Machtkampf in der CSU: Es kann nur einen geben

In der CSU tobt ein Machtkampf um die Nachfolge Horst Seehofers als bayerischer Ministerpräsident. Es spitzt sich wohl zu auf das Duell Markus Söder gegen Joachim Herrmann. Oder gibt es doch noch eine Überraschung? In Bayern ist nichts unmöglich.

Chemnitz/München.

"Wenn Bayern das Paradies ist, dann sieht sich Horst Seehofer als der Erzengel Gabriel, der mit flammendem Schwert den bajuwarischen Garten Eden bewacht. Ihn vor allen Gefahren beschützt - ob vor Länderfinanzausgleich, Einheitsschulen oder schlechtem Bier", sagte einst der Münchner Politikexperte Werner Weidenfeld über den bayerischen Ministerpräsidenten Seehofer.

In diesen Tagen muss der "Erzengel" Seehofer gegen Chaos, Misstrauen, Wut und Enttäuschung in der eigenen Partei kämpfen. Die CSU ist maximal in Aufruhr. In spektakulärer Art und Weise taumelt die Partei der Entscheidung über Seehofers Erbe entgegen - Ausgang offen. Wird es am kommenden Montag in der Landtagsfraktion und dann im Parteivorstand eine Kampfabstimmung über die Spitzenkandidatur geben - zwischen Finanzminister Markus Söder und Innenminister Joachim Herrmann? Sicher ist nur, dass es ein geheimes Treffen von prominenten Söder-Gegnern in der Staatskanzlei gegeben hat, bei dem Herrmann seinen Hut in den Ring geworfen haben soll. Herrmann selbst lehnte eine klare öffentliche Aussage dazu bisher ab.

Auch der Münchner Politikprofessor Stefan Wurster mochte am Mittwoch nicht darüber spekulieren. In dieser Geschichte habe es schon zu viele Wendungen gegeben. "Beide sind Franken. Das passt zumindest. Wenn der Oberbayer Seehofer Parteichef bleibt, ist dem CSU-Proporz Genüge getan. Und falls Herrmann sich tatsächlich als Ministerpräsidentenkandidat durchsetzten sollte, kann der andere Franke, Söder, nicht den Parteichefsessel anstreben. Das scheint die Strategie der Söder-Gegner zu sein."

Es kann also nur einen Franken in der CSU-Spitze geben. Warum aber ist der regionale Proporz so wichtig? Wurster: "Die CSU ist als Volkspartei in den verschiedensten Regionen Bayerns verwurzelt. Daher wird dieser Proporz unbedingt eingehalten, um alle Regionen des Freistaates zu repräsentieren." Worin aber unterscheiden sich Söder und Herrmann eigentlich? "Grundsätzlich steht Herrmann trotz seines Law-and-Order-Images eher für eine integrative Strategie, Söder steht für Polarisierung", so Wurster. Seine Gegner sagen, für zu viel Polarisierung. Mit ihm, so die Befürchtungen, könne die Volkspartei CSU bei Wahlen nicht alle Lager ansprechen. Ihm wird nicht zugetraut, die gleiche breite Integrationswirkung zu entfalten wie zum Beispiel Herrmann.

Der wäre schon ein veritabler Kandidat, heißt es allgemein. Der Innenminister wird in der Fraktion, deren Chef er in früheren Jahren war, überaus geschätzt. Der 61-Jährige gilt in Parteikreisen als Seehofers Mann für alle Fälle. Er ist einer seiner wichtigsten Unterstützer. Persönliche Interessen hat Herrmann in der Vergangenheit immer wieder zurückgestellt, wenn es aus seiner Sicht ums große Ganze ging. So etwa, als er sich zur Spitzenkandidatur für die Bundestagswahl bereit erklärte. Wenn Seehofer über den Franken spricht, kommt er genau deshalb ins Schwärmen. Im Wahlkampf stand Herrmann vor allem für das Thema Innere Sicherheit. Dass die CSU am Ende so abstürzte, ohne das Erstarken der AfD aufhalten zu können, muss sich auch Herrmann ankreiden lassen.

Sein Kontrahent Markus Söder ist daher weiter Favorit auf das Amt des Ministerpräsidenten. Sein gnadenloser Wille, ganz nach oben zu kommen, hat dem 50-Jährigen aber schon oft geschadet. Von Ehrgeiz zerfressen sei er, ätzte Seehofer vor Jahren einmal auf einer CSU-Weihnachtsfeier. Seitdem kämpft der Noch-Landesvater gegen seinen unerwünschten Kronprinzen.

Der frühere Fernsehjournalist Söder, der in seinem Jugendzimmer ein Poster von Franz Josef Strauß hängen hatte, war schon mit 27 Jahren Landtagsabgeordneter, später CSU-Generalsekretär und Minister für so ziemlich alles - erst Europa, dann Umwelt und Gesundheit und schließlich Finanzen. Dieses Ministerium ließ er zugleich umbenennen in Ministerium für Finanzen, Landesentwicklung und Heimat. Ein geschickter PR-Schachzug für Söder, sich als volkstümlicher Bayer zu präsentieren. Als "Heimatminister" will er an die Fundamente Bayerns anknüpfen: Tradition und Brauchtum.

Wenige Tage noch, dann dürfte der Machtkampf entschieden sein. Dass Seehofer als Ministerpräsident aufhört, gilt als gesetzt - die Frage ist nur noch, ob erst zur Wahl oder schon vorher. Und offen ist noch, ob er noch einmal als Parteichef weitermacht. Die größte Frage zurzeit aber ist: Wird es das Duell Söder-Herrmann tatsächlich geben? Falls ja, dann nur in der Fraktion? Oder erst auf dem Parteitag? Die denkwürdigen Chaos-Wochen in der CSU, sie sind noch nicht zu Ende. Erzengel Gabriel dürfte sich schon längst mit Grausen abgewendet haben. (mit dpa)

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1Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 0
    1
    Freigeist14
    30.11.2017

    Oha,wird hier über einen Showdown wie beim "Highlander" orakelt ?



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