Die AfD-Signale von Klipphausen

Parteichefin Petry will Oppositionsführerin im Bundestag werden. Acht Monate vor der Wahl steht die Partei jedoch wieder vor einer Zerreißprobe.

Dresden.

Es hätte natürlich noch schlimmer kommen können für Frauke Petry. Immerhin wurde die Parteivorsitzende am Sonntag vom Landesparteitag in Klipphausen zur Spitzenkandidatin der sächsischen AfD gewählt. Ob das auch passiert wäre, wenn der Dresdner Richter Jens Maier gegen sie kandidiert hätte statt "nur" auf Rang 2?

In der Partei sind sich da nicht alle sicher - zu stark fiel der Applaus für Maier aus. Der Richter, der am 17. Januar im Dresdner Watzke den "Schuldkult" der Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg für "endgültig beendet" erklärt hatte, nahm davon in Klipphausen nichts zurück. Ausdrücklich bekannte er sich zum Thüringer Landeschef Björn Höcke als Mann, der "Haltung hat", aber zugleich auch zur Führungsrolle von Petry: Höcke sei zwar "ein Teil der Partei, aber kann auch nicht die Partei wirklich nach vorne bringen", das könne nur Petry.

Für sie aber war der in Klipphausen nicht nur von Maier zu hörende Appell an die Geschlossenheit der Partei vor allem deshalb ein Affront, weil er stets auf Höcke gemünzt war. Petry aber hatte dessen Richtung per Rundmail zuvor als "Irrweg" bezeichnet und ihm parteischädigendes Verhalten vorgeworfen. Höcke hatte im Watzke nicht nur eine 180-Grad-Wende beim Umgang mit deutscher Geschichte gefordert, sondern auch die "Halben" und die "Luckisten" in der Partei attackiert, die "keine innere Haltung" besäßen und doch nur "so schnell wie möglich zum Establishment gehören wollen" - eine Anspielung auf Parteigründer Bernd Lucke.

Dass Höcke "zurecht vor den Lauen (,Halben') in unserer Bewegung und Partei" warne, findet auch AfD-Landesvize Siegbert Droese. Zumindest lautet so sein Kommentar, eine Woche bevor der Leipziger in Klipphausen nach Petry und Maier auf den dritten Platz der sächsischen AfD-Liste gewählt wurde. Ebenfalls auf seiner Facebook-Seite findet sich sein Bekenntnis, am 3. Oktober in Dresden "auf der richtigen Seite" gestanden zu haben - also inmitten der Demonstranten vor der Frauenkirche, die Ehrengäste mit "Volksverräter"-Rufen empfangen hatten.

Platz 4 holte sich Detlev Spangenberg, bisher einer von 14 AfD-Landtagsabgeordneten. In seiner "Büttenrede" zum Politischen Aschermittwoch der AfD im Vorjahr reimte der 72-Jährige über die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung: "Selbst aus den fernsten Landen hoffen wir auf Asylanten. Der Nahe Osten ist nun leer, in Afrika wohnt keiner mehr."

Vor einem "linksgrünen Kalifat" und der "Islamisierung" Deutschlands warnte in Klipphausen selbst der Dresdner Gordon Engler, der überraschend gegen Maier auf Platz 2 angetreten war. Auch der 31-Jährige appellierte an die Geschlossenheit der Partei, distanzierte sich aber ausdrücklich von Höcke. Die Deutschen bräuchten "keine 180-Grad-Wende", wer so spreche, rede eben "nicht Klartext" und strebe "nicht 51, sondern ein Prozent" an. Engler monierte auch den "Personenkult" um Höcke. Schließlich bekam er 44 Stimmen, Kontrahent Maier 223.

Der Richter hatte sich ein paar Tage zuvor auf Facebook noch über einen steigenden Umfragewert für die AfD nach der Höcke-Rede gefreut. Da war noch nicht bekannt, dass die meisten Antworten noch vor Höckes Rede gegeben worden waren.

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