SEK-Polizisten sollen Munition entwendet haben

Die Spuren führen ins «Prepper»-Milieu: Drei SEK-Beamte sollen Munition des Landeskriminalamtes Mecklenburg-Vorpommern beiseite geschafft haben. Ein Vierter im Bunde, so der Vorwurf der Ermittler, gab sie jemandem mit Kontakt zur «Prepper»-Szene.

Schwerin (dpa) - Polizisten sollen Munition beiseite geschafft und sie einem Mann mit Kontakten in die «Prepper»-Szene überlassen haben. Drei ehemalige Mitglieder und ein aktiver Beamter des Spezialeinsatzkommandos (SEK) Mecklenburg-Vorpommern sind deshalb festgenommen worden.

Gegen sie lagen Haftbefehle vor, wie eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Schwerin sagte. Im Lauf des Tages sollten sie einem Haftrichter vorgeführt werden, der über den Vollzug der Untersuchungshaft entscheiden sollte.

Ermittelt wird wegen des Verdachts des Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz und das Waffengesetz sowie wegen des Verdachts des gemeinschaftlichen Betrugs. Drei der Männer sollen von April 2012 an Munition aus den Beständen des Landeskriminalamts (LKA) Mecklenburg-Vorpommern beschafft haben. Diese hätten sie einem weiteren Beschuldigten mit Kontakt zur «Prepper»-Szene gegeben. «Prepper» bereiten sich mit Vorräten auf Krisen oder einen Zusammenbruch der staatlichen Ordnung vor - manche kalkulieren den Einsatz von Waffen ein.

Am Mittwochmorgen wurden Wohnräume und Arbeitsplätze der Polizisten durchsucht. Im Einsatz waren demnach Staatsanwälte der Staatsanwaltschaft Schwerin, Beamte des LKA Mecklenburg-Vorpommern und des Bundeskriminalamts sowie Polizisten anderer Dienststellen.

Die Durchsuchungen und Festnahmen stehen im Zusammenhang mit Ermittlungen gegen die «Prepper»-Gruppe «Nordkreuz» in Mecklenburg-Vorpommern, die seit Sommer 2017 beim Generalbundesanwalt laufen. Der Vorwurf: Verdacht der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat. Festnahmen gab es nach einer Razzia im August 2017 nicht, jedoch wurde ein Polizist vom Dienst suspendiert. Er ist es noch immer, wie ein Sprecher des Innenministeriums in Schwerin sagte.

Die Ermittler fanden seinerzeit in der Wohnung von einem der jetzt Beschuldigten - im Verfahren beim Generalbundesanwalt wird er als Zeuge geführt - erhebliche Mengen Waffen und Munition. Diese hatte er laut Staatsanwaltschaft unsachgemäß gelagert und war zu deren Besitz zum Teil auch nicht berechtigt.

«Der Generalbundesanwalt hatte die Ergebnisse seiner Durchsuchungsmaßnahmen und die damit im Zusammenhang stehenden weiteren Erkenntnisse der Staatsanwaltschaft Schwerin mit der Maßgabe zur Verfügung gestellt, über die Einleitung eines eigenen Ermittlungsverfahrens zu entscheiden», erklärte die Sprecherin. Gemeinsam mit dem LKA habe man Ermittlungen aufgenommen. Das LKA habe dafür eine siebenköpfige Ermittlungsgruppe gebildet. Das Ergebnis sind die vier Festnahmen vom Mittwoch.

Bewertung des Artikels: Ø 3.5 Sterne bei 2 Bewertungen
9Kommentare
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    0
    Nixnuzz
    19.06.2019

    "..Der Staat verschließt die Augen .." Vielleicht hat er nicht genug, um alles im Auge zu haben?...Bei dem Personalmangel an x000 Mitarbeitern...Wieviel versackt wirklich mangels Mitarbeitern??..Aber solange Anna Log noch immer die wichtigste Mitarbeiterin in ihrem hocheigenem abgesichertem autarkem Landesbüro die Stellung hält...kann da nix schief gehen!...

