Maaßen-Tweet zu Artikel über Migration sorgt für Empörung

Berlin (dpa) - Der frühere Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen hat am Dienstagabend mit einem Tweet eine Debatte im Netz ausgelöst.

Maaßen teilte einen Link zu einem Artikel der «Neuen Zürcher Zeitung» mit der Überschrift: «In deutschen Städten sieht die Mehrheitsgesellschaft ihrem Ende entgegen». Darin heißt es weiter: «Frankfurt am Main, Offenbach, Heilbronn, Sindelfingen - in diesen und anderen Städten sind Deutsche ohne Migrationshintergrund nur noch die grösste Gruppe, stellen aber keine absolute Mehrheit mehr dar.» Maaßen schrieb dazu: «Für mich ist die NZZ so etwas wie «Westfernsehen».»

Die Zeitung wehrte sich gegen den Vergleich. «Wir sind kein Westfernsehen. Dieser Vergleich ist unpassend und Geschichtsklitterung. Auch bei deutschen Medien arbeiten ausgezeichnete Journalisten und Journalistinnen», heißt es in einem Tweet der Zeitung.

Auch Politiker reagierten mit Kritik auf Maaßen. Der Grünen-Politiker Volker Beck etwa erwiderte: «Wir haben also nach Ihrer Ansicht, geschätzter Herr Maaßen, in Deutschland Zensur & staatlich gelenkte Medien wie in der DDR? Habe ich Sie richtig verstanden, dass damit die FDGO (Anm.: freiheitliche demokratische Grundordnung), die Sie als Verfassungsschutzpräsident schützen sollten, Ihrer Meinung bereits außer Kraft ist?»

Der Grünen-Politiker Jürgen Trittin twitterte: «Jetzt wissen wir warum unter @HGMaassen die #Reichsbürger vom Verfassungsschutz nicht ernst genommen wurden. Er denkt und redet wie ein solcher #Westfernsehen.»

Der frühere CDU-Generalsekretär Ruprecht Polenz meinte: «Ein früherer Präsident des Verfassungsschutzes vergleicht die deutschen Medien mit der SED-Einheitspresse. Bisher brüllten nur die völkisch-nationalistische AfD und Pegida «Lügenpresse». Die sog. «Werte»Union verliert völlig die Orientierung.»

Maaßen ist Mitglied der CDU und der Werte-Union, die sich als konservative Strömung in der Union versteht.

Bewertung des Artikels: Ø 5 Sterne bei 1 Bewertung
21Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.

  • 5
    1
    Lesemuffel
    12.07.2019

    Massens Analyse trifft genau auf Gegenwart und Zukunft in deutschen Städten zu. Ein Ausblick in eine reale Zukunft unserer Heimat. Die NZZ lese ich genauso gern, wie ich früher Westfernsehen geschaut habe. Heute ist ARD und ZDF eher so wie das ehemalige Ostfernsehen.

  • 5
    4
    Steuerzahler
    12.07.2019

    Oh je, Blackadder, ich hatte heute schon mal gefragt, ob Sie eigentlich selbst glauben, was Sie schreiben!

  • 4
    3
    thombo01
    12.07.2019

    Blackanadder: Das sie das glauben wundert mich nicht.

  • 4
    8
    Blackadder
    12.07.2019

    @steuerzahler: Mit dem Auftrag den Verfassungsschutz von seiner Blindheit gegenüber rechten Straftaten zu heilen.

  • 4
    8
    SimpleMan
    12.07.2019

    Herr Maaßen macht Politik, das ist auch sein Recht, nachdem er nicht mehr Verfassungsschutzpräsident ist. Aber als neutral kann man seine Aussagen wohl kaum bezeichnen. Solange er Verfassungsschutzpräsident war, waren seine Statements völlig fehl am Platz und einseitig. Und zudem hat ein Verfassungsschutzpräsident zuerst seinen Vorgesetzten zu informieren und nicht die Presse. Die Entlassung ist völlig gerechtfertigt. Kein Land würde eine Plaudertasche als Verfassungsschützer dulden. Die Qualität und der Informationsgehalt seiner Aussagen und Tweets mag jeder für sich selbst beurteilen. Aber die, die den Artikel in der NZZ gelesen haben, sind überrascht, dass Herr Maaßen meint, noch nie etwas über den Zusammenhang von wirtschaftlich starken Regionen und Bevölkerungswachstum in der deutschen Presse gelesen zu haben. Herr Maaßen sollte aufpassen, sich nicht selber zu demontieren.

  • 6
    5
    Steuerzahler
    12.07.2019

    @Blackadder: Mit welcher Zielsetzung und mit welchem Auftrag ist wohl Haldenwang eingesetzt worden um Maaßen abzulösen?

  • 6
    5
    Tauchsieder
    12.07.2019

    Der ehemalige Verfassungsschutz-Präsident Hans-Georg Maaßen drückt in wenigen Worten aus, was viele denken: Wer sich heute ein neutrales Bild von der Politik und Gesellschaft machen will, muss zusätzlich alternative oder ausländische Medien aufsuchen. Schweizer Zeitungen wie die »Neue Zürcher Zeitung« seien heute für viele Deutsche das, was früher für Bürger der DDR das Westfernsehen war.
    Für viele Bürger der neuen Bundesländer ist das nichts Neues. Für sie ist das Lesen im deutschen Blätterwald und das Fernsehen längst ein Déjà-vu, das sie an die alten DDR-Zeiten erinnert, als Karl-Eduard von Schnitzler mit seinem berüchtigten »Schwarzen Kanal« die DDR-Bürger auf Linie brachte und die »Aktuelle Kamera« ein verzerrtes Bild von der Weltpolitik vermittelte.

