffer an Lehrpersonal soll dem sogenannten Schweinezyklus entgegenwirken: Wenn aufgrund steigender Schülerzahlen mehr Bedarf ist, sind genügend Lehrer da. Wenn der Bedarf wieder sinkt, werden keine Stellen abgebaut. Stattdessen kann das «Überangebot» dann für die Verbesserung der Qualität genutzt werden.

Der «Schweinezyklus» ist ein Begriff aus der Wirtschaftswissenschaft, der immer wieder im Zusammenhang mit dem Thema Lehrermangel fällt. Es geht dabei um Schwankungen bei Angebot und Nachfrage: Wird mehr Schweinefleisch nachgefragt, weil sich Essgewohnheiten ändern oder die Bevölkerung wächst, werden mehr Schweine aufgezogen. Allerdings dauert das und wenn schließlich mehr Schweine auf dem Markt sind, ist die Nachfrage vielleicht schon wieder gesunken. Dann gibt es ein Überangebot. Entsprechendes Nachsteuern nach unten kann in einiger Zeit wieder zum Mangel führen - und so weiter.

1Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 3
    2
    vomdorf
    04.01.2020

    Es nützt nichts, junge Leute zum Lehrerstudium zu überreden. Wer Lehrer werden will, muss mit Kindern zurechtkommen.
    Da nützt kein Superabitur etwas, wenn man nicht das richtige pädagogische Feingefühl mitbringt. Das kann man nicht lernen.

    Das Ergebnis sieht man heute bei vielen ( nicht allen, aber ich behaupte bei 85%) Quereinsteigern und Referendaren.....keine Liebe zum Beruf, keine Bereitschaft, sich mit den „Problemkindern“ zu beschäftigen....aber jeden Monat pünktlich schönes Geld.

    Und für die, die es interessiert: es gibt nicht nur zu wenige Lehrer, es gibt auch zu wenig Ausbilder.
    Und keiner wird zur Verantwortung gezogen, der dieses Dilemma, das sich schon vor 15 Jahren abzeichnete, zu verantworten hat. Die Leidtragenden sind unsere Kinder.



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