Söder: Corona ist Naturkatastrophe und Prüfung

Einmal mehr dominiert die Pandemie eine Parteitagsrede von CSU-Chef Markus Söder. Dabei zeichnet er wegen der Infektionslage ein düsteres Bild für die kommenden Monate, will aber auch Mut machen.

München (dpa) - Bayern und ganz Deutschland stehen nach Ansicht von CSU-Chef Markus Söder wegen der Corona-Krise vor einem schweren Herbst und Winter.

«Corona ist mit aller Wucht, mit aller Macht wieder da», sagte der bayerische Ministerpräsident am Samstag in seiner Grundsatzrede auf dem digitalen Parteitag der CSU in München. Um Deutschland herum, in ganz Europa würden die Fallzahlen bereits wieder explodieren. «Nahezu alle Nachbarn melden jeden Tag neue Rekordzahlen.» Die Weltgesundheitsorganisation sehe Europa in einer ganz kritischen Phase. «Denn eines ist klar, Herbst und Winter steht vor der Tür, und dort wird die Lage deutlich schwieriger werden.»

Söder verglich die Pandemie mit einer Naturkatastrophe: «Es ist vielleicht die Prüfung unserer Zeit für unsere Generation. Wir müssen diese Prüfung auch bestehen.» Deutschland sei bisher mit seiner Strategie verhältnismäßig gut durch die Krise gekommen «und wir müssen ehrlich sein, wir haben auch ziemlich Glück gehabt». Wer glaube, Deutschland sei eine Insel der Seligen, sei naiv. Aufgrund der Corona-Krise hatte die CSU nach einem kleinen Parteitag im Mai auch ihren großen Parteitag komplett ins Internet verlegt.

Trotz der steigenden Zahlen und dem nach wie vor fehlenden Impfstoff brauche es keinen grundlegenden Strategiewechsel im Umgang mit der Pandemie, um etwa eine Durchseuchung und damit eine Herdenimmunität zu erreichen, sagte Söder. «Für mich als Christ ist es ethisch nicht vertretbar, für das Freizeitverhalten vieler das Leben weniger zu Opfern», sagte Söder zu den rund 800 zugeschalteten Delegierten an ihren Computerbildschirmen. Neben Söders Grundsatzrede stand auf dem Parteitag ein fast 400 Seiten dickes Antragsbuch im Fokus. Unter anderem beschlossen die Delegierten mehr Anstrengungen für die Digitalisierung an den Schulen und einen konsequenteren Kampf gegen den Kindesmissbrauch, etwa durch die Wiederzulassung der umstrittenen Vorratsdatenspeicherung.

Gleichwohl bleibe es wichtig, die Strategie fortlaufend anzupassen. «Wir dürfen nicht aufgeben oder nachlassen, sondern müssen klug, souverän, aber auch entschlossen dieser Herausforderung begegnen. Es braucht gar nicht viel, um erfolgreich mit Corona umzugehen», sagte Söder. Dazu gehöre insbesondere das Tragen von Masken und ein vernünftiges Verhalten, welches auch das Wohl der Mitmenschen beachte. Hoffnung mache auch die weltweite Forschung nach einem Impfstoff. Eine neue bundesweite Corona-Ampel, über die derzeit viel diskutiert wird, hält Söder für überflüssig. Die Orientierung an den Neu-Infektionszahlen (Inzidenzwert) wie bisher reiche aus.

Niemand dürfe Verschwörungstheoretikern und Rechtsextremisten nachgeben, die versuchten, die Verunsicherung zu kapern und die Demokratie zu kapern, betonte Söder. Für den Freistaat werde er die bei Corona-Demonstrationen oft gezeigte Reichskriegsflagge verbieten.

Für ihn persönlich, die bayerische Staatsregierung und die CSU habe der Erhalt von Arbeitsplätzen und der Vollbetrieb in Schulen und Kindertagesstätten oberste Priorität. Ein zweiter Lockdown müsse auf jeden Fall verhindert werden, sagte Söder. «Wir brauchen ein Regelwerk für alle, das muss verbindlich, verständlich und verhältnismäßig sein.» Zugleich sei aber auch klar, dass der Staat die Krise ohne das freiwillige Mitwirken der Menschen im Land nicht bewältigen könne: «Nur mit Bußgeldern allein kann man das nicht steuern. Es braucht schon eine Koalition der Freiwilligen, eine Koalition der Vernünftigen. Ein Bündnis, der Umsichtigen um in der Menge unseres Volkes den Schutz zu gewährleisten.»

