Des Handwerks goldener Boden - was diese drei Konditoreien erfolgreich macht

"Mit Hand gemacht" - dieses Gütesiegel steht zu Zeiten, in denen alles schneller und effizienter vonstatten gehen soll, auf dem Prüfstand. Viele Firmen kämpfen um den Erhalt ihrer Tradition. Wie schaffen es Familienunternehmen aus der Region, zu bestehen? Drei Familienunternehmen aus Chemnitz und Stollberg zeigen, wie sie Tradition und Moderne vereinen.

Ein duftendes Stück Kuchen am Nachmittag, eine aufwändig verzierte Torte zur Hochzeit oder Pralinen zum Geburtstag - all diese Köstlichkeiten versüßen unser Leben. Die Rezepte dafür entspringen dem Handwerk des Konditors.

In fünfter Generation: die Konditorei Fiedler

Konditorin Sandy Fiedler aus dem Chemnitzer Ortsteil Einsiedel entschied sich, die Tradition ihrer Ururgroßeltern Robert und Nina weiterzuführen. Das Familienunternehmen wurde einst in Oelsnitz/Erzgebirge gegründet. 1937 kaufte die zweite Generation, Helene und Willi Uhlig, eine Bäckerei in Einsiedel und modernisierte diese. Die Familie überstand schwere Zeiten. 1968 musste Christa Fiedler nach dem Tod ihres Mannes den Betrieb allein fortführen, ehe 1980 die vierte Generation und 2018 dann Sandy Fiedler das Unternehmen von ihren Eltern Kerstin und Stephan übernahm.

Die 39-Jährige entschied sich schon früh für den kreativen Beruf und absolvierte ihre Lehre bei einer der besten Konditoreien des Erzgebirges in Thum. Zunächst zog es sie dann in die Welt hinaus, sie lernte in Österreich, Australien und Frankreich viel hinzu. Bei den Franzosen faszinierten sie vor allem die zuckersüßen Macarons, weshalb man die französischen Köstlichkeiten heute in Einsiedel finden kann.

 

 

Sandy Fiedler zeigt, dass Trend und Tradition sich nicht ausschließen. Sie führt ein modernes Unternehmen, präsentiert sich und die detailverliebten Waren gekonnt auf Facebook und Instagram, nimmt an Messen teil, lässt junge Leute ausbilden. Die Kehrseite des Unternehmerdaseins: Sie opfert genau das, weshalb sie eigentlich den Beruf ergriff - das Backen. Ihr Wunsch für die Zukunft: Wieder mehr Zeit für das zu haben, was sie liebt.

 

Wo es anders schmeckt: die Konditorei Bösewetter

Ein Paar Kilometer entfernt, im Chemnitzer Ortsteil Grüna, befindet sich die beschauliche Konditorei Bösewetter. Wer hier durch die Ladentür tritt, der mag bei dem Anblick von Bananenschnitten, Sahnetorte und Havannarollen an zu DDR-Zeiten bewährte und begehrte Konditoreiwaren erinnert werden.

Konditoreimeister André Bösewetter weiß, wie schwierig es war, damals alle Zutaten für seine Rezepte auf Vorrat zu haben. Heute kann der 50-Jährige mit regionalen und frischen Rohstoffen das Beste aus den Klassikern der Konditorei herausholen. Jeder Meister achtet auf hochwertiges Mehl aus der naheliegendsten Mühle und macht keine Abstriche bei Butter, Eier und Milch.

 

 

Auch André Bösewetter spürt den Konkurrenzdruck durch Discounter. In vielen Supermärkten befindet sich eine Backstation. Allein vor der unmittelbaren Haustür in Grüna hat er sechsmal Konkurrenz. Doch der Meister weiß, dass die Qualität der aufwändig zubereiteten Backwaren von seinen Kunden geschätzt wird. Was sie täglich kaufen können, ist mit Bedacht hergestellt, schmeckt vertraut und ist dazu gut verträglich. Der Konditor freut sich auf die nächsten Jahre, in denen seine Kunden die Backkunst wertschätzen.

