Vor einem langen Corona-Winter

Am Montag beraten die Kanzlerin und Ministerpräsidenten über die Frage: Was hat der Teil-Lockdown bislang gebracht? Österreich verschärft derweil die Regeln.

Der Sommer mit deutschlandweit täglichen Corona-Neufällen im niedrigen dreistelligen Bereich liegt weit zurück. Inzwischen sind die Zahlen andauernd so hoch, dass Lockerungen des seit Monatsbeginn geltenden Teil-Lockdowns bei den Beratungen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit den Ministerpräsidenten am Montag nicht zu erwarten sind. Führende Politiker aus Bund und Ländern sprechen bereits über Einschränkungen in den kommenden Monaten. Ein Überblick.

Wie ist die Entwicklung?

Seit Inkrafttreten der strengeren Kontaktbeschränkungen am 2. November sind die Zahlen deutlich gestiegen - von 12.097 täglich neu gemeldeten Ansteckungen auf 22.461 Fälle bundesweit am Samstag. Am Freitag war mit 23.542 Neuansteckungen sogar ein neuer Höchstwert gemeldet worden. Am Sonntag meldete das Robert Koch-Institut (RKI) einen Anstieg um 16.947 Infektionen. Sonntags sind die Werte allerdings stets niedriger, da am Wochenende die Gesundheitsämter weniger Daten ans RKI liefern. Die gute Nachricht trotz des starken Anstiegs ist, dass dieser weniger schnell vonstattengeht.

Ist die Wende also geschafft?

Nein, denn andere wichtige Werte sind weiterhin problematisch. Das betrifft einerseits die Sieben-Tage-Inzidenz, also die Zahl der Neuansteckungen pro 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche. Bei bis zu 50 Infektionen ist die Lage nach Einschätzung der Bundesregierung noch unter Kontrolle, darüber können etwa die Gesundheitsämter die Kontaktnachverfolgung nicht mehr leisten. Am Wochenende lag der bundesweite Wert bei mehr als 140. Zudem betrug der Reproduktionswert in den vergangenen Tagen etwa 1,0. Jeder Infizierte steckt demnach also im Mittel einen weiteren Menschen an. Damit die Ausbreitung des Virus abflaut, muss dieser Wert dauerhaft unter 1,0 sinken.

Worüber wird am Montag beraten?

Die Kanzlerin und die Länderchefs wollen eine Halbzeitbilanz des zunächst bis Monatsende verhängten Teil-Lockdowns ziehen. Vertreter beider Seiten machten bereits deutlich, dass sie sich Lockerungen zum jetzigen Zeitpunkt nicht vorstellen können. Erschwerend kommt hinzu, dass die bislang vorliegenden Daten noch keine allzu große Aussagekraft über die Wirksamkeit der Maßnahmen haben. Denn bis eine Neuansteckung in der RKI-Statistik auftaucht, können bis zu zwei Wochen vergehen. Bei der Sitzung soll zudem darüber gesprochen werden, wie die Corona-Warnapp verbessert werden kann.

Wie ist die Perspektive?

Eine Verlängerung der geltenden Bestimmungen über den November hinaus oder sogar eine Verschärfung ist nicht ausgeschlossen. Kanzlerin Merkel warnte am Wochenende: "Der vor uns liegende Winter wird uns allen noch viel abverlangen." Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) rechnet "zumindest in den nächsten vier bis fünf Monaten" noch mit erheblichen Einschränkungen. Auch Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann dämpfte die Hoffnung auf eine baldige Rückkehr zur Normalität: Erst wenn die Infektionsdynamik auf "durchschlagende Weise" durchbrochen worden sei, "können wir darüber sprechen, wie wir Weihnachten gestalten", sagte der Grünen-Politiker. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) kündigte in der "Süddeutschen Zeitung" an: "Wir können erst nächste Woche entscheiden, ob wir den Lockdown verlängern oder sogar vertiefen müssen."

Droht wieder eine Schließung der Schulen?

"Wir wollen, so es irgend möglich ist, die Schulen offenhalten und Präsenzunterricht ermöglichen", kündigte Regierungssprecher Steffen Seibert am vergangenen Freitag an. Wirtschaftsminister Altmaier regt dafür an, Unterricht etwa in Gemeindezentren, Kulturhäuser oder in ungenutzte Räume von Gaststätten und Hotels zu verlagern. Denn in den Klassenzimmern sei es oft schwer, die Abstandsregeln einzuhalten, sagte er der "Bild am Sonntag".

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