Razzien in vier Ländern wegen rechtsextremer Drohschreiben

Sie drohten per E-Mail mit Sprengstoffanschlägen. Gegen Moscheen, Flüchtlingsunterkünfte und andere Einrichtungen. Jetzt schlugen die Ermittler im Morgengrauen gegen sieben rechtsextreme Beschuldigte zu.

München (dpa) - Nach islamfeindlichen Drohschreiben gegen Moscheen, Ankerzentren, Parteizentralen und Medien haben Ermittler bei einer konzertierten Aktion in vier Bundesländern mehrere Gebäude durchsucht.

Der Einsatz richtete sich gegen sieben Beschuldigte aus dem rechtsextremen Milieu in Bayern, Baden-Württemberg, Thüringen und Sachsen-Anhalt. Sie sollen auch Sprengstoffanschläge angedroht haben.

Hinweise auf einen Zusammenhang mit den tödlichen Schüssen in Halle am Nachmittag gab es nicht. Man habe keinerlei solche Hinweise, sagte ein Sprecher des bayerischen Landeskriminalamtes am Mittwochnachmittag.

Sechs der Personen seien vorläufig festgenommen worden, teilte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) am Mittwoch in München mit. Nach Abschluss der polizeilichen Maßnahmen seien sie wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Der siebte Verdächtige sei zunächst nicht angetroffen worden.

Sichergestellt wurden Datenträger wie Computer, Smartphones und Festplatten - «alles was mit dem Versand von E-Mails zu tun hat», sagte ein Sprecher des Bayerischen Landeskriminalamtes. «Sämtliche Beschuldigte stehen schon länger im Fokus polizeilicher Ermittlungen.» Nun soll unter anderem weiter ermittelt werden, welche Verbindungen die Männer untereinander genau hatten und welche Verbindungen sie genau zur rechtsextremen Szene hatten.

Die insgesamt 23 Schreiben waren den Ermittlern zufolge vom 8. bis 23. Juli bundesweit per E-Mail versandt worden. Unterzeichnet waren sie mit «Volksfront», «Combat 18» oder «Blood and Honour (trotz Verbot sind wir nicht tot)» - alles rechtsextreme Organisationen.

Die Drohschreiben gingen an Ankerzentren für Flüchtlinge, islamische Zentren, Moscheen, Parteizentralen und Presse- und Medienagenturen. «Derartige Drohmails wollen Menschen in Angst und Schrecken versetzen und den gesellschaftlichen Frieden stören», sagte Herrmann. «Dagegen gehen wir mit aller Macht des Rechtsstaats vor.»

Das wurde am Mittwoch als Knackpunkt in den Ermittlungen bezeichnet: dass es gelungen sei, die Beschuldigten namentlich zu ermitteln. Schließlich werde bei Droh-Mails von den Verfassern in der Regel versucht, die Herkunft zu verschleiern, hieß es.

Am Einsatz beteiligt waren insgesamt rund 120 Beamte, wie die für die Aktion federführenden Behörden in Bayern mitteilten. Die Ermittler wurden von Spezialeinsatzkräften (SEK) und örtlicher Polizei unterstützt.

In Bayern gab es drei Durchsuchungen: jeweils eine in Oberbayern (Landkreis Rosenheim), Niederbayern (Straubing-Bogen) und Oberfranken (Landkreis Bamberg). In Baden-Württemberg fanden die Aktionen in zwei Objekten statt (Region Stuttgart und Landkreis Sigmaringen), in Sachsen-Anhalt (Landkreis Mansfeld-Südharz) und Thüringen (Stadt Suhl) gab es jeweils eine Durchsuchung.

Nähere Angaben zu den durchsuchten Objekten machten die Behörden nicht. Im Laufe des Vormittages waren die Aktionen beendet.

Das Neonazi-Netzwerk «Blood & Honour» (Blut und Ehre) ist verboten. Die gewaltbereite rechtsextreme Organisation «Combat 18» gilt als bewaffneter Arm von «Blood and Honour» und ist in mehreren europäischen Ländern aktiv. «Combat» steht im Englischen für Kampf. «18» gilt als Szenecode für den ersten und den achten Buchstaben im Alphabet, also A und H - die Initialen von Adolf Hitler. Die «Volksfront» ist eine ursprünglich aus den USA stammende rechtsextreme Organisation. Offiziell hatte sie sich 2012 aufgelöst.