Darüber hinaus müsse aber auch der Bund seinen Anteil leisten, um die Folgen der Pandemie abzufedern: «Nicht Steuern rauf, wie Olaf Scholz sagt, das wäre das falsche Signal, sondern Steuern runter», sagte Söder. Die Politik müsse Anreize setzen für Investitionen und alle Ideen, die das Land voranbringen. Deshalb müsse der Soli für alle abgeschafft werden, die Steuerpolitik müsse familienfreundlicher werden, etwa durch die Absetzbarkeit von Homeoffice. Auch für Unternehmen müsse es niedrigere Unternehmens- und Energiesteuern geben. Für Kommunen brauche es noch lange Hilfen für den Ausfall der Gewerbesteuern und zusätzlich eine Beteiligung an der Umsatzsteuer.

Söder kritisierte aber auch den Stil, mit dem einige Unternehmen wie Conti oder MAN in der Krise mit ihren Mitarbeitern umgingen. Bayern werde überall dort, wo Staatshilfen in Anspruch genommen würden, künftig verstärkt die Sorgfaltspflicht für Mitarbeiter einfordern. Zugleich müsse die Forschung beschleunigt werden, damit Bayern zu einem Start-Up-Land werde.

Um die Wirtschaftskraft zu steigern, brauche es neue Impulse wie eine Prämie für die modernsten Verbrennungsfahrzeuge, dies helfe auch dem Klima, da dann neue, bessere Autos auf den Straßen unterwegs seien. Söder betonte, dass dies nur für eine Übergangszeit gelte, die auch die CSU nicht verlängern wolle. Nach kalifornischem Vorbild fordert er ein Zulassungsverbot für Verbrennungsmotoren ab dem Jahr 2035 - für die CSU bisher eigentlich unvorstellbar. Überhaupt nutzt Söder seine Rede, um für den Klimawandel zu sensibilisieren. Die Klimakrise dürfe in der Pandemie nicht ausgeblendet werden, der Klimawandel bleibe eines der größten Probleme unserer Geschichte.

1818 Kommentare
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  • 6
    4
    Lesemuffel
    28.09.2020

    Hr. Söder hat das Bundesverdienstkreuz verdient, für viel Geschwätz und wenig Substanz. Mal sehen, ab wann die Bayerischen Motorenwerke Söders Förderung folgen und sichern, dass sie ab 2035 nur noch E-Autos ausliefern.

  • 7
    3
    klapa
    28.09.2020

    'Der bayerische Ministerpräsident ist ein Maulheld, im Norden sagen wir: Wir brauchen keine Belehrungen von jemandem, der die höchsten Infektionszahlen zu verantworten hat', - meint Herr Kubicki in der Welt.

    Und deshalb muss sich der sächsische MP an ihm kein Beispiel nehmen.

  • 10
    4
    censor
    27.09.2020

    Von FJS stammt folgendes Zitat:
    "Wer Menschen ohne Grund in Furcht Unsicherheit und Aufregung versetzt, betreibt das Werk des Teufels“

    Nun könnte sich jemand hinstellen und behaupten, es gäbe ja einen Grund.

    Frage: Ist die Tatsache, dass 99,9725% der dt. Bevölkerung NICHT von Covid19 betroffen sind, ein Grund, Panik zu verbreiten?

  • 9
    3
    klapa
    27.09.2020

    M. E. würde sich F. J. Strauß nur wundern, wenn er Herrn Söder so agieren sähe.

    'Ich halte es für eine Zumutung, wenn der Bürger, der kommt, um vom Politiker Auskunft zu erhalten, mit nichtsagenden Floskeln bedient wird.' - O-Ton FJS

  • 3
    2
    klapa
    27.09.2020

    Wir nähern uns Stück für Stück, Hinterfragt.

  • 9
    7
    mops0106
    27.09.2020

    Ich habe gerade mal kurz reingehört: Gruselig. Mir ist das bei den heutigen Missverhältnissen schon öfter eingefallen.

    Wählen sollte man schon gehen. Allerdings mit Wahlen ist das bei den heutigen Verhältnissen nicht zu ändern, da man gegen den Linksblock nicht gewinnen kann.

    Ich bin für (friedlichen) Massenprotest von der Straße aus.

