Merkel: In der Corona-Krise «noch lange nicht über den Berg»

Die Kanzlerin ist unzufrieden mit der breiten Debatte über Lockerungen der strikten Corona-Beschränkungen. Angela Merkel wird ungewöhnlich deutlich: Die gute Entwicklung könne wieder kippen.

Berlin (dpa) - Am ersten Tag der Lockerung der coronabedingten Beschränkungen hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die Bürger vor Leichtsinn gewarnt und weiter zu größter Vorsicht aufgerufen.

«Wir dürfen uns keine Sekunde in Sicherheit wiegen, (...) sondern wir müssen wachsam und diszipliniert bleiben», sagte die Kanzlerin in Berlin nach einer Sitzung des Corona-Krisenkabinetts.

Merkel warnte davor, dass andernfalls die Infektionszahlen wieder stark steigen könnten. «Es wäre jammerschade, wenn wir sehenden Auges in einen Rückfall gehen.» Mit harten Maßnahmen sei viel erreicht worden, und die Reproduktionszahl der Infektionsketten sei unter 1 gedrückt worden. An etlichen Tagen gebe es also mehr Genesene als neu Infizierte. Merkel betonte sagte, «dass wir am Anfang stehen und noch lange nicht über den Berg sind».

An die Regierungschefs der Länder appellierte sie, die Schutzmaßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie nicht zu früh und zu weitgehend zu lockern. Sie wolle, dass der gemeinsam beschlossene Spielraum «möglichst eng ausgenutzt wird, nicht möglichst weit». Die Kanzlerin warnte: «Es kann auch ein Fehler sein, dass man zu schnell voranschreitet.»

Die Kanzlerin versicherte, sie wisse um die Not vieler Bürger, einsamer Menschen, Alleinerziehender, Hoteliers, Ladenbesitzer und Künstler. Sie kenne die Erwartungen der Kirchen und Religionsgemeinschaften und sehe das dringende Bedürfnisse, das Versammlungs- und Demonstrationsrecht wieder wahrnehmen zu können. «Diese Pandemie verlangt uns allen in diesem Lande, jedem Einzelnen, aber auch der Gemeinschaft, ziemlich viel ab.»

Merkel kündigte an, dass 105 mobile Teams aufgestellt und geschult würden, die vor Ort bei der Identifizierung von Kontaktpersonen helfen sollten. Die Finanzierung übernehme das Bundesgesundheitsministerium. Ab dem 22. April werde es eine Meldepflicht für Gesundheitsämter geben, die den Bundesländern mitteilen müssten, wenn sie diese Aufgabe nicht erfüllen könnten. Nötig sei «eine präzise Nachverfolgung aller Infektionsketten», betonte Merkel. «Das wird nur gelingen, wenn wir den öffentlichen Gesundheitsdienst stärken.»

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12Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

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    Nixnuzz
    23.04.2020

    @ralf66: Genau! 1 dicker grüner Daumen.

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    ralf66
    21.04.2020

    Also mal was zu dem ''Flickenteppich'', den unterschiedlichen Maßnahmen der einzelnen Bundesländer in der Bundesrepublik.
    Die Bundesrepublik hat 16 Bundesländer mit eigener Regierung wer's noch nicht mitbekommen haben sollte, gelten schon seit das so ist in den Bundesländern in vieler Hinsicht, zu vielen Themen ganz unterschiedliche Regelungen, dass war noch nie gleich. Bisher hat man sich darüber nur wenig aufgeregt, in Zusammenhang mit Corona jetzt ständig, man beklagt die unterschiedlichen Vorgehensweisen der Länder zur Bekämpfgung von Corona. Wenn wir das alles so nicht mehr wollen, müsste man die 16 Bundesländer und ihre Regierungen abschaffen, denn nur so hat man dann die Gewissheit zentral von Berlin, von nur einer Regierung regiert zu werden, so das alles gleich ist.
    Jetzt kommt die andere Seite der Medaille, gerade die Gleichmacherei wird doch auch wieder von vielen angeprangert.
    Bei der Bekämpfung des Coronavirus ist die Herangehensweise der einzelnen Bundesländer unterschiedlich, weil die Bedingungen schon von der Anzahl der Infizierten her gesehen ganz unterschiedlich sind.
    Dann ist die unterschiedliche Herangehensweise auch damit zu begründen, dass die verantwortliche Personen in den Landesregierungen oftmals ihre eigene Sicht zu den Dingen haben, Dinge in der Gefährlichkeit unterschiedlich einstufen, jedes Land seine gewissen Berater zu Corona und zur Vorgehensweise gegen das Virus hat, es dort natürlich nicht zu allen Dingen die gleiche Ansicht gibt.
    Das Thema kann man auch gerne einmal von der untersten Stufe her betrachten, nur mal eine Jahreshauptversammlung besuchen, der Verein ist egal, was es da unter wenig Personen für total unterschiedlichen Meinungen zu einem dem selben Thema gibt wo richtig was los ist es am Ende zu keiner Einheit kommt und hier bei der Coronabekämpfung verlangt man im Ernst, dass alle 16 Bundesländer total einheitlich vorgehen, manche scheinen von der Realität nichts mehr zu halten.
    Klar kann man sagen, dass die Maßnahmen von der Gestaltung her sich zum Teil auch beißen, fragliche Unterschiede bestehen, dass liegt aber auch an den unterschiedlichen Einschätzungen der medizinischen Berater, der Virologen die hier auch nicht gerade eine einheitliche Meinung und Lehre vertreten.

