Der Elberadweg verliert seinen Top-Status - und nun?

Radtourismus-Verantwortliche Mandy Krebs über Baustellen, nötige Verbesserungen und die neue Lust am Rad.

Der Elberadweg hat den Titel "Beliebtester Fernradweg Deutschlands" eingebüßt. In einer repräsentativen Befragung des ADFC wurde er vom Weser-Radweg abgelöst und landete auf Platz 2. Über Ursachen und Konsequenzen sprach Redakteurin Katrin Saft mit Mandy Krebs, Tourismus-Koordinatorin für den Sachsen-Teil des Elberadwegs.

Freie Presse: Frau Krebs, was bedeutet der Titelverlust für Sachsens Tourismus?

Natürlich ist es immer schön, der Beliebteste zu sein. Der Elberadweg war in der ADFC-Umfrage 14 Jahre lang die Nummer eins in Deutschland. Wir haben allerdings nie so offensiv damit geworben, sondern gesagt: Wir gehören zu den beliebtesten Fernradwegen. Das gilt jetzt nach wie vor. Es hat aber nicht nur die Elbe schöne Ufer. Und kaum ein Radtourist fährt einen Flussradweg mehrfach. Insofern sehen wir den Weser-Radweg auch nicht als Konkurrenz. Vielmehr kooperieren wir seit einigen Jahren mit Deutschlands schönsten Flussradwegen und profitieren voneinander.

Auf dem Elberadweg in Sachsen gab es im vergangenen Jahr sehr viele Baustellen. Einige zwingen Radfahrer auch dieses Jahr zu Umleitungen. Ist das vielleicht eine Ursache für den Titelverlust?

Auch am Elberadweg muss gebaut werden. Für die Infrastruktur bin ich allerdings nicht zuständig. Die obliegt den Kommunen. Wir weisen auf unserer Webseite www.elberadweg.de lediglich auf die Baustellen hin - sofern wir davon erfahren.

Aber Sie können den Zustand einschätzen und wissen, was Radtouristen stört.

Die Infrastruktur ist auf unserem Abschnitt nicht schlecht. Dank des Freistaats war 2016 eine einheitliche komplette Beschilderung möglich. Aber richtig ist, dass man am Ball bleiben muss. Einige Baustellen betreffen den Hochwasserschutz. Dafür werbe ich für Verständnis. Oft wird kritisiert, dass der Elberadweg nicht immer unmittelbar an der Elbe entlang führt. Aber eine Verlegung ist nicht so einfach. Häufig handelt es sich um geschützte FFH-Bereiche. Da sind die Hürden hoch. Es bedarf Gutachten, die für kleine Kommunen mit langen Abschnitten teuer werden können - ohne, dass auch nur ein Meter gebaut ist. Natürlich wären auch mehr Rastplätze schön. Aufgrund des Hochwasserschutzes werden überdachte Rastplätze aber nicht genehmigt. Es gibt immer mehrere Seiten zu berücksichtigen.

Welche Verbesserungen sind aus Ihrer Sicht ganz konkret am dringendsten?

Wenn ich mir etwas wünschen könnte, unabhängig von den Gegebenheiten, dann wäre es im Bereich Dresden der Ausbau des Radwegs zwischen Pillnitz und Wachwitz. Auch der Ausbau des Abschnitts am Körnerweg ist vor allem für Alltagsradler wünschenswert. Und dann gibt es noch ein Teilstück hinter Riesa in Richtung Strehla, wo die Radfahrer auf die Bundesstraße müssen. Das sollte sich ändern, denn wir vermarkten den Elberadweg gezielt auch für Familien. Der Anteil von mitradelnden Kindern nimmt zu - ob hinten im Anhänger, auf dem eigenen Rad gemeinsam mit Eltern oder auch mit den Großeltern.

Immer mehr Menschen legen sich ein E-Bike zu. Wird es dadurch auch auf dem Elberadweg enger?

Ja, wir spüren das. Nicht nur die Radreisenden, sondern auch die Alltagsradler nehmen zu - auch durch die ganze Auto- und Umweltdebatte. Es ist jedoch schwer, das mit konkreten Zahlen zu belegen. Wir bräuchten Zählstellen, wie es sie in Dresden im Bereich Waldschlößchenbrücke gibt. Doch die kosten natürlich. Messen lassen sich lediglich die hohen Besucherzahlen auf unserer Webseite. Im vergangenen Jahr hatten wir dort 450 000 Besucher. Jetzt im Februar waren es deutlich mehr als im Vergleichsmonat des Vorjahres. Das stimmt optimistisch. Denn jetzt ist die Zeit, in der die Leute Radreisen planen.

Der Elberadweg führt durch mehrere Bundesländer. Gibt es eine gemeinsame Vermarktung?

Ja, ohne die wäre der Elberadweg sicher nicht jahrelang ganz vorne gelandet. Denn Radtouristen interessieren Ländergrenzen nicht. Wir haben für die fast 1 300 Kilometer vier Koordinierungsstellen - beginnend von der Quelle in Tschechien bis zur Mündung in die Nordsee. Ich bin zuständig für die etwa 260 Kilometer von der tschechischen Grenze bis Dessau in Sachsen-Anhalt. Wir werben gemeinsam auf Messen - gerade wieder erfolgreich in Holland. Neben der Webseite präsentieren wir uns auf Facebook und Instagram und probieren Pinterest aus. Besonders stolz sind wir auf unser gemeinsames Elberadweg-Handbuch. Es erscheint jedes Jahr in 260 000 Exemplaren und liegt kostenlos aus, zum Beispiel bei Tourismusinformationen.

Wie finanziert sich das alles?

Wir bekommen Fördergeld vom Freistaat. Das Handbuch wird von den radfreundlichen Beherbergungsstätten finanziert, die darin werben.

Wie viele solcher Übernachtungsstätten gibt es auf dem sächsischen Abschnitt?

Auf den 260 Kilometern in meiner Verantwortung machen jetzt circa 180 Beherbergungsstätten mit - vom Campingplatz über die Pension bis zur 5-Sterne-Elbresidenz in Bad Schandau. Etwa jeder zweite Radreisende weiß morgens noch nicht, wo er abends übernachten wird. Die meisten sind Spontanfahrer, je nach Wetter oder Sehenswürdigkeiten.

Was sind die Kriterien für ein radfreundliches Hotel bzw. eine Pension?

Wir orientieren uns da am ADFC. Es muss möglich sein, nur eine Nacht zu bleiben, was kein einfaches Geschäft ist. Der Gast muss sein Rad gesichert abstellen können, denn oft handelt es sich um hochwertige Räder. Der Betreiber muss sich vor Ort auskennen und dem Gast das Gefühl geben, dass er willkommen ist. Es geht um Servicefreundlichkeit. Das Ergebnis der ADFC-Umfrage ist ein guter Anlass, sich noch detaillierter damit auseinanderzusetzen.
 

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