"Seit mehr als 50 Jahren gehe ich nicht mehr zum Friseur"

Der ostdeutsche SPD-Politiker Wolfgang Thierse ist am Montag 75 geworden. Ein Gespräch über den Bundestag, die Ostdeutschen, die AfD und über FKK.

14Kommentare

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  • 3
    1
    Zeitungss
    24.10.2018

    Soll er halt zuwachsen, Grundlage dafür ist nur die Überschrift. Ich war auch 50 Jahre nicht auf dem Markplatz, interessiert das jemand????? Diese lahme Truppe in Schwung zu bringen, wäre mal was, den Beitrag habe ich mir verkniffen, bringt eh NICHTS.

  • 0
    1
    gelöschter Nutzer
    24.10.2018

    Ich will nicht schleimen Freigeist. Vollkommen richtig. Aber hier kam die Angst der Sieger vor echter Demokratie zum Tragen. Schnell weg, nicht nachdenken
    und wie gehabt.

  • 1
    1
    Freigeist14
    24.10.2018

    Das demokratischste ,was es je in der DDR und der BRD gegeben hat war die Idee und die Praxis den Runde Tisches vom 12.Dezember 1989. Und dieser "Geist" ging im Vorfeld der Wahl vom 18.März 1990 ,der Profilierung einzelner Teilnehmer auf Kosten der Modrow-Regierung . Ergänzend muss ich noch sagen,daß die Ost-SPD lange unabhängig vom Westen war,während die Ost-CDU ab Februar 1990 Kohl das Zepter überreichte . Das der Kanzler keinen Widerspruch duldete ,sah man auch im unterkühlten Umgang mit Lothar de Maiziere ,der sich eigenen Gestaltungsspielraum erkämpfte .

  • 2
    1
    Freigeist14
    24.10.2018

    Täglichleser@ bringt es auf den Punkt. Die SPD verspielte sehr viel Sympathien bei der Weigerung,ehemalige SED-Mitglieder aufzunehmen. Cn3bo@ die Ost-SPD ,vormals SDP gab es seit dem Wendeherbst .Was Sie also schreiben über das fehlende Pendant trifft nicht zu .Schon zur Jahreswende 89/90 nannte sich die Partei SPD-Ost und vertrat auch den Ruf nach "Deutschland einig Vaterland". Von einem schnellen Anschluss war jedoch noch keine Rede.

  • 5
    3
    gelöschter Nutzer
    24.10.2018

    Cn3 aus der Erinnerung heraus, habe ich die SPD nie so fortschrittlich gesehen.
    Mit der Aufnahme von SED-Mitgliedern
    taten sie sich schwer. Igitegit SED Pfui.
    Was hat denn der gemacht? Der war bestimmt beim MfS. Für mich war das
    Bündnis 90 mein Favorit. Sie hatten Änderung bewirkt. Sie traten für Dialog ein,
    für Runden Tisch. Klar Lafontaine war kritisch. Trat mit der Wiedervereinigung
    auf die Bremse. War gut. Manches hätte
    anders laufen können. Aber der unsäglich
    Ausschluss von ehemaligen normalen DDR-Bürgern und ihren doch guten Gedanken hat vieles zerstört. Sogar Westgewerkschaftler traten hier sehr arrogant auf und warben nicht um Ideen und Mitglieder. Und die SPD hat heute noch
    Berührungsängste zu den Linken. Kein Wunder, dass sich hier auch Ältere dem
    rechten Spektrum zuwenden.

  • 4
    0
    cn3boj00
    23.10.2018

    Ich denke, die Rolle der Ost-SPD 1989 ist nie richtig deutlich benannt worden. Eigentlich war es eine gute Entscheidung, dort mitzutun. Denn alle anderen Parteien der DDR hatten ihr westliches Pendant, in dem sie aufgesogen wurden, und die SED war am Boden. Nur eine SPD gab es nicht. Ihre Gründung verfolgte klar das Ziel, in der DDR zwar eine demokratie nach westlichem Vorbild, aber sozialistisch geprägt zu errichten, als Gegenmodell zum Zustand der BRD unter dem Dicken. Um das zu verhindern hat dieser dann die Vereinigung um jeden Preis durchgesetzt.
    Denen, die damals eine neue DDR anstrebten, mit der Option auf eine in der Zukunft liegenden Verenigung, Opportunismus mit Karrieredenken zu unterstellen ist absolut nicht angebracht. Es gab viele Verräter an der Idee, aber das waren eher nicht die Neu-SPDler.
    Darüberhinaus, @Freigeist, sagt Herr Tiefensee deutlich mehr zur Lage der SPD als Sie meinten gelesen zu haben. Und ihn wie @Deluxe mit Merkel in einen Topf zu werfen ist völlig verfehlt.

