Zurückgetretener Landesbischof Rentzing feierlich verabschiedet

Zu seinem Abschied gibt der zurückgetretene Landesbischof Carsten Rentzing eine denkwürdige Erklärung ab. Darin distanziert er sich von einstigen Positionen, beklagt aber auch eine Intrige gegen sich.

Er sei, sagt Carsten Rentzing, seinen Kindern schuldig, dass sie hier zu Wort kommen. Schließlich, so der zurückgetretene Landesbischof, mussten sie die Hauptlast seines Amtes tragen. Und so liest er in seiner persönlichen Erklärung im Anschluss an seinen Abschiedsgottesdienst am Freitagmorgen in der Dresdner Lutherkirche vor, was ihm seine älteste Tochter mit auf den Weg gab. "In dem Moment, als ich in der ,Tagesschau' las, dass mein Vater rechtsextrem sei, brach für mich eine Welt zusammen", zitiert Rentzing sie. "Das ist Rufmord, Verleumdung. In meinen Augen einfach nur respektlos." Seine zweite Tochter kritisierte, in der Kirche sei mediale Gewalt missbraucht worden.

Rentzing wurden unter anderem seine Mitgliedschaft in einer Studentenverbindung sowie als nationalistisch eingestufte Texte, die er vor 30 Jahren für die rechtslastige Zeitschrift "Fragmente" verfasste, angelastet. Im fraglichen Artikel auf Tagesschau.de wird der Bischof selbst zwar nicht explizit als rechtsextrem bezeichnet, wohl aber seine Texte. Jetzt begründete er seine damaligen Positionen mit "nationalem Überschwang", der ihn nach dem Mauerfall erfasst habe. Seine religiöse Erweckung sei erst spät gekommen. "Von da ab galt meine Loyalität Jesus Christus und der Familie Gottes aus vielen Völkern und Nationen." Jeder nationale Geist, der sich selbst überhebe, widerspräche dem Geist Jesu Christi. Seit 25 Jahren distanziere er sich von allem, das diesem Geist widerspräche. Er habe aber davon abgesehen, seine Vergangenheit offen kundzutun, getreu einem Wort des Apostels Paulus: "Das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden."

Rentzings Meinung nach waren die Texte freilich nur "Angelhaken", um ihm zu schaden. So habe sich nun ein Kommilitone gemeldet, der vor über anderthalb Jahren über ihn befragt worden sei. "Man hat gesucht und schließlich hat man gefunden." Selbstkritik äußerte Rentzing vor allem darin, dass er die Intention der Vorwürfe anfangs nicht überblickt und somit unzureichend darauf reagiert habe. Den Rücktritt begründete er damit, dass er der Kirche "keine öffentliche Debatte über einen vermeintlich rechtslastigen Landesbischof" habe zumuten wollen. Dazu habe ihn niemand gedrängt. Dennoch versicherte Rentzing: "Ich gehe heute nicht im Zorn. Ich gehe in Frieden."

Im Gottesdienst hatte Otto Guse, Präsident der Landessynode, ihn als engagiert, reflektiert und besonnen bezeichnet. "Du standest für Gespräche statt für Ausgrenzung", sagte Guse. Und würdigte, dass Rentzing den Posten in schwierigen Zeiten angetreten habe und in seiner Amtszeit eine Handreichung zur Segnung gleichgeschlechtlicher Paare verabschiedet wurde.

Ralf Meister, Landesbischof in Hannover, kritisierte in seiner Predigt die Petition aus Kirchenkreisen aus Leipzig, in der gefordert worden war, Rentzing solle sich von demokratiefeindlichen Positionen distanzieren. "Petitionen über Personen sind gnadenloses Gift", sagte Meister unter dem Beifall im Kirchenschiff.

Rentzing, nun Landesbischof a.D. - außer Dienst -, genießt in der Landeskirche nach wie vor großen Rückhalt. Nicht nur im Erzgebirge oder im Vogtland, wo er als Pfarrer wirkte. Zwar unterblieben beim Abschied in Dresden Solidaritätsbezeugungen wie Mahnwachen oder Transparente, doch die Gottesdienstbesucher spendeten reichlich Applaus. Er bedauere den Rücktritt und hätte sich mehr Rückhalt für Rentzing von Seiten der Kirchenleitung gewünscht, sagte beispielsweise der Dresdner Georg Frescha. Für den Buß- und Bettag hat Frescha ein Gesprächsforum in der Landeshauptstadt auf die Beine gestellt. Dort soll laut Einladung unter anderem diskutiert werden, wie Christen "auf politische Probleme wie Rechts- und Linkspopulismus, Rassismus, Ausgrenzung und politische Korrektheit" reagieren.

