Virologe Streeck: Nicht nur auf Ansteckungszahlen schauen

Nicht nur auf die reinen Ansteckungszahlen schauen: Die Zahl der positiv getesteten Menschen in Deutschland und Europa steige zwar an, doch gleichzeitig würden kaum mehr Menschen sterben. Der Virologe Hendrik Streeck plädiert für einen Strategiewechsel.

Berlin (dpa) - Der Virologe Hendrik Streeck regt eine Debatte über Umfang und Dauer der staatlichen Beschränkungen zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie an. «Ich plädiere für einen Strategiewechsel», sagte der Direktor des Institutes für Virologie und HIV-Forschung an der Universität Bonn der «Welt am Sonntag».

«Wir dürfen uns bei der Bewertung der Situation nicht allein auf die reinen Infektionszahlen beschränken», sagte er. Zwar steige die Zahl der positiv getesteten Menschen in Deutschland und Europa signifikant an. «Gleichzeitig sehen wir aber kaum einen Anstieg der Todeszahlen.»

Der Wissenschaftler ergänzte, gesellschaftlich betrachtet seien Infektionen mit keinen Symptomen nicht zwangsweise schlimm. «Je mehr Menschen sich infizieren und keine Symptome entwickeln, umso mehr sind - zumindest für eine kurzen Zeitraum - immun. Sie können zum pandemischen Geschehen nicht mehr beitragen.» Streeck sagte, man könne «das Leben ja nicht pausieren lassen».

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55 Kommentare
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  • 4
    3
    censor
    14.09.2020

    @"quatschkopf"
    "Warum ist das noch mal im Sinne der Regierung @censor?"
    In wessen Sinne das ist, wird erkennbar, wenn man ein bisschen in die Tiefe geht.

    Haben Sie schon mal von der Umverteilung des Vermögens von unten nach oben gehört?
    In einer Wirtschaftskrise wie dieser gehen vor allem Mittelständler und Freiberufler in die Insolvenz: Busunternehmer, Künstler, privater Einzelhandel, Handwerksbetriebe, Gastronomie usw. - aber kaum Konzerne, denn die agieren global.

    Was wir nach der Krise erleben werden, ist ein völliger Wandel der Besitzverhältnisse. Es wird für alles nur noch überregional oder gar global agierende Ketten geben (im Handel heute schon vielerorts erkennbar) sowie der Onlinehandel wird noch mehr boomen.
    Notleidende Konzerne wird der Staat sponsern oder ganz übernehmen.

    Gut beraten ist, wer sein Interesse nicht nur auf "das Virus" lenkt, sondern auch und vor allem auf die Vorgänge, die nebenher laufen.

    Zu alledem braucht man nur wenige "Gedankensaltos" zu vollführen.
    Die Anwendung des gesunden Menschenverstandes und das Stellen der Frage "Wem nützt es?" sollte aber schon drin sein.

  • 8
    5
    BuboBubo
    14.09.2020

    "Drosten ist also nicht nur Hellseher, sondern er vergleicht auch Äpfel mit Eiern"

    Danke für diese von göttlichem Fundamentalwissen gestützte Expertise.
    Nur so wird wissenschaftlicher Streit wirklich produktiv.

  • 6
    9
    OlafF
    13.09.2020

    Die Regierungem haben sich hoffnungslos verrannt! Sie finden keinen Weg heraus aus der Sackgasse ohne ihr Gesicht zu verlieren.
    Die Normalität wurde abgeschafft? Es braucht die ständige Angst vor der Gefahr, um das Staatsvolk daran zu gewöhnen. Also warten wir bis zur nächsten "Welle"? Werden bei der nächsten Grippewelle eigentlich alle auf Influenza getestet? Oder Coronabruchstücke oder beides?

  • 9
    8
    quatschkopf
    13.09.2020

    Ja genau. Die Regierung will nämlich hören dass wir bald schon wieder Schulen schließen und Geschäfte dicht machen müssen. Denn die Regierung will ja das wie weniger konsumieren, nicht so viel sinnlos shoppen gehen und nicht mehr in Restaurants gehen, das Menschen endlich wieder mehr in Kurzarbeit gegen und die Regierung endlich mehr Geld für Kurzarbeit und Arbeitslose ausgeben kann und das noch mehr Firmen wegen der Fake Pandemie pleite gehen. Dann gibt es nämlich endlich weniger Steuereinnahmen, was der Regierung natürlich ganz passend kommt um ähhhhh .... Warum ist das noch mal im Sinne der Regierung @censor?

    Wie viele Gedankensaltos muss man eigendlich schlagen um darin eine Logik zu finden? So was schafft man wohl nur mit Genug Wut auf "die da oben".

    Möglich dass man die Strategie ändern kann. Hinterher ist man immer schlauer. Aber die Infektionszahlen steigen aus irgendwelchen Gründen in Deutschland nur moderat und das auch erst seit etwa 4 Wochen. Also nichts überstürzen.
    Zur Zeit gibt es eben mehr junge die sich infizieren und das ohne große Probleme. Sollten die aber die Viren wieder in die Altenheime oder Krankenhäuser tragen wird es unschön.

  • 13
    7
    censor
    13.09.2020

    Prof. Streeck sagt damit im Prinzip nichts anderes, als was seine Kollegen Bhakdi und Wodarg schon vor Monaten sagten. Er kommt zu der gleichen Erkenntnis, dass man eine Epi- oder Pandemie nicht an Testergebnissen festmachen kann.

    Es ist auch selbst für Hobby-Virologen inzwischen nichts Neues mehr, dass eine Epidemie vorbei ist, wenn zwar positiv getestet wird, aber die schweren Erkrankungen und Todesfälle ausbleiben. Das ist ein Zeichen für hohe Herdenimmunität, die eine Aufhebung der Maßnahmen gebietet, weil "das Virus" seine anfangs hohe Infektiosität eingebüßt hat.

    Streeck muss man zugute halten, dass er der einzige der "regierungsnahen" Virologen war, der überhaupt eine empirische Studie (Heinsberg) erhoben hat und daraus echte Daten und Schlüsse ziehen kann, während sein Kollege in Berlin aus seinem Labor nur herauskommt, um vor Kameras zu treten.

    Drosten war es auch, der letzte Woche auf der Anhörung vor dem Gesundheitsausschuss im Bundestag wieder die Alarm-Tröte spielte und meinte, man dürfe auf keinen Fall Maßnahmen lockern, weil in anderen Ländern wie Frankreich und Spanien "die Fallzahlen bereits wieder anstiegen, was bei uns demnächst auch passiere". Drosten ist also nicht nur Hellseher, sondern er vergleicht auch Äpfel mit Eiern, denn jeder, der sich mit der Materie befasst hat, weiß, dass man die Gesundheitssystem der genannten Länder mit unseren nicht vergleichen kann. Spanien hatte wie Italien den härtesten Lockdown von allen und trotzdem die schlimmsten Auswirkungen.

    Da ist mir ein Prof. Streeck doch 100mal lieber. Er kritisiert die Regierung faktengestützt, während der andere (nach meinem Eindruck) immer das sagt, was die Politik gerade hören will.

    Dass man sich in Kanzleramt und Gesundheitsministerium inzwischen völlig verrannt hat, dürfte indes klar sein. Dort sollte man Streeck dankbar sein für seine klare Expertise, die er Drosten auf alle Fälle voraus hat.