  • 2
    1
    Blackadder
    18.06.2019

    Da die Kommentarfunktion beim Artikel "Rechtsextreme Morde nun auch an Amtsträgern" irgendwie nicht geht:

    Ich habe echt ein Problem mit der Überschrift. Das klingt für mich wie: nun gut, an rechtsextreme Morde haben wir uns mittlerweile gewöhnt. Gab ja schon Hunderte seit 1990, aber an Amtsträger! Da müssen wir vielleicht doch mal was machen, oder?

    Wenn ein Mitglied der CDU Werteunion folgendes twittert (Max Otte):
    "Lübcke - endlich hat der Mainstrem eine neue NSU-Affäre und kann hetzen. Es sieht alles so aus, dass der Mörder ein minderbemittelter Einzeltäter war, aber die Medien hetzen schon jetzt gegen die "rechte Szene", was immer das ist. "
    dann merkt man, dass aus dem NSU NICHTS gelernt wurde. Wir haben in diesem Land rechts Strukturen, die gut organisiert und gefestigt sind und die MORDE begehen! Dagegen muss jetzt wirklich rigoros vorgegangen werden.

    -Terrorgruppe Freital
    - rechtes Bundeswehr Netzwerk Hannibal
    - Revolution Chemnitz
    - Combat 18
    - NSU 2.0 Skandal bei der Polizei
    - SEK Beamte in Mecklenburg stehlen und Horden Munition

    Wieviel soll ich denn noch aufzählen. Der Staat verschließt die Augen und Menschen sterben. Und Gauland will sie jagen....

  • 2
    1
    Blackadder
    18.06.2019

    Ich sag nur Hannibal. Ich hier blieb der Aufschrei aus.

  • 2
    1
    Distelblüte
    18.06.2019

    @BlackSheep: Schon vor einigen Tagen berichtete die Ostsee-Zeitung, darüber, dass die Polizei im MV 29 Bürger darüber informierte, dass deren Namen auf einer Todesliste auftauchen, die bei den Mitgliedern der Prepper-Gruppe "Nordkreuz" sichergestellt wurde.
    Ich habe den Link dazu hier:
    https://m.ostsee-zeitung.de/amp/news/Nachrichten/MV-aktuell/Prepper-Todesliste-BKA-laedt-Zeugen-aus-MV-vor?__twitter_impression=true
    Glauben Sie immer noch, dass das alles harmlose Spinner sind, die nur Vorräte sammeln?

  • 2
    4
    BlackSheep
    14.06.2019

    @Distelblüte Ihre Äußerung erinnert an Verfolgungswahn und der führt zu Realitätsverlust.

  • 4
    4
    Distelblüte
    13.06.2019

    @BlackSheep: Keineswegs. Aber reden Sie sich das ruhig weiter ein.

  • 3
    5
    BlackSheep
    13.06.2019

    @Distelblüte, wissen Sie das die Prepper-Bewegung nichts mit Politik zu tun hat?

  • 1
    4
    ralf66
    13.06.2019

    @Distlblüt, dos gobs domols bei dare NVA net, do hot mor für dor Kalaschnikow, die in Magazin dressig Schuss Munition gehatt hot su e Bratl gehatt, do ginge genau dressig Schuss nei, un wenn do ahne Patron gefahlt hätt, hätt morsch sofort gesah.

  • 5
    7
    Distelblüte
    12.06.2019

    Das wird nur die Spitze des Eisbergs sein. Der Journalist Martin Kaul und andere recherchierten seit Jahren in dieser Angelegenheit - doch es bleibt ruhig bei öffentlich-rechtlichen Medien. Warum eigentlich?
    Sind Soldaten und Polizisten, die sich darauf vorbereiten, einen staatlichen Umsturz herbeizuführen und sich präventiv bewaffnen, kein Grund zur Sorge?
    https://www.deutschlandfunkkultur.de/medienkritik-wo-bleibt-die-resonanz-auf-die-hannibal.1264.de.html?dram:article_id=434071



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