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8Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 5
    2
    Blackadder
    10.10.2019

    @PCcomment: Sie haben das mit den zwei Wellt sehr schön zusammengefasst. genau so habe ich das auch in Erinnerung. Ich hatte nur zu sehr verallgemeinert. Sorry.

  • 6
    1
    pcomment
    10.10.2019

    @Interessierte: Wie geht das Westgeld ohne Kapitalismus? Wer die D-Mark wollte, wollte damit automatisch auch den Kapitalismus, das Eine ging nicht ohne das Andere.

    @blackadder: Die Mehrheit der Bürgerrechtler und "Demonstranten der ersten Stunde", wollten durchaus nicht einfach einen Kapitalismus über die DDR stülpen. Sie haben an eine Reform des Sozialismus und eine demokratisch regierte DDR gedacht.
    Erst die "zweite Welle" der Demonstranten hat sich nur an der bunten Gliterwelt aus dem Werbefernsehen oritentiert, und damit genau den oben erwähnten Zusammenhang ausgeblendet.

  • 4
    2
    ralf66
    10.10.2019

    @Blackadder, 1989 wollten viele Menschen den SED-Staat DDR nicht mehr sie wollten aber auf Garantie auch keinen ausufernden Kapitalismus, mit dem waren aber die ehemaligen DDR-Bürger von nun an voll konfrontiert. Auf einmal kamen ganz andere Probleme auf, nicht mehr ging es um die erkämpfte Meinungsfreiheit und Mitbestimmung, wer eine Arbeit hatte dem schenkte man von Anfang an reinen Wein ein: Wer meckert fliegt raus, dass war die neue Errungenschaft, der Kampf mit der Arbeitslosigkeit, der Kampf um den Erhalt des Arbeitsplatzes um die Familie zu ernähren, ließ alles warum man eigentlich demonstriert hatte vergessen. Was nach der Wende getrieben wurde mit der Treuhand, der Umgang mit den Menschen am Arbeitsplatz seitens der Herren Unternehmer, die billige Entlohnung für oftmals 6 Tage arbeiten in der Woche, im Gegensatz zu hohen Lebenshaltungskosten hätte eigentlich damals gleich wieder voll den Anlass geben müssen, massenweise auf die Straße zu gehen und gegen diese unwirklichen Zustände zu demonstrieren. Aber die Menschen waren eingeschüchtert und verunsichert hatten Angst um ihren Arbeitsplatz und kümmerten sich fortan nur darum, ihren bescheidenen Wohlstand zu mehren oder wenigstens zu erhalten, gingen der Vereinsarbeit nach und feierten bei jeder sich bietenden Gelegenheit ein Festlein, der Zusammenhalt sollte somit demonstriert werden aber war keineswegs mehr so vorhanden wie vor der Wende. Jetzt wachen die Menschen aber langsam auf hinterfragen mehr und lassen sich auch nicht mehr alles gefallen, dass sorgt natürlich für Unmut in der Politik und Wirtschaft. Das ist die Antwort auf Blackadders Kommentar und hat nichts mit dem hier stehenden Artikel zu tun.

  • 3
    2
    Blackadder
    10.10.2019

    @Interessierte: Ich war damals 14. Ich hatte sicher andere Sorgen als ein Land, dass um mich herum kollabierte.

  • 3
    5
    Interessierte
    10.10.2019

    Sie kommen doch auch aus dem Osten , warum fragen Sie denn da ?

  • 3
    6
    Interessierte
    10.10.2019

    Das Westgeld - und reisen ....

  • 3
    7
    Blackadder
    10.10.2019

    @Interessierte: Der Osten wollte den Kapitalismus doch. Oder was wollten die Leute vor 30 Jahren auf der Straße.

  • 2
    9
    Interessierte
    10.10.2019

    Deutschland hat ein Problem mit Rechtsextremismus ….
    Und der Osten von Deutschland hat ein Problem mit dem Kapitalismus



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