Studie: Immer mehr Thüringer mit rechtsextremen Ansichten

Erfurt (dpa) - Immer mehr Menschen in Thüringen stimmen einer Studie zufolge antisemitischen und rechtsextremen Positionen zu. So befürworteten über ein Viertel der Befragten (26 Prozent) die Aussage, der Nationalsozialismus habe «auch seine guten Seiten» gehabt (2018: 18 Prozent).

Der Aussage: «Die Juden haben einfach etwas Besonderes und Eigentümliches an sich und passen nicht so recht zu uns» stimmten 16 Prozent der Befragten zu (2018: 9 Prozent), wie aus Untersuchungen für den in Erfurt vorgestellten Thüringen-Monitor hervorgeht.

Zugleich aber vertraten 90 Prozent der Befragten die Ansicht, Demokratie sei «die beste aller Staatsideen» - so viele wie noch nie seit Beginn der Langzeitstudie. In der Vergangenheit pendelte dieser Wert um die Marke von 80 Prozent; in den Jahren 2017 und 2018 hatte er bei 86 Prozent gelegen.

Die Studie macht zudem eine große Parteien- und Politikerverdrossenheit aus. 72 Prozent der Befragten stimmten demnach der These zu, die Anliegen der Menschen würden nicht wirklich vertreten. 49 Prozent teilten die These, Meinungen könnten nicht mehr frei geäußert werden, weil man sonst Nachteile hätte.

Mit dem Thüringen-Monitor, einer soziologischen Langzeitstudie, werden seit 2000 jährlich Meinungen und politische Einstellungen der Thüringer im Auftrag der Landesregierung untersucht. Für die neue Studie wurden nach Angaben der Universität im Zeitraum zwischen Mai und Juli 2019 insgesamt 1100 Menschen befragt.

4Kommentare
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  • 3
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    tbaukhage
    04.12.2019

    Waaas??? Außer dem Bernd gibt's noch mehr Rechtsradikale in Thüringen?

  • 3
    2
    Echo1
    04.12.2019

    @Distelblüte danke für Ihren umfangreichen
    Kommentar. Also kann man die die Zustimmung mit den "....unangenehmen Juden... " nur als voreingenommen und dumm bezeichnen.
    In den Zahlen steckt auch 30 Jahre unpolitische Schulbildung. Auch die Angst nach 1989 der damaligen Erwachsenen im Osten sich zu den
    Themen der Zeit zu positionieren. Es ging
    um berufliches Vorwärtskommen, um Konsum. Es ging nicht um Geschichte des Nationalsozialismus. Es ging um Stalinismus, Sozialismus war ein Unwort,
    Utopien lagen am Boden.
    Deshalb jetzt diese Werte. Es wäre halt mein
    Wunsch, dass das nicht so wäre.
    Zum Schluss Ihrer Ausführungen noch mal die Frage. Nicht ganz verstanden. Eine Bejahung oder 2 von 10 rechtsextremen Aussagen ging die Person in die 24 % rechtsextrem ein oder nicht? Wenn ja, dann wäre das nicht ganz eindeutig rechtsextrem.
    Trotzdem Zahlen hin und her. Schlimm genug.

  • 5
    6
    Distelblüte
    04.12.2019

    @Echo1: Ich muss Ihnen widersprechen.
    Nicht WEIL Menschen jüdische Mitbürger kennen, pflegen sie antisemtitische Vorurteile, sondern weil sie gerade niemanden jüdischen Glaubens kennen.
    In der Zusammenfassung der Studie heißt es unter anderem dazu:
    "Die Zustimmung zu einzelnen rechtsextremen Aussagen ist in diesem Jahr im Vergleich zu 2018 zum Teil deutlich angestiegen. So ist die Zustimmung zur
    antisemitischen Aussage „Die Juden haben einfach etwas Besonderes
    und Eigentümliches an sich und passen nicht so recht zu uns“ 2019
    im Vergleich zum Vorjahr von neun Prozent statistisch signifikant auf
    16 Prozent angestiegen und liegt auch im mittelfristigen Vergleich
    der vergangenen fünf Jahre auf einem Höchstwert.
    Ebenfalls auf einem Höchststand befinden sich die Zustimmungswerte
    zur Überlegenheit der Deutschen und zur Verharmlosung des
    Nationalsozialismus. Auffällig ist, dass dieser Anstieg nicht alle
    Bevölkerungsgruppen in Thüringen gleichermaßen betrifft, sondern
    insbesondere Thüringer_innen mit geringerem Bildungsgrad,
    aus mittleren Altersjahrgängen und in kleineren Städten bzw. in
    Dorfgemeinden mit weniger als 5.000 Einwohnern."
    Nachzulesen hier ab Seite 8: https://www.komrex.uni-jena.de/komrexmedia/Publikationen/TM2019_Zusammenfassung-p-960.pdf

    Zudem heißt es weiter: "Wie in den vergangenen THÜRINGEN-MONITORen bestätigt sich dieses Jahr erneut, dass es wichtig ist, auf Basis eines gesicherten
    Messinstruments und nicht auf der Basis einzelner Aussagen eine
    Zuordnung der Befragten als rechtsextrem vorzunehmen. Würde
    man auf Basis einzelner Aussagen auf eine rechtsextreme Gesinnung
    schließen, gälten viele Befragte nur deshalb als rechtsextrem,
    weil sie maximal einer oder zwei von zehn Aussagen zustimmten,
    jedoch die Mehrheit der Aussagen explizit zurückweisen.
    Das auf der Konsensdefinition aufbauende und im THÜRINGENMONITOR bewährte Messinstrument mit seinen zwei Unterdimensionen Ethnozentrismus und Neo-Nationalsozialismus
    zeigt im Vergleich zum Vorjahr einen statistisch signifikanten
    Anstieg in der Zustimmung zu rechtsextremen Aussagen, der
    dazu führt, dass mit 24 Prozent fast ein Viertel der Befragten als
    rechtsextrem eingestellt bezeichnet werden muss."

  • 10
    4
    Echo1
    03.12.2019

    Der Aussage: «Die Juden haben einfach etwas Besonderes und Eigentümliches an sich und passen nicht so recht zu uns» stimmten 16 Prozent der Befragten zu (2018: 9 Prozent).
    Wieviel Thüringer von diesen 16 % haben
    schon einmal einen Juden kennengelernt,
    um so eine Meinung zu vertreten.
    Das müsste schon mal bei so einer Umfrage zusätzlich hinterfragen.
    So ist diese Umfrage nicht seriös. Wie kommen die zu so einer Meinung? Glaube das nicht mit die 16 %. An dieser Umfrage ist etwas faul.



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