  • 5
    4
    gelöschter Nutzer
    23.10.2018

    Die Kommentare zeigen mir, dass Thierse
    das volle Spektrum absichert. Nach allen
    Seiten nickt. Er ist schon ein wenig populistisch. Deswegen habe ich seine Antworten auch nur überflogen. Weil er auch in der Vergangenheit nie eine klare Linie hatte. Das scheinintelligente Gerede
    hat mich nie überzeugt. Obwohl ich immer
    darauf gewartet habe, dass er etwas
    weiterbringendes sagt.

  • 3
    3
    Freigeist14
    23.10.2018

    Haecker,@ Sie schreiben zwar,das der Wahlsieg der SPD mit "guten Pöstchen" noch nicht sicher war- aber alle Prognosen gingen nach der Gründung der Ost-SPD von einem klaren Wahlsieg aus . Erst das Dreier-Bündnis "Allianz für Deutschland" , die massive Wahleinmischung aus der BRD und das Enttarnen Ibrahim Böhmes als IM ließen die SPD verlieren . Auch wenn Sie dreimal "wohltuend" Thierse eine realistische Sichtweise bescheinigen,bleibt er mit seinen Einschätzungen hinter dem Erwartbaren zurück .

  • 3
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    Freigeist14
    23.10.2018

    Deluxe@ bis auf Ihre Einschätzung von Frau Lengsfeld kann ich Ihren Kommentar unterschreiben. Vera Lengsfeld hat sich mit ihrem Fischen im rechtskonservativen Milieu um Henryk M.Broder und ihrer Paranoia,überall verkappte Kommunisten zu sehen,ins Abseits manövriert. Herr Thierse ist das Musterbeispiel des angepassten DDR - Oppositionellen (nicht Dissidenten) , der die damaligen Ideale des 4. November 1989 der rein parlamentarischen Demokratie der BRD geopfert hat. Das die heutige Unzufriedenheit noch mit der "autoritären Prägung" aus DDR-Zeiten begründet wird und die Leute "zu viel vom Staat erwarten" hätte kein alter Bonner Politiker besser sagen können . Das ihm nichts Kritisches zum Absturz der SPD einfällt und noch immer meint,die Partei vertrete nur ihre Erfolge schlecht, beweist nur das er Teil des Problems ist .

  • 6
    5
    Haecker
    23.10.2018

    @Deluxe: Die AfD hat Wolfgang Thierse sehr differenziert beschrieben. An einer Sitzblockade gegen eine rechtsextreme Demo in Berlin hat er sich meines Wissens nach nur einmal beteiligt und ist sofort aufgestanden, als er von der Polizei dazu aufgefordert wurde. Deshalb gab es gegen ihn auch keine Anzeige. Ein Protest in Sicht- und Hörweite, der nicht in Blockaden mündet, ist aber jederzeit zulässig (und oft auch gerechtfertigt).
    Als er Vorsitzender der DDR-SPD wurde, befand sich die SPD keineswegs in der Spitzenposition. Die Wiedervereinigung zeichnete sich zwar ab, war aber längst noch nicht "in trockenen Tüchern". Das "gute Pöstchen" war keineswegs gesichert. (Der Wechsel von Frau Merkel vom DA zur CDU hing mit der damaligen Spaltung des DA in Zusammenhang mit der Bildung der "Allianz für Deutschland" zusammen - einige gingen sofort zur SPD, andere nach der Volkskammerwahl zur CDU. Der Zusammenschluss von Bündnis '90 und den Grünen dauerte schon etwas länger: 1990 war das Wahlgebiet zur Bundestagswahl geteilt und die West-Grünen waren an der 5-%-Hürde gescheitert. Die Grünen waren im damaligen Bundestag zunächst nur durch Bündnis '90 vertreten.)
    Wohltuend, dass W.Thierse die aktuellen eigenen Schwächen der SPD benennt und nicht andere (CDU/CSU, Rechtspopulisten) für die Lage der Partei verantwortlich macht. Wohltuend auch, dass er zwar eine Anerkennung der Lebensleistungen der Menschen in der DDR fordert, eine Relativierung der SED-Diktatur aber ausdrücklich ablehnt. Und wohltuend auch, dass er die Entwicklung im Osten seit 1990 differenziert betrachtet.

  • 6
    5
    argus
    23.10.2018

    Globale Bedrohungen kommen von rechts, autoritäre Politikmodelle florieren, es gibt einen internationalen Rechtsruck. Die alten Parteien-Pole schmelzen oder verändern sich für immer. Spaltlinien ziehen sich durch die liberalen Gesellschaften, mit dem Einzug der AfD in den Bundestag hat die Konterrevolution Deutschland erreicht. Danke für diese ehrliche Suche Wolfgang Thierses nach Antworten auf Unruhe und Ungewissheit.

