Zusammenhalt in der Gesellschaft: Kretschmer sieht bürgerliche Mitte in der Pflicht

Bayreuth/Chemnitz. Eigentlich hatte an diesem Abend niemand wirklich mit ihm gerechnet: Der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) diskutierte am Mittwochabend in Bayreuth beim Kulturgespräch des Alexander von Humboldt-Kulturforums mit Bürgerinnen und Bürgern. Das Thema ausgerechnet: gesellschaftlicher Zusammenhalt. Die Einladung hatte Kretschmer schon vor vielen Wochen angenommen. Hartmut Koschyk (CSU), ehemaliger Bundestagsabgeordneter, hatte Kretschmer eingeladen. "Michael Kretschmer steht für Verlässlichkeit. Dass er trotz der aktuellen Lage unserer Einladung folgt, ist dafür wieder mal ein Beweis", sagte Koschyk.

Der Ministerpräsident äußerte sich vor rund 80 Zuhörern auch zu den jüngsten Ereignissen in Chemnitz. "Ich bin im höchsten Maße darüber besorgt, in welcher Parallelwirklichkeit große Teile der Bevölkerung leben", sagte er mit Blick auf falsche Informationen, die vor allem in sozialen Netzwerken kursieren. Kretschmer weiter: "Wenn solche Verschwörungstheorien und frei erfundene Informationen die Wahrnehmung der Menschen prägen, ist es verständlich, wenn sie auf die Straße gehen." Er könne sogar verstehen, dass vor dem Hintergrund dieser falschen Informationen das Gefühl entstehe, der Staat schütze seine Bürger nicht. "Das ist ein Angriff auf unsere Wahrheitssysteme. Wir müssen dieses Problem lösen, sonst droht großes Ungemach."

Kretschmer sehe es auch als Aufgabe des Staates, gegen falsche Informationen vorzugehen und eine Wissensbasis zu schaffen, da er bemerke, dass es etablierten Medien immer schwerer fiele, alle Menschen zu erreichen. Allerdings: Er sieht auch die bürgerliche Mitte in der Pflicht. "Wenn Leute auf der Straße schreien und Hass versprühen, muss bei allen das Gefühl einsetzen: Das betrifft mich."

Den Vorschlag eines Bayreuther Bürgers, Chemnitzer und Bayreuther Kinder und Jugendliche bei einem Kulturaustausch zusammenzubringen, nahm Kretschmer auf. "Chemnitz ist aktuell eine geschundene Stadt, in der es wichtig ist, dass sie sich wieder aufrichtet", sagte er und betonte, dass Themen abseits von Rechtsextremismus und Zuwanderung eben dafür wichtig seien.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...