Sachsen sparen bundesweit am wenigsten fürs Alter an

Bei den Berufstätigen in Sachsen wächst die Sorge vor dem Ruhestand, bei Rentnern und Pensionären die Unzufriedenheit über ihre Lage.

Die jahrelange Niedriglohnpolitik in Sachsen rächt sich jetzt: Etwa jeder dritte Rentner oder Pensionär fürchtet sich im Freistaat inzwischen davor, im Alter zu verarmen. Ein Jahr zuvor war es nur jeder Vierte. Zugleich legen die Erwerbstätigen im Freistaat aber auch bundesweit am wenigsten fürs Alter zurück. Im Schnitt sparen sie nur 105 Euro pro Monat. Deutschlandweit sind es 141 Euro. Das geht aus dem Deutschland-Report hervor, für den der Versicherer Axa gemeinsam mit dem Institut Yougov Deutschland bundesweit knapp 3400 Erwerbstätige und Ruheständler befragt hat.

Demnach sind die Rentner und Pensionäre in Sachsen mit ihrer Lage deutlich unzufriedener als noch vor zwei Jahren. Etwa nur noch jeder Elfte unter ihnen schätzt seine Lebensqualität besser ein als zuvor im Berufsleben. 2016 war es beinahe noch jeder vierte Rentner. Dabei hat es seither zwei vergleichsweise deutliche Erhöhungen der gesetzlichen Renten gegeben. Doch ohne private Altersvorsorge reicht bei vielen die Rente nicht.

Laut Umfrage mangelt es nicht am guten Willen, fürs Alter besser vorzusorgen. 93 Prozent der befragten Ruheständler im Freistaat erklären, sie hätten zu wenig verdient oder zu wenig Vermögen gehabt, um mehr auf die hohe Kante zu legen. Auch unter den Erwerbstätigen sind es demnach 83 Prozent, die nicht mehr sparen können, weil ihre Löhne oder Gehälter zu niedrig sind. Nur 17 Prozent der befragten Erwerbstätigen verkonsumieren lieber ihr zur Verfügung stehendes Geld, als es für die Altersvorsorge zu verwenden. Das ist bundesweit der niedrigste Wert.

Inzwischen fordern quer durch alle Altersschichten in nahezu allen Einkommensgruppen und Bundesländern sieben von zehn Befragten höhere Renten, in Sachsen sind es 83 Prozent unter den Ruheständlern und 57 Prozent unter den Erwerbstätigen. Beinahe zwei Drittel der 55- bis 64-Jährigen, die vor dem Eintritt ins Rentenalter stehen, haben demnach vor dem Ruhestand heute mehr Angst als früher.

Die Große Koalition hat jetzt eine Kommission eingesetzt, die über die Zukunft der staatlichen Altersvorsorge beraten soll. Aktuell zahlen Arbeitnehmer und Arbeitgeber jeweils 18,6 Prozent vom Bruttolohn in die Rentenkasse. Da die Anzahl an Rentnern steigt, müsste künftig die Rente gekürzt werden, wenn die Beiträge oder das Rentenalter nicht heraufgesetzt werden sollen. Höhere Beiträge zu zahlen, um höhere Renten zu ermöglichen, hält jedoch nicht einmal jeder fünfte befragte berufstätige Sachse für eine gute oder sehr gute Idee. Auch würde demnach nur jeder vierte Erwerbstätige im Freistaat höhere Renten durch neue Schulden finanzieren. 86 Prozent der befragten Erwerbstätigen lehnen zudem eine Anhebung des Rentenalters auf 70 Jahre ab.

Stattdessen halten es drei Viertel der befragten Erwerbstätigen in Sachsen für eine sehr gute oder gute Idee, die Selbstständigen und die Beamten in die gesetzliche Rentenversicherung einzubeziehen. 73 Prozent würden auch die Rentenkasse noch stärker aus den Steuereinnahmen bezuschussen. Eine Mehrheit spricht sich laut Umfrage zudem für einen automatischen Beitritt aller Berufsanfänger in eine betriebliche Altersvorsorge aus.

