19.000 Euro extra für neue Landlehrer

Ab 1. August zahlt Sachsen auch bereits eingestellten Referendaren einen Sonderzuschlag, stellt dafür aber Bedingungen.

Dresden.

Wie viel Geld es am Ende kosten wird, kann Sachsens Kultusminister Christian Piwarz (CDU) noch nicht sagen - weil er einfach nicht weiß, wie viele Referendare sich darauf einlassen werden. Am Dienstag verkündete er in einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz die konkreten Details für den schon im Frühjahr 2018 angekündigten "Anwärtersonderzuschlag".

Dass es mit der Lösung etwas länger gedauert hat, begründete Piwarz damit, dass sein Haus die Möglichkeiten habe "ausreizen wollen - sowohl monetär als auch von der Gebietskulisse her". Und tatsächlich ist die Regierung dabei an ihre Grenzen gegangen. Als "Bedarfsregion" wird nämlich ganz Sachsen mit Ausnahme von Leipzig und Dresden mitsamt ihrer "Speckgürtel" eingestuft - das heißt, dass etwa in Südwestsachsen alle Referendare die Chance auf den Sonderzuschlag haben. Bei dem wiederum handelt es sich um den Maximalwert: Die monatlich 1046 Euro und 57 Cent entsprechen genau 70 Prozent des gegenwärtigen Anwärtergrundbetrags, ein höherer Zuschlag ist schlicht nicht erlaubt.

Damit winken Sachsens Referendaren auf dem Land monatlich 2500 Euro brutto. Das ist laut Piwarz ein Verdienst, der sie "mit deutlichem Abstand" - wie 2018 angekündigt - "zu den bestbezahlten Referendaren deutschlandweit" machen werde.

Dass ein Teil der Referendare dennoch ins Grübeln kommen dürfte, hängt weniger mit dem zeitlichen Verzug zusammen. Ursprünglich war der Zuschlag schon ab Januar 2019 angekündigt worden. Zwar soll er nun erst ab August kommen. Doch nicht nur diejenigen Referendare, die in zwei Wochen neu anfangen, sondern auch die Starter im August 2018 sollen davon rückwirkend bis Februar profitieren können.

Schwerer indes dürfte eine Bedingung für die Zahlung des Sonderzuschlags wiegen, von der bislang nie die Rede war: Nur wer sich dazu verpflichtet, nach seinem 18-monatigen Vorbereitungsdienst und dem erfolgreichen Ausbildungsende für weitere fünf Jahre auf einer öffentlichen oder freien Schule einer "Bedarfsregion" in Sachsen tätig zu sein, hat demnach Anspruch auf die insgesamt rund 19.000 Euro brutto.

Selbst im "Handlungsprogramm" der Landesregierung vom März 2018 war der Sonderzuschlag lediglich als "Anreiz" dafür angekündigt worden, "dass Referendare und Lehramtsanwärter den Vorbereitungsdienst an Schulen im ländlichen Raum absolvieren" - wo es erheblich "an qualifizierten Bewerbern" mangele.

Bei der Fünf-Jahre-Gegenleistung habe man sich an Erfahrungen anderer Berufsgruppen orientiert, hieß es nun. Piwarz betonte, dass es Sachsen damit um einen "nachhaltigen Klebeeffekt" gehe - damit also die Nachwuchslehrer auch noch nach eineinhalb Jahren Referendariat in einer "Bedarfsregion" bleiben. Dabei müsse es sich "nicht notwendigerweise" um dieselbe Region handeln, in der das Referendariat absolviert wurde. Nach einer Ausbildung in Ostsachsen würde "selbstverständlich" der eigentliche Berufsstart etwa im Vogtland möglich sein.

Von den 2050 Referendarstellen in Sachsen sind laut Ministerium etwa 1500 besetzt. In zwei Wochen beenden etwa 500 Nachwuchslehrer ihre Ausbildung. Diejenigen, die ihnen im Februar folgen, können als Ausnahmeregelung auch bei einem Referendariat in Dresden oder Leipzig den Sonderzuschlag erhalten, wenn sie sich danach zum Gang in eine Bedarfsregion verpflichten. Piwarz kündigte zugleich an, dass ab 1. August 2019 zwei neue Ausbildungsstätten in Löbau und Annaberg-Buchholz ihren Betrieb aufnehmen - um zunächst mehr Grundschullehrer fürs Land zu gewinnen.

Bewertung des Artikels: Ø 3.7 Sterne bei 3 Bewertungen
2Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.

  • 2
    0
    tbaukhage
    16.01.2019

    Vorallem siehst Du jetzt, wofür unsere Steuergelder NICHT ausgegeben wurden: für ausreichend Lehrer für unsere Kinder!

  • 0
    2
    BlackSheep
    15.01.2019

    Endlich weis ich wofür ich Steuern zahle.



Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
Mehr erfahren Sie hier...