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    Hinterfragt
    21.04.2020

    "...Kanzlerin Angela Merkel kritisiert "Öffnungsdiskussionsorgien". Abgesehen davon, dass man auf so eine Wortschöpfung auch erst einmal kommen muss, ist die Kritik gelinde gesagt eine Unverschämtheit - weniger gelinde gesagt, es ist anmaßend...."

    Quelle:
    https://www.spiegel.de/politik/deutschland/coronavirus-pressestimmen-zu-oeffnungsdiskussionsorgien-merkels-kritik-ist-anmassend-a-8b45cb6f-11ec-4107-9aa2-2dbbb6688744

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    mops0106
    20.04.2020

    Prof. Lesch heute im Focus-Interview:
    "Für mich ist es vor allem auch ein Sieg der Moral über die Ökonomie. Denn die Populisten versagen angesichts der Krise ziemlich, kein einziger hat richtig reagiert."

    Vielleicht fragt er sich mal, wer die Moral bezahlen soll, wenn keine Ökonomie mehr da ist.
    Und die von ihm so genannten Populisten konnten gar nicht handeln, da diese nicht an der Regierung beteiligt sind und auch nicht beteiligt waren. Somit haben sie die bewusst zugelassenen Mangelzustände auch nicht herbeigeführt.

    Prof. Lesch: "Ich dachte ja schon bei den Klimaskeptikern, dass das der Gipfel der Unverschämtheit sei."...
    Es gibt eine ganze Menge Menschen, die zweifeln. Und die zu erwischen ist die Aufgabe. Die, die fest davon überzeugt sind, dass das Ganze nur eine Verschwörung der Illuminaten oder der Chinesen ist, die erreicht man sowieso nicht."

    Menschen, die die Darstellung/ Argumentation beim Klimawandel, von politischen Zusammenhängen und beim Corona-Virus hinterfragen, werden diffamiert und mit den "Aluhutträgern" gleichgestellt. Wobei das Wort "Verschwörungstheorie" in den letzten Jahren für vieles, was nur im Ansatz kritisch ist und sogar mit Fakten belegbar ist, verwendet wird.

  • 13
    8
    Hinterfragt
    20.04.2020

    "...Die Kanzlerin ist unzufrieden ..."
    Wow!
    Dem gemeinem Volk steht das natürlich nicht zu, das hat zu schlucken und zu gehorchen, sonst gibt's gem. Louis de Funes "paar aufs Maul" ...

  • 12
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    ASS
    20.04.2020

    Bis vor reichlich einem Monat (ab 16.03.2020) wollte die Kanzlerin nicht mal die Grenzen schließen. Das würde nichts bringen. Nun ja, die Grenzen sind jetzt dicht.
    Mir kommt immer wieder das Buch 1984 (Roman) von George Orwell in den Sinn. Ein Schelm wer böses dabei denkt.