  • 4
    8
    Blackadder
    12.07.2019

    @Steuerzahler: Komisch nur, dass Menschen wie Haldenwang, der die gleichen Informationen zur Verfügung hat, zu vollkommen anderen Einschätzungen gelangt.

  • 6
    5
    Steuerzahler
    12.07.2019

    @Blackadder: Glauben Sie selbst eigentlich, was Sie schreiben? Ich denke mal, Maaßen hat ein Vielfaches an Er- und Kenntnissen, die Ihnen je zur Verfügung stehen werden. Wenn er so etwas äußert, dann sicher nicht, weil ihm nichts Besseres eingefallen wäre. Aber so ist das nun mal heute, wer eine andere Meinung als links-grün hat, wird abgesetzt und abgekanzelt. As Ganze heißt dann Meinungsfreiheit und Meinungsvielfalt.

  • 4
    10
    Blackadder
    12.07.2019

    Schlimm genug, dass ein rechter Verschwörungstheoretiker jahrelang Chef unseres Verfassungsschutzes war. Das erklärt aber einiges, was in den letzten Jahren so gelaufen ist.

  • 6
    6
    thombo01
    12.07.2019

    Freigeist: Ja? Ist das So?

  • 8
    9
    Freigeist14
    11.07.2019

    Herrn Maaßen musste wohl erst das Handwerk im Verfassungsschutz gelegt werden , damit im Dienst die Erkenntnis reifte ,daß die "Identitäre Bewegung " rechtsextremistisch ist .

  • 3
    9
    SimpleMan
    11.07.2019

    Nur mal so ... https://www.faz.net/aktuell/rhein-main/frankfurt/kommentar-zum-migrantenanteil-in-frankfurt-irrtum-und-irrsinn-16280533.html

  • 11
    8
    thombo01
    11.07.2019

    Der Mann ist Spitze.Der Tweet sorgt nicht nur für "Empörung" sondern vor allem für Begeisterung

  • 9
    7
    Malleo
    10.07.2019

    simple..
    Alle eingereichten Kommentare gestrichen.
    Wie würden man das wohl bezeichnen?
    Nun, ich kenne eine Bundespolizistin, die von dieser sympathischen Stadt weggegangen ist.
    Sie handelte wohl auf Empfehlung von Nargess Eskandari-Grünberg(Ansage an Deutsche in Frankfurt-Main)
    "Migration ist eine Tatsache. Wenn Ihnen das nicht passt, müssen Sie woanders hinziehen"
    Warum sind Sie eigentlich noch hier und nicht in Frankfurt?

  • 12
    7
    BlackSheep
    10.07.2019

    Dieser Aufschrei ist wirklich peinlich, kann sich den keiner mehr an "Im Dienste der Eliten" erinnern"? Wenn Massen so falsch liegt, wieso kam diese Studie zu ähnlichen Ergebnissen?

  • 6
    12
    SimpleMan
    10.07.2019

    @ralf66 Haben Sie denn den Artikel in der NZZ wirklich gelesen oder nur die Überschrift? Denn ich glaube, er wird Ihnen nicht gefallen. https://www.nzz.ch/international/in-deutschen-staedten-geht-die-mehrheitsgesellschaft-zu-ende-ld.1492568
    Es ist halt so, dass wirtschaftlich starke Regionen viele Menschen anziehen (siehe Zukunftsatlas Deutschland). In Frankfurt leben nicht nur viele Menschen unterschiedlicher ausländischer Herkunft, sondern u. a. auch viele Menschen aus Ostdeutschland. Die Gruppe, die auf jeden Fall kleiner wird, sind die Frankfurter. Ich empfinde Frankfurt als eine der unkompliziertesten und sympathischsten Städte, die ich kenne und das liegt besonders an den Menschen dort.

  • 12
    6
    Tauchsieder
    10.07.2019

    Er wird wissen von was er spricht, schließlich war er der Präsident des Verfassungsschutzes. Das dies einem gewissen politischen Klientel nicht passt ist doch nichts Neues. Nennt man in einer Demokratie Meinungsfreiheit. Das was Maaßen meint versteht jeder, er bringt es lediglich nicht geschickt rüber. Da fühlen sich die Angesprochenen, die angeblich politisch korrekt unterwegs sind, natürlich auf den Schlips getreten.

  • 8
    17
    Distelblüte
    10.07.2019

    Ich denke, HG Maaßen hat die Empörung auf seinen Tweet bewusst einkalkuliert.
    Soll er doch. Don't feed the troll.

  • 12
    6
    ralf66
    10.07.2019

    @SimpleMan, ja das sich die NZZ gegen den Vergleich von Maaßen wehrt sie wäre wie Westfernsehn, dass ist die eine Seite der Medaille, die andere Seite sind die Fakten, die die NZZ über die Zuwanderung in verschiedenen deutschen Städten geschrieben hat, was das eigentliche Thema ist.

  • 8
    14
    SimpleMan
    10.07.2019

    Unglaublich, und dieser Mann war Verfassungsschutzpräsident. Aber gute Reaktion der NZZ: "Die Zeitung wehrte sich gegen den Vergleich. «Wir sind kein Westfernsehen. Dieser Vergleich ist unpassend und Geschichtsklitterung. Auch bei deutschen Medien arbeiten ausgezeichnete Journalisten und Journalistinnen», heißt es in einem Tweet der Zeitung."



Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
Mehr erfahren Sie hier...