Merkel ruft zu Zuversicht auf

Am 1. Januar beginnt nicht nur ein neues Jahr, sondern gleich ein neues Jahrzehnt. Schon jetzt zeichnen sich große Veränderungen ab. Manchem wird deshalb bange. Das muss nicht sein, sagt die Kanzlerin in ihrer Neujahrsansprache. Ihr Appell: Den Wandel gestalten.

Berlin (dpa) - Zum Beginn des neuen Jahrzehnts hat Bundeskanzlerin Angela Merkel die Bürger zu Mut, Zuversicht und neuem Denken aufgerufen. «Die 20er Jahre können gute Jahre werden. Überraschen wir uns einmal mehr damit, was wir können».

Das sagte die CDU-Politikerin in ihrer am Montag veröffentlichten Neujahrsansprache. Deutschland müsse dazu seine Stärken nutzen und auf das Verbindende setzen.

Merkel wies auf die Herausforderungen des digitalen Fortschritts für das Leben aller Menschen in allen Bereichen hin. Sie nannte insbesondere die Arbeitswelt und betonte, die Menschen sollten auch in Zukunft einen guten und sicheren Arbeitsplatz und im Alter eine verlässliche Rente haben.

«Dazu brauchen wir mehr denn je den Mut zu neuem Denken, die Kraft, bekannte Wege zu verlassen, die Bereitschaft, Neues zu wagen, und die Entschlossenheit, schneller zu handeln, in der Überzeugung, dass Ungewohntes gelingen kann - und gelingen muss, wenn es der Generation der heute jungen Menschen und ihren Nachkommen noch möglich sein soll, auf dieser Erde gut leben zu können», sagte Merkel.

Sie betonte die Notwendigkeit, den Klimawandel aufzuhalten. «Die Erwärmung unserer Erde ist real. Sie ist bedrohlich. Sie und die aus der Erderwärmung erwachsenden Krisen sind von Menschen verursacht. Also müssen wir auch alles Menschenmögliche unternehmen, um diese Menschheitsherausforderung zu bewältigen. Noch ist das möglich.» Diese Überzeugung trage auch das soeben von Bund und Ländern beschlossene Klimaschutzprogramm.

Sie selbst werde mit ihren 65 Jahren nicht mehr alle Folgen des Klimawandels erleben, die sich bei einem Nicht-Handeln der Politik einstellen würden, sagte Merkel. «Es sind ja unsere Kinder und Enkel, die mit den Folgen dessen leben müssen, was wir heute tun oder unterlassen. Deshalb setze ich all meine Kraft dafür ein, dass Deutschland seinen Beitrag leistet - ökologisch, ökonomisch, sozial - den Klimawandel in den Griff zu bekommen.»

Dabei könnten die Menschen in Deutschland auf dem aufbauen, was sie schon immer stark gemacht habe: «unseren Ideen, unserem Erfindergeist, unserem Fleiß und unserer Hartnäckigkeit, unseren Handwerkern, Ingenieuren und Fachkräften, unseren staatlichen und ehrenamtlichen Strukturen, unserer Art des Zusammenlebens in Familien und Vereinen, der Wertschätzung für diejenigen, die zum Beispiel in der Pflege für andere Menschen und mit anderen Menschen arbeiten».

Die Kanzlerin forderte Europa auf, seine Stimme stärker in der Welt einzubringen. Deutschland werde sich dafür im kommenden Jahr in seiner EU-Ratspräsidentschaft einsetzen, etwa durch einen Gipfel aller Mitgliedstaaten mit China und ein Treffen mit den Staaten Afrikas. «Die Zusammenarbeit mit Afrika liegt auch in unserem eigenen Interesse. Denn nur wenn Menschen die Chance auf ein friedliches und sicheres Leben haben, werden Flucht und Migration abnehmen.»

