Gute Startbedingungen für das Börsenjahr 2020

Für Anleger glich das Jahr 2019 an den Finanzmärkten einer Achterbahnfahrt. Ob es im nächsten Jahr so weitergeht, hängt von mehreren Faktoren ab.

Chemnitz/Frankfurt (Main).

Aktienanleger werden den Dezember 2018 in schlechter Erinnerung behalten. Die Kurse entwickelten sich so schlecht wie seit den 1930er-Jahren nicht mehr. Dafür begann das Börsenjahr 2019 mit einem fast ebenso steilen Wiederaufstieg der Aktienmärkte. Doch im Spätsommer gab es erneut einen Dämpfer. "Deutlich wird die Entwicklung am Deutschen Aktienindex, einem besonders sensiblen Börsenbarometer", erklärte Jörg Zeuner, Leiter Research & Investment Strategy bei der Fondsgesellschaft Union Investment.

Nach einem Anstieg um 2500 Punkte seit Anfang 2019 habe der deutsche Leitindex durch Konjunktursorgen und eine Zuspitzung im Handelsstreit zwischen Juli und Ende August über 1300 Punkte verloren. Zum Jahresende seien diese Verluste mehr als wettgemacht worden und das Allzeithoch von 13.590 Zählern sei wieder in Schlagdistanz. "Insgesamt war 2020 damit für Anleger sehr ertragreich, und zwar in vielen Anlageklassen", so Zeuner.

Ob sich die Achterbahnfahrt im Jahr 2020 fortsetzt? Für Jens Wilhelm, im Vorstand von Union Investment für das Portfoliomanagement zuständig, bleibt das Kapitalmarktumfeld aussichtsreich. "Die Märkte pendelten 2019 zwischen unterstützenden Zentralbankimpulsen und politischen beziehungsweise geopolitischen Störfeuern", erklärte Wilhelm die dominierenden Kurstreiber des Jahres. "Beide Faktoren verlieren 2020 an Zugkraft. Die Konjunktur gewinnt am Kapitalmarkt an Bedeutung, während das Spannungsfeld von Geldpolitik und Geopolitik an Bedeutung verliert", meinte der Kapitalmarktexperte. Etwas skeptischer bleibt Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Deka-Bank, des Wertpapierhauses der deutschen Sparkassen. "Es besteht weiterhin ein erhebliches handelspolitisches Risiko für die Weltkonjunktur, denn die Auseinandersetzung der neuen Rivalen USA und China um die globale Dominanz hat erst begonnen", meinte Kater. Der aufkommende Systemwettbewerb zwischen den USA und China werde die Weltwirtschaft in den kommenden Jahren neu aufteilen. Für die Europäische Union (EU) würden sich dadurch nicht nur Herausforderungen, sondern auch Chancen ergeben. Allerdings blieben politische und geopolitische Entwicklungen weiterhin Treiber an den Finanzmärkten. "Wirtschaft und Finanzmärkte werden politischer", zeigte sich der Deka-Chefvolkswirt überzeugt.

Aber es gibt auch positive Signale an der geopolitischen Front. So ist in Großbritannien ein sogenannter "harter Brexit" unwahrscheinlicher geworden. Zwar bleibt eine gewisse Unsicherheit bestehen, da nach dem EU-Austritt der Briten noch die künftigen Handelsbeziehungen geklärt werden müssen. "Aber für die Börsen verliert der Brexit an Schrecken", meinte Union-Experte Zeuner.

Hat die Geldpolitik der Zentralbanken 2019 noch eine unterstützende Wirkung an den Aktienmärkten gehabt, wird sich dieser Effekt nach der Meinung der Experten abschwächen. "Geschrumpfte Spielräume, ein abnehmender Grenznutzen und die flächendeckende Erwartung lockerer Geldpolitik an den Märkten dürften die Kurswirkung einschränken", sagte Union-Vorstand Wilhelm.

Deshalb wird es im Börsenjahr 2020 vor allem auf die Entwicklung der Konjunktur ankommen. "Wir rechnen mit einer Abschwächung des Wachstumstempos, sowohl in den USA als auch in der Eurozone. Das ist nicht schön, aber auch keine Katastrophe", erklärte Wilhelm von Union Investment. Die Deka-Bank rechnet mit einer Stabilisierung der Weltkonjunktur bei einem Wachstum von 3,1 Prozent. Union-Experte Zeuner bleibt für Aktien optimistisch: "Das ruhigere Umfeld verspricht höhere Bewertungen und damit anziehende Kurse, trotz kaum steigender Unternehmensgewinne."

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