Auf Arbeit in den Wald

Durch den Klimawandel gibt es für Forstwirte wie Klara Meyer mehr zu tun. Zur Messe Karrierestart in Dresden stellt Sachsenforst die Aufgaben vor.

Schwer bepackt stapft Klara Meyer durch den Wald zum Felsenlabyrinth bei Königstein. Lehrausbilder Thomas Fritzsche begleitet sie. Eine umgestürzte Birke ist zu zersägen. Die angehende Forstwirtin hat in jeder Hand eine Motorsäge. Neben einem Kanister mit Reservekraftstoff trägt sie zudem einen Gurt voller Arbeitsutensilien: Keile fürs Fällen, Maßband, Erste-Hilfe-Päckchen, Hammer, Feilenset, Kombischlüssel und Kreide, um den Schnitt markieren zu können.

Auch eine sogenannte Kluppe ragt aus dem Gurt heraus - ein Messinstrument, mit dem sie den Stammdurchmesser misst. Pflicht ist Schutzausrüstung mit Helm Gehör- und Gesichtsschutz, Funk, Schnittschutzhose, Jacke mit Signalfarbe und Schnittschutzschuhe.

Wie ein kanadischer Holzfäller sieht Klara Meyer aus. Mit einem Unterschied: Die 20-Jährige, die aus der Nähe von Glauchau stammt, ist zierlich und entspricht so gar nicht dem Bild eines anpackenden Forstwirtes. "Stimmt", sagt sie. "Die vier Jungs, die noch in meinem Lehrjahr im Forstbezirk Neustadt sind, überragen mich alle." Junge Frauen sind im Beruf auch rar. "Nur jeder 20. Beschäftigte in der Forstwirtschaft ist eine Frau", sagt Heiko Wendrock, Sprecher der Arbeitsagentur Sachsen. Trotzdem ist Klara flink. "Ich mag es, draußen zu sein", sagt die passionierte Reiterin. Nach Abitur und einer Auszeit wollte sie deshalb erst einmal einen Beruf erlernen, wo sie viel an der frischen Luft ist. Forstwirt passte da gut.

Bei Sachsenforst, der knapp 40 Prozent der sächsischen Wälder bewirtschaftet, fand sie eine Lehrstelle. Interesse für Natur und Umwelt sowie körperliche Fitness hatte sie schon. Das Handwerkliche eignet sie sich jetzt an. Klara Meyer ist im zweiten Lehrjahr. Mit den anderen Auszubildenden ist sie zum Sägen, Fällen, Aufforsten, Aufstellen von Zäunen und Tafeln unterwegs. Ganz wichtig ist dafür die Gerätepflege. Die kleinere ihrer zwei Motorsägen steht unter ihrer persönlichen Obhut. Klara Meyer hat auch schon einen Schein für Seilklettertechnik. Denn Forstwirte müssen manchmal hoch hinaus, wenn sie Baumwipfel ausästen oder Zapfen für die Saatgutgewinnung pflücken. "Wichtigste Aufgabe für uns Forstwirte ist derzeit der Waldumbau", sagt Ausbilder Fritzsche. Massive Schäden durch Sturm, Hitze und den Befall von Borkenkäfern, alles Folgen des Klimawandels, hätten viele Hektar zerstört. "Von der anfälligen Fichte verabschieden wir uns. Gepflanzt werden Nadel- und Laubgehölze wie Eiche, Buche und Weißtanne."

Viel zu tun also. Deshalb ist der Bedarf an Fachleuten groß. "Jedes Jahr stellt Sachsenforst 10 bis 15 ausgebildete Forstwirte ein", sagt Toni Eßbach, Leiter der Forstlichen Ausbildungsstätte Morgenröthe-Rautenkranz im Vogtland. Aus ganz Sachsen kommen die Lehrlinge dorthin zur Berufsschule und zu überbetrieblichen Lehrgängen, wie zum Kurs Seilklettertechnik. Voraussetzung für die Ausbildung ist mindestens Haupt- oder Realschulabschluss. "Noch haben wir keine Probleme, die Bewerberzahlen liegen über den angebotenen Ausbildungsplätzen", so Eßbach. "Aber künftig brauchen wir mehr Fachleute. Deshalb bieten wir in den nächsten Jahren mehr Plätze an." Grund genug für Sachsenforst, die Angebote auf der Jobmesse Karrierestart Ende Januar in Dresden vorzustellen. Auch übers Geld wird dort zu reden sein. Die Bruttovergütung für die Lehrlinge beginnt bei 1030 Euro im ersten, steigt auf 1090 im zweiten und endet bei 1140 Euro im dritten Lehrjahr. Als Einstiegsbruttogehalt für Forstwirte zahlt Sachsenforst ab diesen Monat knapp 2500 Euro.

Mit Thomas Fritzsche ist Klara Meyer an der Birke angelangt, die hangabwärts an einem Felsen umgefallen ist. Sie schließt das Visier am Helm, stellt sich hangaufwärts, damit der Stamm nicht auf sie rollen kann. Da eine Unterhaltung bei den Sägegeräuschen nicht möglich ist, sind beide über ein Headset unter dem Ohrenschutz verbunden. Klara ist noch etwas unsicher und schaut auf ihren Ausbilder. Wann es gefährlich werden könnte, bespricht sie mit ihm. "Setz die Säge rechtwinklig zur Stammachse an und geh nicht zu weit in die Druckseite. Säg maximal in Schulterhöhe", ruft er ins Mikrofon. Noch klemmt es etwas, aber Klara schafft es, die Säge in Gang zu setzen. Mit einem Rumms fällt das Stammstück auf den Boden. Weiter geht es zum nächsten Einsatz. Eine abgeerntete Weihnachtsbaumplantage muss beräumt werden.

Haben die Lehrlinge des Forstbezirkes Neustadt nicht gerade im 17.000 Hektar großen Waldgebiet zwischen Bad Gottleuba, Berggießhübel und Neustadt zu tun, arbeiten sie in der Holzwerkstatt. Wegweiser, Tafeln und Hochsitze für Jäger entstehen dort. "Darauf bin ich besonders stolz", sagt Klara Meyer und zeigt auf eine Sitzgruppe: Jüngstes Lehrstück des zweiten Ausbildungsjahres. Klara mag die Abwechslung. Bald will sie noch den Jagdschein machen. Wie es nach der Lehre weitergeht, weiß sie auch schon. In Erfurt will sie Forstwirtschaft studieren. Möglich ist das zudem an der TU Dresden. Weitergehende Ausbildungen zum Forstwirtschaftsmeister oder zum Natur- und Landschaftspfleger sind auch möglich.


Karrierestart

Die Messe Karrierestart findet vom 24. bis 26. Januar im Dresdner Messegelände im Ostragehege statt.

Unter dem Motto "Zukunft selbst gestalten" gibt es Informationen zu Lehrstellen, Studium, Jobs und Existenzgründung in Sachsen und darüber hinaus. Es gibt Hinweise zur Bewerbung und Angebote für Jobsuchende sowie Existenzgründer.

Das Programm umfasst mehr als 150 Vorträgen und Workshops.

Die Karrierestart ist Freitag 9 bis 17 , am Wochenende 10 bis 17 Uhr geöffnet; Eintritt: 5 Euro (ermäßigt 3,50 Euro).www.messe-karrierestart.de

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