  • 2
    2
    Hinterfragt
    27.09.2020

    @Lesemuffel;

    https://www.youtube.com/watch?v=_KyGUNiYHlk

  • 11
    4
    Tauchsieder
    27.09.2020

    "cen....." hat es auf den Punkt gebracht, da muss man gar nicht weiter sein eigenes Gehirn strapazieren.
    Ein F. J. Str. würde heute wahrscheinlich von selbst aus der CSU austreten. So eine 180° Wende hätte man im tiefsten bayer. Wald nicht für möglich gehalten. Es gab nicht nur Wendehälse zur Wendezeit, sie leben heute unter uns und dies ohne groß damit Probleme zu haben.

  • 11
    4
    Lesemuffel
    27.09.2020

    Söder, der oberste Klimaretter. Jetzt fordert er das "Verbrenner-Aus" ab 2035. Es waren noch gute Zeiten, als Wissenschaftler, Ingenieure,Techniker und Facharbeiter den Lauf der Dinge bestimmten und nicht Politiker. Was passiert, wenn wir wieder dorthin kommen "was die Partei sagt, wird sein"(SED Parole) dürfte bekannt sein.

  • 7
    4
    Urlaub2020
    26.09.2020

    Jeder hat die Wahl zu Wählen wer nicht Wählt brauch nicht zu meckern.

  • 16
    8
    censor
    26.09.2020

    von vorn , das was, wir 1989 mit ihnen gemacht haben.

  • 17
    9
    Einspruch
    26.09.2020

    Ohne tägliche Katastrophenszenarios scheint es heute nicht mehr zu gehen.

  • 8
    11
    vonVorn
    26.09.2020

    @censor, mal ne Frage, was kann man gegen katastrophale Politiker machen?

  • 16
    9
    Echo1
    26.09.2020

    Gut dass es noch alternative Informationquellen gibt. Diese eigentlich primitive Angstmache schlägt bei vielen Menschen ein. Ist aber unerträglich, menschenverachtend. Man macht den Menschen nicht Angst, krank zu werden.

    Es werden schon Sammelklagen gegen Wieler, Drosten...vorbereitet, wegen vorsätzlicher in Insolvenz getriebenen Klein- und Mittelstand.

  • 15
    7
    OlafF
    26.09.2020

    Dieser Vergleich von Herrn Söder übertrifft noch das Marketing der Pharmaindustrie. Es entsteht der Eindruck, Herr Söder wolle mit dem Schüren von Angst, damit seine völlig überzogenen Maßnahmen rechtfertigen und seine Machtposition weiter festigen.

    Bezogen auf die "Pandemie 2009" ausgelöst durch das H1N1-Grippe-Virus
    Prof. Peter Schönhöfer, Mitherausgeber Arznei-Telegramm:

    "Das ist ein Prinzip des Pharmamarketings, dass hier übernommen wird. Und zwar die Pharmaindustrie kann ihr Produkt dann gut verkaufen, wenn die Menschen Angst haben und sich von dem Angebot des Herstellers versprechen, gerettet zu werden.
    Also muss man eine Angstpsychose erzeugen, damit die Leute "weich werden" und nach dem Impfstoff greifen."

    https://youtu.be/ECO4FzFP6Nk

    Die anschließende Impfung mit dem Impfstoff Pandemix hat in vielen Fällen, vor allen in Skandinavien Narkolepsie ausgelöst. Die Betroffenen kämpfen immer noch mit den Folgen.

    https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/63356/Grippeimpfung-Wie-Pandemrix-eine-Narkolepsie-ausloest

    ANGST IST KEIN GUTER RATGEBER , weder in der Politik noch im Gesundheitswesen

  • 10
    11
    Lesemuffel
    26.09.2020

    Gute Kommentare. Nun hat sich dieser Oberopportunist hingesetzt, und an ihn gerichtete Hassbotschaften vorgelesen. Dass es solche miesen Schreiber gibt, ist letzten Endes schrecklich. Aber wo bleibt seine Empörung, wenn Politiker anderer Parteien mit Hass besudelt, bedroht werden, geschlagen, verletzt , PKW's angezündet werden?

  • 16
    11
    Hinterfragt
    26.09.2020

    @censor; ich sage nur Nagel und Kopf ...

  • 25
    17
    censor
    26.09.2020

    Diese Politiker sind eine Katastrophe und Prüfung für die Gesellschaft.
    Allerdings keine Naturkatastrophe, denn gegen die kann man nichts machen, gegen katastrophale Politiker dagegen schon.