Nach AKK-Rückzug: Wer wird nun Unions-Kanzlerkandidat?

Berlin. Nur gut ein Jahr hatte Annegret Kramp-Karrenbauer den CDU-Vorsitz inne - und die ganze Zeit war überschattet vom Ringen um die Kanzlerkandidatur der Unionsparteien. Als mögliche Anwärter dafür sind derzeit vier Namen im Gespräch - drei davon aus der CDU und alle aus Nordrhein-Westfalen, dem größten CDU-Landesverband.


ARMIN LASCHET (58)

Der Aachener gilt als loyaler Stellvertreter Angela Merkels in der Bundes-CDU. Als Ministerpräsident und Vorsitzender des stärksten Landesverbandes Nordrhein-Westfalen könnte er schon qua Amt einen Anspruch auf den Vorsitz der Bundespartei und die Kanzlerkandidatur anmelden. Als Oppositionsführer in NRW hatte er bis zum Wahlerfolg 2017 auf Landesebene zunächst viel Kritik ertragen und so manche Niederlage wegstecken müssen. Doch der Fußballfan gilt als beharrlich und geduldig. Laschet studierte Jura, arbeitete als Journalist und eroberte die politische Bühne schließlich als Bundestags- und Europa-Abgeordneter.


FRIEDRICH MERZ (64)

Jurist, Finanzexperte, glänzender Redner: Schon nach dem Verzicht Angela Merkels auf den Parteivorsitz hat sich der frühere CDU-Hoffnungsträger 2018 als Kandidat ins Spiel gebracht. Auf dem Höhepunkt des Parteispendenskandals war er im Februar 2000 als Nachfolger Wolfgang Schäubles zum Vorsitzenden der Unionsfraktion gewählt worden - und wurde 2002 von Parteichefin Merkel verdrängt. Der Wertkonservative zog sich danach von wichtigen Posten in Fraktion und Partei zurück und arbeitete als Rechtsanwalt. Von seinem Posten als Aufsichtsratschef des US-Finanzkonzerns Blackrock in Deutschland zeiht er sich zum April zurück, um sich wieder mehr der Partei zu widmen. Begonnen hatte er seine politische Laufbahn 1989 mit der Wahl ins Europaparlament. 1994 zog Merz für den Hochsauerland-Wahlkreis in den Bundestag ein.


MARKUS SÖDER (53)

Außerhalb Bayerns gilt der CSU-Chef vielen noch immer als Scharfmacher und Populist - mit markigen Aussagen hat sich der vierfache Vater über die Jahre hinweg das Image des Hardliners erworben. Auch in der CSU gehen die Meinungen über den ehrgeizigen Juristen aus Franken weit auseinander, doch er hat viele Unterstützer, zudem hat er sich als akribischer Arbeiter Respekt erworben. Spätestens seit seiner Wahl zum bayerischen Ministerpräsidenten im März 2018 feilt Stratege Söder an einem neuen Image, hat sich vom Haudrauf zunehmend zum sanfteren Landesvater gewandelt. Zuvor war der Ziehsohn von Ex-CSU-Chef Edmund Stoiber CSU-Generalsekretär, Europa-, Umwelt- und Finanzminister. Seit 1983 ist er CSU-Mitglied, von 1995 bis 2003 war er Chef der Jungen Union Bayern.


JENS SPAHN (39)

Der ehrgeizige Gesundheitsminister hat sich als konservativer Kritiker der Kanzlerin profiliert und hatte im Rennen um den CDU-Vorsitz schon 2018 den Hut in den Ring geworfen. Als Stimme vieler Konservativer und Jüngerer in der Partei brachte sich der Münsterländer in mehr oder minder offener Abgrenzung zu Merkel für mögliche höhere Aufgaben in Stellung. Der langjährige Gesundheitspolitiker und frühere Finanzstaatssekretär profilierte sich mit provokanten Äußerungen zu Themen von der Zuwanderung bis hin zu Recht und Ordnung. Als Minister glänzte er mit einem Feuerwerk an Initiativen und Gesetzesnovellen. Der Jüngste in Merkels Kabinett sitzt im Bundestag schon seit 2002.


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6Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 5
    1
    franzudo2013
    10.02.2020

    Es ist völlig belanglos, wer Vorsitzender unter Merkel wird.
    Solange Merkel nicht gestürzt wird, disqualifiziert sich jeder, der den Posten annimmt.
    Soeder hat das mit seinem Machtinstinkt begriffen und hält sich im Hintergrund.
    Die kinderlose Merkel hat keinen Bezug mehr zu Vitalität und lebendigen Strukturen. Nur schade, dass sie ein ganzes Land ihrem Versagen opfert.

  • 4
    5
    pcomment
    10.02.2020

    Friedrich Merz? Ernsthaft? Langsam komme ich mir vor wie in Steven Kings "Manchmal kommen sie wieder" oder in der Polit-Edition von "The Walking Dead".

  • 8
    3
    frankjac
    10.02.2020

    Durch das Erdbeben, dass die Alternative ausgelöst hat, kommt nun endlich wieder Bewegung in die politische Landschaft! Dank der "Bösen" werden nun scheinbar die Karten neu gemischt und das ist schon lange überfällig. In der "Welt" stand ein Artikel, "Genug vom Kurs der Damenriege" und genau so sehe ich das auch! Ich persönlich würde Merz den Vorzug geben.

  • 4
    9
    Freigeist14
    10.02.2020

    Das ist der "Vormerz" . Von langer Hand geplant ,den Finanzhai und Konservativen an die Macht zu bringen .

  • 12
    5
    Malleo
    10.02.2020

    Was ist bislang aus dem Saarland schon Gescheites in die Politik gegangen?
    Honny, Maas, Altmeier und AKK!

  • 15
    6
    Lesemuffel
    10.02.2020

    Es ist hochinteressant, welche Dynamik allein die Existenz einer wirklichen Alternative jetzt in den Reihen der Unfehlbaren, Selbstzufriedenen, Bequemen auslöst. Sonst hätte man nie den Fehlgriff AKK erleben können.