Merkel dankte denjenigen, die in Deutschland politische Verantwortung übernehmen, insbesondere Kommunalpolitikern. «Sie - wie alle Menschen in unserem Land - vor Hass, Anfeindungen und Gewalt, vor Rassismus und Antisemitismus zu schützen, ist Aufgabe des Staates, eine Aufgabe, der sich die Bundesregierung besonders verpflichtet fühlt.»

6Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 13
    2
    cn3boj00
    01.01.2020

    Mit Klima hat sie ihre Kanzlerschaft einst begonnen, und damit beendet sie das jetzt. Der Bogen schließt sich. Dabei sind die Erkenntnisse ja nicht neu, über die sie jetzt redet als hätte sie in bisherigen Amtszeit davon keine Ahnung gehabt.
    Jahrelang hat sie all das versäumt zu tun, von dem sie jetzt spricht, vor allem neues Denken kam bei ihr nicht vor. Und ihr Handeln blieb leider selbst hinter ihrem nicht gerade fortschrittlichen Denken hinterher.
    Vielleicht könnte man sich auf das neue Jahrzehnt freuen: es wird ein weitgehend merkelfreies Jahrzehnt werden. Allein wenn ich so sehe, was sich da so als potenzielle Nachfolger in Position bringt - egal aus welchen Parteien - so kommt mir der Verdacht: es kann noch schlimmer kommen.

  • 8
    3
    Interessierte
    01.01.2020

    Nicht : Wir schaffen das , sondern wir sind zuversichtlich , hieß es heute im Radio
    Aber das ist schon enorm , was ´sie` sich alles so vornehmen wollen , die Politiker , denn mit ´wir` meint sie ja sich und ihre Kollegen

    Übrigens braucht man für diese Rede fast ein Jahr Vorbereitung , um alle Ereignisse des Jahres ´in Kurzform` darin unter zu bringen - kam kürzlich im Radio

  • 14
    3
    ralf66
    01.01.2020

    Das ist doch wieder das allgemeine, oberflächliche und immer wiederkehrende Gerede was wir von Merkel schon kennen, Ausländer, Klima, Europa, Rassismus und Antisemitismus ihre liebsten Themen, wenig bis fast gar nichts konkretes über die gesamte Innenpolitik.

  • 16
    3
    Steuerzahler
    01.01.2020

    Zu Neuem Denken auffordern? Wie wäre es denn, eigene Positionen zu überdenken und so vielleicht der Spaltung der Gesellschaft entgegen zu wirken?

  • 10
    7
    Echo1
    31.12.2019

    Schleim, Schleim.
    Verkehrsminister rausschmeißen.
    Die Mehrheit der Bevölkerung (Umfrage) ist mit Tempo 130 auf Autobahnen einverstanden. Hör auf das Volk und setz Dich dafür ein. Arien gibt es in der Oper.
    Das genannte wäre Demokratie.

  • 8
    1
    Nixnuzz
    31.12.2019

    "Mit einer Reise nach Grönland hat Bundeskanzlerin Angela Merkel eine neue Offensive im Kampf gegen den Klimawandel gestartet. Am Donnerstagnachmittag traf sie auf der größten Insel der Welt ein, wo sie sich zwei Tage lang über die Folgen der globalen Erwärmung informieren will. „Ich glaube, dass vor uns für die Bekämpfung des Klimawandels sehr entscheidende Jahre liegen“, sagte sie. Deutschland werde auch im zweiten Halbjahr der G8-Präsidentschaft das Thema vorantreiben und sich in den laufenden internationalen Bemühungen auf der Vereinten Nationen mitengagieren.// Foto: Merkel und Gabriel bestaunen die Eisschmelze
    Veröffentlicht am 16.08.2007" (https://www.welt.de/wirtschaft/webwelt/article1112299/Merkel-und-Gabriel-bestaunen-die-Eisschmelze.html)
    Das ist das Bild, das mir von A.Merkel zu der engagierten Regierungszeit und der o.g. Aussage zum Klimawandel wirklich in Erinnerung bleiben wird.



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