Tobias Bilz ist neuer Landesbischof in Sachsen

Der 55-Jährige war einst Pfarrer bei Stollberg. Nun folgt er auf Carsten Rentzing.

Dresden.

Die 677.000 Mitglieder der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Sachsen haben ein neues Oberhaupt. Bei der Wahl zum Landesbischof am Samstag in Dresden setzte sich der einstige Landesjugendpfarrer Tobias Bilz gegen den Meißner Superintendent Andreas Beuchel und die Plauener Superintendentin Ulrike Weyer durch. Im dritten Wahlgang bekam Bilz mit 48 von 79 abgegebenen Stimmen die in diesem Wahlgang erforderliche absolute Mehrheit.

In einem ersten Statement dankte Bilz der Synode für das "große Vertrauen", dass er spüre. "Das ist ein Zeichen, dass wir zusammenstehen werden in dem, was vor uns liegt", sagte Bilz. Am 25. April soll der neue Landesbischof Tobias Bilz in der Dresdner Kreuzkirche in sein Amt eingeführt werden.

Bilz soll nun die als innerlich zerrissen geltende EVLKS zu neuer Einheit führen. Die Wahl war notwendig geworden, nachdem der 2015 gewählte Landesbischof Carsten Rentzing im Oktober 2019 von seinem Amt zurückgetreten war. Grund: Rentzing war mit bis dahin verschwiegenen, rechtsextremen Texten aus seiner Jugendzeit konfrontiert worden. Auch innerhalb der Kirche war Rentzing wegen konservativer Positionen umstritten. Zu den kontroversen Themen in der Landeskirche zählt unter anderem der Umgang mit Homosexualität sowie die Frage, in wie weit die Kirche selbst Rettungsmissionen für Flüchtlinge im Mittelmeer betreibt oder unterstützt. Dabei gilt insbesondere im Vogtland und im Erzgebirge der Anteil an schrifttreuen Kirchenmitgliedern, die ihre Meinung eng an den Wortlaut in der Bibel anlehnen, als besonders hoch.

In seiner Bewerbungsrede am Freitagabend vor der Synode hatte Bilz erklärt, es gelte für die Kirche, gesellschaftliche Bedeutung wiederzugewinnen. Dafür müsse ein Landesbischof die Menschen für geistliche Bewegung ermutigen und Initiativen initiieren. Darüber hinaus gelte es, den Gläubigen in wesentlichen Fragen Orientierung geben - und in Fragen, in denen weniger Orientierung nötig sei, Freiheit. Wie in einer Familie könne es auch in einer Kirche zum Streit kommen, ohne dass die Gemeinschaft infrage gestellt sei. Wenn jemand öffentlich bloßgestellt werde, sei aber "eine rote Linie" überschritten, sagte Bilz. "Da ist Schluss mit lustig." Tobias Bilz wurde 1964 in Dornreichenbach bei Wurzen geboren. Dem Schulabschluss in Pleißa bei Chemnitz und einer Berufsausbildung in Altenburg aus Dresden folgte von 1983 bis 1989 ein Studium der Evangelischen Theologie in Leipzig. Im Juni 1991 wurde er als Pfarrer in Erlbach-Kirchbach bei Stollberg ordiniert. In dieser Zeit war in einem christlichen Schulverein tätig und auch Vorsitzender des Stollberger Pfarrkonvents. Im April 2001 wurde er Jugendpfarrer im damaligen Kirchenbezirk Stollberg, 2008 dann Landesjugendpfarrer. 2019 schließlich übernahm Tobias als Oberlandeskirchenrat um Landeskirchenamt die Leitung des Dezernats IV. Damit ist er in der EVLKS bislang unter anderem für Kirchliche Werke und Einrichtungen, Seelsorge, Gemeindeaufbau und Medien zuständig.

Tobias Bilz ist verheiratet und hat drei erwachsene Kinder. 2015 war er bereits einmal Kandidat bei der Wahl zum Landesbischof. Damals unterlag er aber schließlich denkbar knapp im sechsten Wahlgang mit 38 zu 40 Stimmen gegen Rentzing. Der nunmehrige Landesbischof a.D. hat innerhalb der Evangelischen Landeskirche noch keine neue Postition gefunden. Derzeit übernimmt Carsten Rentzing laut Pressestelle der EVLKS Vertretungsdienste in Gottesdiensten im Raum Freital bei Dresden. Nun hat Rentzing also in seinem einstigen Gegenkandidaten Tobias Bilz seinen Nachfolger gefunden.


Einen Monat für
nur 1€ testen.
Verlässliche Informationen sind jetzt besonders wichtig. Sichern Sie sich hier den vollen Zugriff auf freiepresse.de und alle FP+ Artikel.

JETZT 1€-TESTMONAT STARTEN 
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.