Kann Petra Köpping die SPD führen?

Die 61-Jährige hat aus ihrem Ministeramt in Sachsen viel gemacht. Selbst in Krisenzeiten war sie populär - und legte damit den Grundstein für ihre Kandidatur um den SPD-Vorsitz. Ein Porträt.

Dresden. Am Katzentisch wollte Petra Köpping nicht sitzen. Sie weiß noch sehr genau, dass dieser Begriff fiel, als sie 2014 Ministerin für Integration und Gleichstellung in Sachsen wurde. Ein eigenes Haus bekam sie schließlich nicht, stattdessen wurde die Sozialdemokratin dem Sozialministerium zugeordnet - das allerdings von der CDU geführt wird. Es gibt mit Sicherheit optimalere Ausgangslagen. Doch wie an einem "Katzentisch" habe sie die Situation nie empfunden, sagt Köpping. Mittlerweile ist sie eines der bekanntesten Regierungsmitglieder in Sachsen - und kandidiert um den SPD-Bundesvorsitz.

In ihrer Zeit als Ministerin hat es die 61-Jährige verstanden, ihre Themen geschickt zu setzen - und damit auch die Grundlage für ihre Popularität gelegt. Ihr spielte dabei nicht zuletzt die Flüchtlingskrise in die Hände. Plötzlich war die Integration eine Schlüsselaufgabe, die wenigsten hatten damit bei der Bildung der schwarz-roten Landesregierung gerechnet. Köpping warb entschieden um Verständnis, nahm selbst zwei Syrer auf. Gleichzeitig suchte sie den Dialog mit dem wütenden Teil der Sachsen. Ihr gelang es dadurch, einen anderen Blickpunkt zu entwickeln, der die Ostdeutschen in den Mittelpunkt rückte: "Integriert doch erst mal uns!", überschrieb sie eine Streitschrift, die sie im vergangenen Jahr veröffentlichte. Eine der Kernthesen: Die Nachwende-Zeit und die Arbeit der Treuhand müssen konsequent aufgearbeitet werden. "Die Ursache der Unzufriedenheit ist nicht nur die Flüchtlingspolitik", sagte Köpping einmal der "Leipziger Volkszeitung". "Viele Menschen finden ihre Lebensleistung nicht anerkannt." Diese Analyse bescherte ihr viel Sympathien in einer Zeit, in der andere Politiker regelrecht verteufelt wurden. Die SPD setzt auch deswegen im Landtagswahlkampf viel auf sie.

Und dennoch polarisiert Köpping. Beim Koalitionspartner CDU kann man sich mit Lust über die Ministerin und ihren Hang zur emotionalen Sprache aufregen. Zudem wird ihr vorgeworfen, eigene Verantwortlichkeiten zu vergessen. Als Köpping im vergangenen Jahr die Kreisreform von 2008 mehr als kritisch hinterfragte, gab es dezente Hinweise, dass Köpping - zur damaligen Zeit Landrätin im Leipziger Land - die Reform mitgetragen habe. In ihrer eigenen Partei wird ihr nachgesagt, nicht die Arbeitsamste zu sein. Schon in ihrer siebenjährigen Amtszeit als Landrätin wurde sie damit konfrontiert. Solche Misstöne sind an Köpping aber abgeprallt. Heute stellt sie heraus, wie bedeutend die Arbeit als Landrätin für sie war. Sie habe dabei erfahren, "wie wichtig den Menschen Politiker sind, die sich für ihre Interessen einsetzen".

Dass es Köpping demnächst vielleicht nach Berlin zieht, kommt nicht überraschend. Zu hartnäckig hatten sich die Gerüchte gehalten, sie sondiere die Lage und lote ihre Chancen aus. Sie selbst schwieg dazu. Die Avancen von gleich mehreren Seiten, die sich Köpping als Teil eines Duos vorstellen konnten, sollen ihr aber geschmeichelt haben. Die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, Manuela Schwesig, die dem kommissarischen SPD-Führungstrio angehört, hat sich dem Vernehmen nach vehement für Köpping eingesetzt. Und der Großteil der ostdeutschen Landesverbände soll sowieso auf einen prominenten Kandidaten aus dem Osten gedrängt haben. Zwar bewirbt sich auch der Bautzener Oberbürgermeister Alexander Ahrens mit seiner Flensburger Amtskollegin Simone Lange um den SPD-Bundesvorsitz. Diesem Duo werden allerdings im sächsischen Landesverband keine große Chancen eingeräumt. Die Unterstützung für Köpping und ihren Partner Boris Pistorius gilt deswegen intern als sicher.

Köpping will am Sonntag in Leipzig gemeinsam mit Pistorius vor die Presse treten. Zum einen liegt die Stadt verkehrsgünstig: Von Niedersachsen aus hat es Pistorius nicht so weit. Zum anderen hat Leipzig auch für Sozialdemokratie einen emotionalen Klang. Immerhin wurde hier im Mai 1863 die SPD ins Leben gerufen. Schwer vorstellbar, dass Köpping darauf nicht irgendwie eingehen wird.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
3Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 2
    2
    kartracer
    16.08.2019

    Da sollte sie mal genau hinsehen, ob im Rucksack tatsächlich ein Fallschirm ist, oder es sich um die Utensilien der Vorgänge handelt!
    Nahles hat auf dem Weg nach unten, offensichtlich Gott getroffen, und versucht sich jetzt im Kloster, ist schon seltsam.
    Die Gesichtszüge und Gestik sind schon mal einem Wutbürger recht ähnlich.

  • 2
    3
    Interessierte
    16.08.2019

    Ich würde jetzt mal denken - nein ….

  • 2
    10
    Lesemuffel
    16.08.2019

    Am Beispiel der Bewerbung von Genossin Köpping und der ihr zugeschriebenen Befähigung für den SPD - Vorsitz kann man erahnen, wie positiv die politische Qualifizierung in der ehemaligen SED gewesen ist. Dieses dialektische Wissen befähigt heute noch zu Führungsfunktionen.



Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
Mehr erfahren Sie hier...