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    streetworker
    20.04.2020

    So ihr Ignoranten, nun habt ihr es endlich geschafft: de' Muddi ist stinksauer.
    Nach Wochen des Lobes über das Wohlverhalten "ihres Volkes" platzt ihr der Kragen über dessen Unbotmäßigkeit. Dabei ist sie doch intelligent und müsste erkennen, warum ihr die Untertanen nicht mehr widerspruchslos an den Lippen hängen. Wenn in jedem Bundesland andere Maßnahmen als die allein Lebensrettenden propagiert werden, wird das Ganze doch unglaubwürdig. Bei den Einen sind's die hochgezogenen Schals, bei den Anderen die geschlossenen Möbelhäuser. In dem einem Land kannst Du vielleicht demnächst die Affen im Zoo besuchen, während woanders die Infektionszahlen (vielleicht?) deshalb wieder um 2 % ansteigen. Kein Zweifel, Vorsicht ist bestimmt weiter angebracht. Aber bitte mit Augenmaß und vorallem für die 'kleinen Leut' nachvollziehbar.

  • 17
    6
    Freigeist14
    20.04.2020

    Jetzt wird schon das Hinterfragen ,die Diskussion kritisiert . So weit ist es schon gekommen . Peinlich , bei der Wortfindung von -Orgien - zu faseln .

  • 16
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    Echo1
    20.04.2020

    @Hinterfragt. Ich auch. Lieber nicht Vereinsamen, aber ein gewisses Risiko wegen irgendeiner Ansteckung Kauf nehmen. Und das Risiko für Corona ist gering. In Deutschland stecken sich auf 10.000 Menschen 8 an. Über die Hälfte ist wieder gesund. Ein Professor für Statistik hat es gestern in die heute-Nachrichten in das ZDF geschafft. Das was er sagte, relativiert die Pandemie und ihre Gefährlichkeit erheblich.
    Er ist im Netz ausführlich zu finden.

  • 17
    6
    Hinterfragt
    20.04.2020

    Eine ältere Bekannt neulich:

    Wenn ich die Wahl habe zwischen in Vereinsamung zu sterben und Corona, dann nehme ich Corona ...

  • 14
    9
    Lesemuffel
    20.04.2020

    Diesen Flickenteppich von Maßnahmen hat die Merkelregierung doch selbst erst verursacht. Wer sich kritisch äußerte, Vernunft anmahnte wurde vom allen Medien einheitlich als Corona-Leugner ,Verschwörungstheoretiker oder wie jetzt vom ZDF-Professor Harald Lesch wie folgt diffamiert "Beim Corona-Virus hat sich wirklich der Pöbel entladen."(Focus-Online 20.4.20) Die Zustimmung von 90% zu den Beschlüssen sollt auch Fr. Merkel nicht zu dem Gefühl verleiten, alles besserwisserich zu machen. Wenn man den Diskurs unterdrückt, schwindet das Vertrauen in die pol. Führung.

  • 20
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    KTreppil
    20.04.2020

    Die Bürger wollen oder brauchen Perspektiven, die Wenigsten erwarten Lockerungen von heute auf morgen. Jedoch Perspektiven: Wenn bis, dann ab... Nicht immer nur mit neuen Zahlen, Vergleichen und Expertengremien argumentieren.
    Woran sollen sich z.b. Gastronomie, Sportstätten, Schüler und Eltern und (auch das gibt Perspektiven) die Tourismusbranche denn momentan orientieren? Gestern galt Abflachen der Kurve, dann Verdopplungswert, heute Ansteckungswert, morgen...???
    Sichtbar ist doch schon, dass unser Gesundheitssystem bei weitem (noch?) nicht so überlastet ist, als in anderen europäischen Staaten. Kann man sich daran denn nicht auch mal orientieren? Bis es einen Impfstoff gibt, den vielleicht auch mancher ablehnt, muss es doch auch mal andere Perspektiven geben. Ich glaube nicht,
    dass es z.B. für die Menschen in Pflegeheimen und überhaupt unsere ältere Generation eine Perspektive ist, vor dem Virus geschützt zu werden, bei gleichzeitiger Isolation von Kindern und Enkeln. Oder dass unser Land zwar gut im internationalen Vergleich mit Corona klar kam, aber mit dem Preis einer Pleitewelle in kleinen und mittleren Unternehmen. Es muss doch auch mit dem Virus ein angemessenes gesellschaftliches Leben geben können, natürlich mit gewissen Einschränkungen, nur das Maß ist wichtig und die entsprechende Kommunikation und Glaubwürdigkeit.