Offener Brief an Senator: Entlassung von Knabe Strafaktion?

Berlin (dpa) - Mitglieder des Beirats der Stasiopfer-Gedenkstätte Hohenschönhausen haben gefordert, die Entlassung des Direktors Hubertus Knabe rückgängig zu machen. In einem Offenen Brief an Kultursenator Klaus Lederer (Linke) äußerten sie zudem den Verdacht, es handele sich dabei um eine Strafaktion für Knabes «politische Unangepasstheit». Die Unterzeichnerinnen sind die frühere DDR-Oppositionelle Heidi Bohley, Schriftstellerin Freya Klier sowie die in der DDR politisch Inhaftierte Edda Schönherz und Professorin Barbara Zehnpfennig.

Bei der Sondersitzung des Stiftungsrates wegen einer Affäre um sexuelle Belästigung sei Knabe in der Gedenkstätte nicht angehört worden, das lege den Verdacht der Vorverurteilung nahe. Die Vorwürfe richteten sich nicht gegen ihn, sondern dessen Stellvertreter. Dieser wurde noch von Knabe beurlaubt. Knabe hatte stets die Linke scharf wegen ihres Umgangs mit der DDR-Vergangenheit kritisiert.

Lederer ist Vorsitzender des Stiftungsrates. Das Gremium habe kein Vertrauen, dass Knabe den Kulturwandel in der Gedenkstätte glaubhaft vertreten könne, wurde nach der Sondersitzung in der vergangenen Woche mitgeteilt. Nun soll laut Lederer die frühere Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Marianne Birthler, übergangsweise beim Neuanfang helfen.

Ausgelöst wurde die Krise durch einen Brief mehrerer Volontärinnen, Mitarbeiterinnen und Praktikantinnen. Sie warfen der «Führungsetage» der Gedenkstätte sexistisches Verhalten vor. Vor allem der Vize-Direktor stand im Fokus. Die Verwaltung von Lederer bestätigte den Eingang des Briefes, wollte ihn aber nicht kommentieren.

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