Leichter wird es nicht: Es fehlt eine Fachverkaufskraft - und die Frage der Unternehmensnachfolge ist unbeantwortet. Denn klar ist: Seine Kinder, elf und 16 Jahre, werden die Tradition nicht weiterführen. "Die harte Arbeit, der große Konkurrenzdruck und die sich ausweitende Bürokratie stehen nicht mehr im Verhältnis zu dem geringer werdenden Verdienst", sagt der Konditor. Seine Kinder sollen nicht so große zeitliche Entbehrungen leiste müssen wie er. Es brauche viel Leidenschaft, um eine Konditorei zu führen. Doch wenn sich die Bedingungen für die Unternehmensführung nicht änderten, reiche das in Zukunft nicht mehr aus.

 

 

Der Baumkuchenmeister: Frank Seidel aus Stollberg

Auch Frank Seidel weiß noch nicht, ob seine Konditorei in Stollberg eine weitere Generation Bestand hat. Er würde sich freuen, 100 Jahre Familientradition feiern zu können. Wofür sich sein zweijähriger Sohn eines Tages entscheiden wird, weiß der 39-Jährige noch nicht. Es brauche Geduld, Geschick und eine gute körperliche Kondition. Wer diese Eigenschaften mitbringe, habe gute Voraussetzungen, Meister der Konditorei zu werden.

 

 

Womöglich helfen die Medien? Backtrends wie Whoopie Pies, Cake Pops oder Naked Cakes werden bei Backshows im Fernsehen oder im Internet hervorgezaubert. Das begeistert und macht Lust auf mehr. Konditor und Innungsmeister Frank Seidel verfolgt die Entwicklung mit Interesse. Er selbst trägt einmal im Jahr einen Backwettbewerb aus und unterstützt Auszubildende dabei, sich neuen Herausforderungen zu stellen.

Wenn es um sein eigenes Geschäft in Stollberg geht, besinnt er sich auf die Familientradition. Seine Konditorei ist bekannt für den Baumkuchen. 30 Minuten muss er vor dem heißen Ofen stehen und die 15 bis 18 Schichten Teig backen. Das mag für den einen sehr anstrengend sein. Frank Seidel tut es mit Hingabe und Leidenschaft. Warum? Weil er damit seinen Kunden eine Freude macht. Er schwärmt: "Mich begeistert die Vielfältigkeit. Mich begeistert es, Kunden zu beraten und Wünsche zu erfüllen. Man kann so viele schöne Dinge machen."

Beschwerlich wird die Arbeit jedoch durch die Bürokratie. Finanz- und Hygienevorschriften, Auflagen zu Inhaltsstoffen sowie neue Anforderungen zur Betriebsausstattung rauben Zeit und Nerven. So muss täglich die Temperatur der Kühltruhen dokumentiert werden, auch wenn diese sich selten ändern. Neben der Bürokratie kämpfen Konditoreien auch mit Finanzierungsproblemen, hohen Mieten und dem Mangel an Fachkräften. Der Konditorei Fiedler, Bösewetter und Seidel gelingt es trotz aller Beschwernisse, mit den Problemen umzugehen. Dennoch erhoffen alle drei, dass die Bürokratie abnimmt.

 

"Ich möchte neue Innungsbetriebe gewinnen", wünscht sich Obermeister Seidel. "Wir sind keine Konkurrenten. Wir sind eine Familie, die sich gegenseitig hilft." Jedes Unternehmen hat seine eigene Geschichte. Jeder Konditor schwört auf seine individuellen Rezepte. Doch alle vereint die Leidenschaft zum Backen. Wer in die Konditorei geht, um Törtchen, Pralinen, Mousse und mehr zu genießen, der macht nicht nur sich selbst eine Freude. Die Familienbetriebe bauen auf ihre Kunden. Wer im Umkreis Chemnitz bestehen will, braucht gute Mund-zu-Mund-Propaganda. Sandy Fiedler, André Bösewetter und Frank Seidel bewahren das Handwerk des Konditors und haben auch in Zukunft für jeden, der es süß mag, etwas Passendes in ihrem Sortiment.

Die vorgestellten Konditoreien im Netz

Konditorei Seidel: https://konditorei-seidel.de

Konditorei Fiedler: https://www.konditorei-fiedler.de

Konditorei Bösewetter: https://www.conditorei-boesewetter.de

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