Tschechiens Coronazahlen sinken

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Warum sind die Coronazahlen im sächsischen Nachbarland mittlerweile so niedrig sind und was bedeutet das für Reisen?

Ústí nad Labem.

Die Coronazahlen in Tschechien sinken ungebremst. Weniger als 3000 Neuinfektionen an Wochentagen und unter 1000 am Wochenende. Tschechien ist auf dem Niveau von Mitte September 2020 angekommen, als das Land gerade in die zweite Pandemiewelle startete. Außerdem liegt die Wocheninzidenz nun schon über eine Woche unter 200 und der Wert sinkt kontinuierlich weiter. Am Dienstag lag er bei 156.

Auch die anderen Werte sind positiv. Der R-Wert verharrt unter 1, die Anzahl der Covidpatienten in Krankenhäusern hat sich innerhalb eines Monats auf 3198 mehr als halbiert. In einigen Landkreisen vor allem an der Grenze zu Sachsen liegt die Wocheninzidenz deutlich unter 100: im Landkreis Eger (Cheb) bei 26 und in den benachbarten Kreisen Falkenau (Sokolov) und Karlsbad bei 40 und 51. Die sächsischen Nachbarn können davon nur träumen.

Dabei ist es noch nicht so lange her, dass gerade diese Kreise eine Inzidenz von 1000 und mehr meldeten. Wie lässt sich dieser Umschwung erklären? Das Impftempo ist ähnlich wie in Deutschland. Zwar liegt Tschechien bei der vollständigen Immunisierung mit 8,9 Prozent Impfquote vor Deutschland, hinkt bei der Erstimpfung (18 Prozent) aber hinterher.

Anders als in Deutschland waren die Pandemiemaßnahmen aber viel härter - und sind auch härter als jetzt die Bundesnotbremse. So wurden die Grundschulen erst am 12. April wieder geöffnet. Im Wechselunterricht tragen die Schüler Masken und müssen sich zweimal die Woche testen lassen. Kitas sind weiterhin geschlossen. Nur in drei Bezirken, wo die Wocheninzidenz unter 100 liegt, durften sie am Montag wieder öffnen. Auch die meisten Läden sind im Gegensatz zu Deutschland immer noch geschlossen, bis auf die Grundversorgung wie Lebensmittelmärkte, Apotheken, Drogerien und Tankstellen. Ebenfalls anders als in Deutschland gibt es in Betrieben seit März eine Testpflicht. "Das hat zwar erst die Infektionszahlen nach oben getrieben, ist aber die Grundlage für die verbesserte Situation. Wir sind in der Lage, Infektionsherde zu identifizieren und Infektionsketten zu durchbrechen", sagt Lenka Šimonková, Hygiene-Chefin des Bezirks Aussig.

Das war vor einigen Wochen noch anders. Damals herrschte eine riesige Dunkelziffer von Coronainfizierten. Die ist auch der Grund für die zweite Erklärung der niedrigen Fallzahlen. Offiziell sind mehr als 15 Prozent der Bevölkerung von Covid geheilt. Das ist zwar mehr als in Deutschland (knapp 4 Prozent), aber für eine Durchseuchung reicht das nicht. Der Mathematiker und Regierungsberater René Levínský geht aber von einer weit höheren Dunkelziffer aus. "Viele hatten sich aus verschiedenen Gründen nicht testen lassen, dazu kommen symptomfreie und milde Verläufe", weiß Levínský und veranschlagt das Dreifache der offiziell gemeldeten Zahlen. "Zählt man dann die Impfungen hinzu, kommt man auf eine Immunität bei rund 60 Prozent der Bevölkerung", rechnet Levínský vor. Das erklärt, warum die Zahl der Infektionen nicht mehr so steigen kann wie noch im Februar.

Trotz der guten Lage ändert sich für Reisen nach Tschechien nichts. Das Land gilt weiterhin als Hochinzidenzgebiet. Reiserückkehrer müssen sich elektronisch anmelden, einen negativen Test nachweisen und sich in häusliche Quarantäne begeben. Diese kann nach fünf Tagen durch einen weiteren Negativtest verkürzt werden. Ausnahmen gelten für Grenzpendler. Touristische Reisen bleiben untersagt. Selbst wenn Tschechien bald "nur" noch Risikogebiet sein sollte, ist laut Sozialministerium Sachsen keine Wiederaufnahme des "kleinen Grenzverkehrs" für Wandern und Einkaufen geplant.

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