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5Kommentare
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  • 6
    0
    Fernsehturm
    09.08.2018

    Sehr geehrter Herr Becker,

    mittendrin im Sommerloch berichten Sie über ein Thema, dass die urlaubs- und hitzebedingte Abstinenz vieler Leser nicht verdient hat. Es ist richtig und vorausschauend, wenn die Heimatzeitung das Thema der unzureichenden Absicherung im Alter aufgreift. Aber leider unterläuft Ihrem Beitrag wie so oft bei der Freien Presse ein fataler Fehler. Die Objektivität, die Neutralität und die grundhaft saubere journalistische Recherche ist nicht gegeben. Der Beitrag ist AXA- interessenlastig. Und das ist ein Punkt, warum viele Sachsen auf solche Zahlen einen Pfifferling wetten.

    Was passiert mit der Rendite der AXA- Produkte oder anderer Rentenversicherungen? Jährlich fallen 1,9 % bis 2,2 % für Abschluss- und Verteibskosten, Verwaltungskosten und Kapitalanlagekosten an und werden sofort abgezogen!! Angenommen ein Arbeitnehmer oder Freiberufler hat sich für so ein Produkt entschieden, ist 55 Jahre, spart seit 10 Jahren und möchte mit 65 Jahren eine Rente erhalten. Bei einem Fondvermögen von beispielhaft 50.000 € sind das ca. 1.000 € jährlich. Die Jahresmeldungen solcher Versicherungen gehen gleich von einer Brutto- und einer Nettorendite aus. Wenn der Fond ca. 2 % Wertzuwachs erzielen konnte, wird das in einem Atemzug nach Abzug der Kapitalanlegerkosten zur Nullnummer. Natürlich will ich die Steuerermäßigung nach § 10 EStG nicht vernachlässigen, aber eigentlich kommt unter dem Strich nicht mal das Geld für ein Vogelfutter raus. Da haben sich Politiker und Versicherungsmanager im kühlen Berliner Biergarten ein nicht wirklich nachhaltiges Szenario ausgedacht.

    Und dann tritt die Heimatzeitung noch in die Fußstapfen dieser verantwortungslosen Rechenkünstler und schiebt ein schlechtes Gewissen unter die Massen. Meine Empfehlung: Hände weg, das Leben genießen und bei größeren Ausgaben wirklich auf die Noten gucken und ein bißchen Geld in den Sparstrumpf fürs Alter legen.

  • 3
    3
    aussaugerges
    12.07.2018

    Es ist unglaublich in was für einer extrovertierten Blase der normale Bürger leben muß.

    Im Land der Beamten,Behörden, Bediensteten,Banken und unendlichen Betrüger.
    Es wird immer absurder.

  • 4
    0
    Zeitungss
    11.07.2018

    Langsam aber sicher geht die Saat auf, welche in Sachsen besonders aufs Feld (Niedriglohn) gebracht wurde. Im Vorfeld konnte das nun wirklich niemand wissen, dass es da irgendwelche Zusammenhänge gibt und schon gar nicht, wenn man BWL studiert hat. FP1 hat es eigentlich auf den Punkt gebracht.

  • 6
    0
    1005
    11.07.2018

    Es ist alles nur eine Frage der Verteilung.Wie soll ein Niedriglöhner sich fürs Alter etwas auf die hohe Kante legen.Es lohnt eigentlich gar nicht zu diskutieren,es ändert sich eh nichts.Dem Kommentar von FP1 kann ich nur beipflichten.

  • 5
    2
    FP1
    11.07.2018

    Selbst zu DDR Zeiten konnte man von seiner Rente leben. Heute wird die gesetzliche Rente systematisch gegen den Baum gefahren. Versicherungen wollen daran verdienen. Siehe Risterrente. Die viel Geld haben, haben auch eigene Versorgungssysteme geschaffen und zahlen nichts in die gesetzliche Rente ein. Im Gegenteil. Durch Zweckentfremdung nimmt sich diese Gruppe noch Geld heraus (siehe Mütterrente). Die statt aus Steuermittel aus dem Rententopf finanziert wird. und wer hat das beschlossen? Richtig, die die nicht in die gesetzliche Rente einzahlen. Und diese bestimmen auch noch über die Höhe der Rente. Aber das ist nur ein Beispiel wie der Rententopf der armen Leute ausgeraubt wird.



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