Kühnert: «Für jüngere Generation geht es um alles in Europa»

Seit Wochen gehen junge Menschen fürs Klima auf die Straße. Mit warmen Worten ließen sie sich nicht abspeisen, meint der Chef der Jusos. Auch sonst sieht er die Jüngeren stärker als bisher am Zug.

Berlin (dpa) - Juso-Chef Kevin Kühnert erwartet eine steigende Wahlbeteiligung bei der bevorstehenden Europawahl und eine Mobilisierung gerade junger Leute.

«Gerade für die jüngere Generation geht es um alles in Europa - darum, ob die Welt, in die wir geboren wurden, noch erhalten bleibt», sagte Kühnert anlässlich einer Jugendkonferenz der Jusos in Berlin der Deutschen Presse-Agentur. «Der Brexit hat gezeigt, dass es manchmal schwer genug ist, sich als jüngere Generation politisch zu behaupten.» Es gehe auch um Chancengleichheit für die Jüngeren.

«Ich erwarte einen deutlichen Anstieg bei der Wahlbeteiligung», sagte Kühnert. Beim letzten Urnengang 2014 lag die Wahlbeteiligung in Deutschland bei 48,1 Prozent. Kühnert sagte: «Es geht darum, ob Pro-Europäer stark werden oder Nationalisten.» Zur Abstimmung am 26. Mai stehe, ob Europa gerechter gemacht oder abgewickelt werde.

Für die SPD seien neben Frauen und städtischem Publikum junge Menschen eine Gruppe mit großem Potenzial. «Da können wir richtig was reißen», so der Juso-Vorsitzende. «Insofern tragen wir als Jusos eine wesentliche Verantwortung für den Wahlkampf der SPD. Wir wollen in dieser Zielgruppe die Botschaften setzen.» Erstmals seien mit seiner Stellvertreterin Delara Burkhardt auf Platz fünf und Tiemo Wölken auf Platz zwölf zwei Jusos auf vorderen Listenplätzen im Rennen.

«Es wird viel über Jugendbeteiligung geredet», sagte Kühnert. Die Jusos wollten nun ein Signal setzen, dass junge Menschen in der Politik Verantwortung übernehmen. «Wir wollen jungen Menschen eine Vertretung im Parlament geben, anstatt nur freundlich zu bitten, dass die Älteren uns gelegentlich zuhören.»

Überfällig ist aus Sicht Kühnerts eine Herabsetzung des Wahlalters auf 16. «Und zwar nicht nur, weil im Moment so viele junge Leute auf die Straße gehen», unterstrich er. «Das Wahlrecht ist keine Belohnung, sondern ein Grundrecht.» Diejenigen, die jungen Menschen keine Stimme geben wollten, seien in der Pflicht, das zu begründen. «Und außer, dass man vieles andere auch erst mit 18 darf, habe ich nicht viel dazu gehört.»

Zugleich wandte sich Kühnert gegen Vereinnahmungsversuche der «Fridays for Future»-Bewegung, bei der jeden Freitag in vielen Städten Schüler für mehr Klimaschutz auf die Straße gehen. «Bei den Reaktionen auf "Fridays for future" stört mich am meisten das altväterliche Gehabe, dass das gut sei, wenn sich junge Leute politisch engagieren», sagte er. «Die gehen aber nicht auf die Straße, um Fleißbienchen im Muttiheft zu bekommen für besonderes politisches Engagement, sondern weil sie etwas stört.» Die jungen Demonstranten wollten politische Taten sehen und keine warmen Worte hören.

Gespräche zwischen Jusos und jungen Aktivisten liefen - «im Hintergrund, nicht in der Öffentlichkeit», wie Kühnert betonte. Auch Meinungsverschiedenheiten würden ausgetragen.