Solchen Fragen widmet sich am Wochenende auch die Landessynode, also das Kirchenparlament. Otto Guse geht es auch um die Frage, inwieweit die Nutzung sozialer Medien angeraten sei. "Wie wird die Nächstenliebe ins Internet transportiert?", formulierte er - und ließ durchblicken, dass auch er Petitionen zur innerkirchlichen Auseinandersetzung für ungeeignet hält.

Rentzings Ausführungen mochte der Präsident der Landessynode nicht kommentieren: "Die Erklärung steht für sich", sagte Guse. Zuvor hatte Rentzing sofort nach der Erklärung die Kirche verlassen - und Nachfragen oder Interviewwünsche abgelehnt.

10Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 2
    2
    Lesemuffel
    17.11.2019

    Apostel Paulus zitierte Herr Rentzing:"Das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden." Das sollten sich alle hinters Ohr schreiben, die es zu ihrer Aufgabe gemacht haben, im Alten herumzuwühlen.

  • 4
    3
    gelöschter Nutzer
    16.11.2019

    @Distelblüte, Selbstgerechtigkeit haben Sie mit diesem Kommentar in Vollendung vorgeführt.

  • 6
    3
    gelöschter Nutzer
    16.11.2019

    @Distelblüte, was gibt es denn zu bereuen für Herrn Rentzing?

  • 4
    8
    Distelblüte
    16.11.2019

    @Franz Udo: Was für eine Polemik. Aber gut. Sollen die erzgebirgischen, erzkonservativen Kirchgemeinden zu Clubs der Selbstgerechtigkeit werden und fein unter sich bleiben. Und irgendwann in der eigenen Erstarrung feststecken.

  • 8
    6
    franzudo2013
    16.11.2019

    Wenn es nichts zu bereuen gibt, gibt es nichts zu vermissen.
    Die eingeforderte Distanzierung oder Reue soll doch nur die Unterwerfungsgeste und die Anbetung der linksgruenen Götzen sein. Der Mann hat nichts getan, was er bereuen muss. Im Gegensatz zu Bedford-Strohm und Marx.

  • 4
    13
    Distelblüte
    16.11.2019

    @1371270: Achten Sie auf Ihre Wortwahl.
    Und: vor der Vergebung sollte die Reue kommen und die Einsicht, dass es etwas zu bereuen gibt. Beides habe ich in der gestrigen Rede vermisst.

  • 9
    6
    1371270
    16.11.2019

    Da haben nun die Heckenschützen ihr Ziel erreicht. Jetzt weiß ich, was ich von den christlichen Tugenden wie Vergebung und Nächstenliebe zu halten habe.

  • 3
    13
    Distelblüte
    16.11.2019

    Irrtum, Franz Udo, Herr Rentzing ist nicht Kirche. Er ist ein Teil davon.
    Von seiner Rede bleibt ein bitterer Nachgeschmack. Er versteht die Kritik als Angriff auf die Kirche, deren demütiger Diener er ist (seine eigenen Worte). Ich habe keinen Pfarrer, und ich kenne mehr als ein Dutzend, je so von sich selbst sprechen hören.
    Herr Rentzing hat sich von nichts distanziert. Er will die Vergangenheit nie wieder kommentieren. Den Wunsch, das alles hinter sich zu lassen, kann ich nachvollziehen.
    Kirche ist sehr viel vielfältiger als nur vom erzkonservativen Ansatz her gesehen.
    Sie ist, abgesehen von der weltlichen Seite, Gemeinschaft mit Jesus Christus. Der Zugang zu Gott, zum Glauben, ist so individuell wie der einzelne Mensch. Wo der eine die Freiheit schätzt, die ihm der Glaube schenkt ( "Zur Freiheit hat uns Christus befreit" - Galater 5,1), will der andere beiderseits seines Lebensweges feste Begrenzungen, Regeln, die ihm Sicherheit geben.
    Wäre Glauben ein Berg, den es zu besteigen gilt, so kann der eine das als Freeclimber angehen, der andere auf den gesicherten Pfaden mit Halteseil. Oben ankommen werden beide.

  • 14
    5
    franzudo2013
    15.11.2019

    Danke für den Tipp. Distelblüte.
    Herr Rentzing kann Kirche und ist Kirche. Das ganze Gegenteil von einem Bedford- Strohm. Das war ein Sieg für die Pharisäer. Aber es ist ein Verlust für Sachsen und ein Verlust für die Kirche. Wer sich darüber freut, zeigt, wessen Geistes Kind er ist.

  • 5
    11
    Distelblüte
    15.11.2019

    Wer sich selbst einen Eindruck verschaffen will, mit welchen Argumenten sich Herr Rentzing verabschiedet hat - hier ist ein Audiomitschnitt:
    https://engagiert.evlks.de/landeskirche/mehr-zu/landessynode/berichte/freitag-15-november-2019/



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