  • 8
    6
    Interessierte
    23.10.2018

    Dieser Katholik und ´Sprecher der Christen in der SPD ` mischt sich überall ein und denkt , er hat Recht und dass sich alle nach ihm richten müssen und auch Einsehen haben müßten ….

  • 14
    7
    Deluxe
    23.10.2018

    Für mich ist Herr Thierse vor allem eins:
    Ein relativ cleverer Opportunist, der spätestens ab 1989 immer genau wußte, in welche Windrichtung das Fähnchen zu hängen war, um sich möglichst ohne große Widerstände ein nettes Pöstchen zu sichern und damit die finanzielle Sorgenfreiheit.

    Als er merkte, daß mit dem Neuen Forum im wahrsten Sinne des Wortes kein Staat zu machen war, wechselte er noch rechtzeitig (und bevor viele andere merkten, daß die DDR-Bürgerbewegungen am gesamtdeutschen Wahl-Markt keine Chance haben würden) zur SPD, denn deren Zukunft galt damals als sicher, da sie ja ein direktes, großes und etabliertes Pendant im Westen hatte, das weiland noch über Leute wie Willy Brandt, Oskar Lafontaine u.a. verfügte.

    Danach schaffte er es durch - meiner Meinung nach gänzlich kritiklose - Anpassung an die westdeutsche Parlaments- und Politbürokratie (ich verwende dieses Wort in voller Absicht) eine Bundestagskarriere zu machen, die ihm schließlich durch ausreichend langes Zustimmen zu den damals herrschenden (und im Osten keinesfalls zufriedenstellenden!) Verhältnissen sogar die Bundestagspräsidentschaft bescherte.
    Mein Eindruck war auch während dieser Zeit, daß er (zum Beispiel im Vergleich zu seinem Amtsnachfolger Norbert Lammert) nie so parteiübergreifend neutral war, wie es diesem Amte ansteht.

    Die Bürgerbewegung der DDR bzw. die neuen Parteien, die sich daraus ab Herbst 1989 entwickelt hatten, hat sich nach 1990 augenscheinlich in zwei Teile aufgesplittet:
    Den Teil, der in der Bedeutungslosigkeit verschwunden ist und lediglich noch für Rückblicke und historische Dokumentationen als Interviewpartner hervorgekramt wird. Dazu zählen offenbar die meisten, zumindest kommt es mir so vor.

    Und den anderen Teil, der mit einem rechtzeitigen Wechsel zu einer der im Westen bereits etablierten Parteien die Kurve bekommen hat, um im neuen Staat Karriere zu machen. Zu ihnen gehören Herr Thierse (Neues Forum, dann SPD), Frau Merkel (Demokratischer Aufbruch, dann sehr schnell CDU), die Damen und Herren von Bündnis 90, die gleich kollektiv und ebenfalls recht schnell die Vereinigung mit den Grünen angestrebt und umgesetzt haben und auch einige Parteilose, die von der Bundespolitik insoweit gefördert wurden, daß es für Ämter wie BStU gereicht hat oder ähnliches - hier fallen mir Herr Gauck, Frau Birthler und Herr Jahn ein.

    Manche, wie Vera Lengsfeld, haben ihre Politkarriere auch wieder abgebrochen, nachdem sie festgestellt hatten, welch ein Filz das eben auch im Westen ist.

    Wolfgang Thierse hat als Bundestagspräsident sicher keinen schlechten Job gemacht. Lammert war mir lieber - er hatte einfach mehr Biß und mehr Humor. Aber die Ideale von 1989 hat Thierse für mich jedenfalls nicht wirklich verinnerlicht, zumindest vertritt er sie nicht mehr. Denn er gehört heute leider zu den Repräsentanten unserer Demokratie, die Kritiker und Andersdenkende sofort in die undemokratische, wahlweise rechte Ecke stellen. Und daraus kann man keinen demokratischen Meinungsbildungsprozess ableiten. Das ist undemokratisch.

  • 16
    6
    Realist
    22.10.2018

    Zu DDR-Zeiten war Herr Thierse auch der Meinung von Rosa Luxenburg: "Freiheit ist immer die Freiheit des anders Denkenden"...
    Leider hat sich seine Gesinnung gewandelt, sonst hätte er nicht zu Gegendemonstrationen mit Sitzblockaden aufgerufen und selbst daran teilgenommen. Er ist für mich kein Aushängeschild eines wahren Demokraten...



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