Umfrage: Hohe Zustimmung für mehr staatliche Krisenvorsorge

Ist Deutschland genügend gewappnet für Notsituationen wie gerade in der Corona-Krise? Forderungen nach deutlich mehr Vorbereitungen und Reserven werden schon laut - und finden eine breite Unterstützung.

Berlin (dpa) - Angesichts der Corona-Pandemie befürwortet laut einer Umfrage eine große Mehrheit der Bundesbürger eine stärkere staatliche Krisenvorsorge.

Ausreichende Vorsorge etwa für Atemmasken und Schutzkleidung für Ärzte und Pflegepersonal finden 78 Prozent ganz besonders wichtig und 20 Prozent wichtig, wie die Befragung im Auftrag des Beamtenbunds dbb ergab. Deutlich mehr Pflegekräfte halten 68 Prozent für besonders wichtig und 29 Prozent für wichtig. Etwa ebenso viele befürworten auch eine bessere Bezahlung. Umfassende Informationen der Bevölkerung, was bei Epidemien oder Katastrophen zu tun ist, sind 65 Prozent besonders wichtig und 31 Prozent wichtig.

Der dbb forderte einen national abgestimmten Investitions- und Innovationsplan für den Katastrophenschutz. Die Corona-Krise lehre, dass Vorsorge alles sei, sagte Verbandschef Ulrich Silberbach der Deutschen Presse-Agentur. Deutschland könne und müsse hier noch besser werden. Erforderlich sei etwa, Notreserven aufzustocken, das Gesundheitssystem zu stärken, Sozial- und Pflegeberufe attraktiver zu machen und Maßnahmenpläne auf allen Ebenen besser abzustimmen.

«Als erste konkrete Schritte fordern wir ein ständiges nationales Zentralregister der Intensivkapazitäten aller deutschen Krankenhäuser», sagte Silberbach. «Es kann nicht sein, dass das im Krisenfall immer wieder neu aufgesetzt werden muss.» Außerdem brauche es eine beim Bund angesiedelte Epidemiereserve für Medikamente und medizinische Schutzausrüstung. Beides müsse von Anfang an mit einer europakompatiblen Schnittstelle versehen werden, damit auch auf dieser Ebene die Koordination schneller gehe. «In Zeiten der Digitalisierung sollte das alles eigentlich kein Problem mehr sein.»

Laut der Umfrage finden 64 Prozent der Befragten die Entwicklung verbindlicher gemeinsamer Notfallpläne für Epidemien von Bund, Ländern und Gemeinden besonders wichtig (wichtig: 31 Prozent). Dass Medikamente wieder überwiegend in Deutschland und Europa statt in asiatischen Ländern hergestellt werden, finden 63 Prozent besonders wichtig und 26 Prozent wichtig. Für die Umfrage im Auftrag von dbb Beamtenbund und Tarifunion wurden den Angaben zufolge am 6. und 7. April 1001 Menschen ab 18 Jahre vom Institut Forsa befragt.

Die FDP im Bundestag mahnte eine bessere Koordination an. Der Faktor Zeit sei gerade bei Epidemien entscheidend und rette Leben, sagte die Fachpolitikerin Sandra Bubendorfer-Licht. Daher sei eine Stärkung des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe als zentrale Leit- und Planstelle unerlässlich. Nötig sei zudem eine dauerhafte strategische Reserve etwa für Material, Lebensmittel und Medikamente für 50.000 Menschen. Diese müsse durch Stromaggregate, Kraftstoff und Trinkwasser-Aufbereitungsanlagen ergänzt werden.

dbb-Chef Silberbach unterstrich die Forderung nach deutlich besserer Bezahlung für die Pflegekräfte in Krankenhäusern und Seniorenheimen. Insgesamt sei ein nachhaltiges Umsteuern bei der Krisenvorsorge nicht umsonst zu haben. Angesichts hoher Zustimmung dafür sei jetzt aber der Zeitpunkt, Steuergeld in die Hand zu nehmen und die nötigen Entscheidungen zu treffen.

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