Dabei maß Kühnert der «Fridays for future»-Bewegung eine konkrete politische Rolle zu. «Es wird eine starke Bewegung brauchen, wenn es in diesem Jahr in der Koalition um das Klimaschutzgesetz geht», sagte der Juso-Chef. So ein Gesetz solle rechtswirksam beschlossen werden, wie es im Koalitionsvertrag auch stehe. «Und wir wollen damit unter Beweis stellen, dass wir die Botschaft dieser Bewegung verstanden haben: Mit dem Klima kann man nicht verhandeln. »

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
12Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 5
    3
    osgar
    07.04.2019

    @Blackadder wortwörtlich in einem Ihrer Kommentare zu diesem Artikel
    https://www.freiepresse.de/nachrichten/sachsen/senioren-auf-dem-sachsensofa-artikel10423418
    Es gibt noch ein weiteres, aber da habe ich mich geirrt, das ist von Ihrer Schwster im Geiste @Distelblüte.
    Das ist aber nicht das Entscheidende, die Verachtung der Älteren, wenn sie sich erdreisten über Politik mitreden oder gar entscheiden zu wollen, spricht aus vielen Ihrer Beiträge z.B. zum Klimaschutz.

  • 4
    3
    Malleo
    07.04.2019

    black...
    Da wurden Sie ja gerade als Jungpionier in die Demokratie entlassen!

  • 4
    6
    Blackadder
    07.04.2019

    @nixnuzz: Ich habe keine Ü Obergrenze, wozu auch? Dass Sachsen und speziell Chemnitz ein Problem mit Überalterung hat, ist kein Geheimnis.

  • 1
    2
    Nixnuzz
    07.04.2019

    @Blackadder: Zustimmung von einem Ü69er, der sich fragt, welches die Ü-Obergrenze in etwa bei Ihnen ist?....

  • 4
    6
    Blackadder
    07.04.2019

    @osgar: Wo habe ich denn was von alten weißen Männern geschrieben? Das wird sie jetzt überraschen, aber ich bin ü40. Und ich bleibe dabei: weltoffen und 1/4 AfD Wähler passt nicht zusammen.

  • 5
    4
    Malleo
    07.04.2019

    ...für manche bedeutet eben weltoffen gleich offene Grenzen und das Ausrollen des roten Teppichs für Wirtschaftsmigranten aus aller Welt.
    Man hat eben nach allen Seiten offen zu sein.
    Kleiner Scherz, jene, die das von sich behaupten, sind oft nicht ganz dicht.

  • 7
    3
    osgar
    07.04.2019

    Und wie ist das bei Ihnen @Blackadder?
    Sie sitzen in Ihrem Elfenbeinturm und verurteilen per se alles, was nicht Ihrer links-grünen Meinung entspricht. Dazu kommt, daß alle, die offensichtlich älter als Sie sind, den Stempel alter weißer Mann bekommen.
    Für mich ist das reaktionär.

  • 4
    10
    Blackadder
    07.04.2019

    @franzudo : Weltoffen und 25% AfD- den Widerspruch erkennen Sie sicher auch, oder?

  • 6
    4
    franzudo2013
    06.04.2019

    Wenn es nach mir ginge, wäre Sachsen das Singapur Deutschlands. Weltoffen, leistungsorientiert, frei.
    Leute wie Kuehnert hätten in Sachsen Auftrittsverbot. Sie wollen die fdGO untergraben und übersehen, dass Dummheit keine Meinung ist.

  • 8
    2
    osgar
    06.04.2019

    @cn3 jeder liest das, was er will. Was Sie aber bei @Franz rauslesen ist schon irre.

  • 4
    8
    cn3boj00
    06.04.2019

    Lieber franz..., wenn es nach Ihnen ginge wird Sachsen bald ein Rentnerland. Dann ist es vorbei mit dem kurzzeitigen Aufschwung. Sie reden schon wie der alte Gauland.

  • 9
    5
    franzudo2013
    06.04.2019

    Für die jüngere Generation ist vor allem eine Zukunft ohne Kevin Kuehnert wichtig.
    Wer schon Facharbeiter mit dem Spitzensteuersatz belohnt und für reich hält, wer Enteignungen für die Loesung des Wohnungsmangels hält, der steht für ein Schlaraffenland wie Venezuela.



Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
Mehr erfahren Sie hier...