Ein Glas VB Cal 1-22, bitte!

Riesling, Grauburgunder und Sauvignon blanc - das kennen die meisten. Aber wie schmeckt eigentlich Cabernet blanc, VB Cal 1-22 oder Cabernet Cortis? Da hilft nur probieren. Hier ein paar Tipps.

Cabernet blanc ist so etwas wie der aktuelle Trendsetter unter den pilzwiderstandsfähigen Rebsorten, den Piwis. Das liegt vielleicht daran, dass die Piwi-Sorte dem beliebten Sauvignon blanc ähnelt. Man findet sie inzwischen bei vielen Weingütern, die sich mit dem Thema Piwi beschäftigen. Zum Beispiel bei dem rheinhessischen Öko-Weingut Schönhals. Das Gut hat einen frischen, schlanken Cabernet blanc mit Noten von Zitrusfrüchten, Anis und Minze im Sortiment. Der trocken ausgebaute Weißwein (zwei Gramm Restzucker) kostet 6,50 Euro. Es gibt hier auch einen sogenannten Orangewein (Naturwein) aus der gleichen Sorte. Der "Oranje" ist maischevergoren, naturbelassen und unfiltriert (Kostenpunkt: 14,80 Euro) - etwas für Kenner.

Ebenfalls in Rheinhessen sitzt das Weingut Abthof in Hahnheim. Ein Fünftel der Weinberge des Familienbetriebs sind mit Piwi-Sorten bepflanzt. Jungwinzer Martin Koch vermarktet diese Weine unter der Marke "Auftakt". Sein 2017er Souvignier Gris trocken erinnert im Duft mit Noten von grünem Paprika und Stachelbeere an einen Sauvignon blanc. Er ist saftig und hat die Kraft eines gehaltvollen Grauburgunder, bleibt aber frisch im Mund (Preis: 7,50 Euro).

Das Staatliche Weinbauinstitut Freiburg im Breisgau hat sich schwerpunktmäßig der Züchtung von resistenten Sorten verschrieben. Das Staatsweingut dient den Wissenschaftlern dabei als Versuchsgut. In der Sortimentsliste steht unter anderem ein Roséwein aus hauptsächlich Cabernet Cortis. Er heißt "Bacat" und ist feinherb, also nicht ganz trocken ausgebaut. Doch die Gerbstoffe der roten Sorte sorgen dafür, dass die dezente Süße im Hintergrund bleibt. In der Nase zeigt er anfangs etwas herbe Noten, im Mund wartet er jedoch sofort  mit schöner Frucht auf  (7,80 Euro).

Cuvée Blanc Edelgräfler trocken  heißt einer der Basisweine im Weingut Zähringer im badischen Heitersheim. Darin stecken traditionelle Sorten (Sauvignon blanc und Muskateller) wie auch pilzresistente Sorten (Johanniter, Cabernet blanc). Ein leicht würziger, zitrusfrischer Wein, der ab Hof 7,90 Euro kostet.  

VB Cal 1-22? Was ist das denn? Hinter der etwas kryptischen Bezeichnung verbirgt sich eine Rotweinsorte des Schweizer Züchters Valentin Blattner, einem Pionier der Piwi-Rebzüchtung. Das Weingut Klopfer aus dem württembergischen Weinstadt-Großheppach hat daraus einen Rotwein namens "Mauerpfeffer" gezaubert, der im Stil einer Bordeaux-Cuvée daherkommt. Die Nase notiert Brombeeren und Kaffee, am Gaumen gibt sich der 2016er Wein feinkörnig, samtig und mit Länge. Kein Wein, der müde macht, sondern durch seine präsente Säure Lust auf den nächsten Schluck (19 Euro).

Maréchal Foch und Léon Millot sind zwei Piwi-Rebsorten, die bereits Anfang des 20. Jahrhunderts in Frankreich gezüchtet wurden, zwei Piwi-Urgesteine sozusagen. Das badische Öko-Weingut Schmidt aus Eichstätten am Kaiserstuhl hat einige Hundert Rebstöcke davon stehen und keltert jährlich rund 800 Flaschen davon. Der aktuelle Rotwein (Jahrgang 2014) weist Aromen von Brombeere, Heidelbeere und Schwarzkirsche auf und ist samtig und elegant im Geschmack. Kostenpunkt: 13,50 Euro.

Das Julius-Kühn-Institut für Rebenzüchtung Geilweilerhof verkauft Weine von den eigenen Versuchsanbauflächen, man findet diverse Piwi-Sorten wie Calardis blanc, Felicia, Regent, Villaris oder Gf1993-22-6. Die weiße Sorte Calardis blanc erhielt erst im Januar den Sortenschutz zugesprochen, Calardis musqué ist erst angemeldet worden.

Auch in Sachsen werden Piwi-Weine gekeltert. Die erste Adresse ist hier das Öko-Weingut Hoflößnitz in Radebeul, die verschiedene Rebsorten im Anbau haben - Johanniter, Cabernet blanc und Souvignier gris ebenso wie Cabernet Cortis und Carbon. Die Rotweinsorte Regent haben mehrere Weingüter im Sortiment, unter anderem Drei Herren in Radebeul, das Weingut Schuh in Sörnewitz und der Meißner Winzer Martin Schwarz (in einer Rosé-Cuvée). Schwarz kann zudem in seiner Wolkenberg-Linie mit den roten Sorten Rondo und Cabernet Dorsa aufwarten. (jdf)

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