Die Straßenwärter

Sie müssen bei jedem Wetter raus und arbeiten oft unter gefährlichen Bedingungen. Azubi Max Stahl erzählt, warum er den Beruf trotzdem liebt.

Durch seine reflektierende Schutzkleidung ist Max Stahl bei der Arbeit schon von weitem zu sehen. Das ist auch gut so, denn der 17-Jährige ist angehender Straßenwärter. Seine Ausbildung absolviert er bei der Autobahnmeisterei Lüdenscheid.

Stahl geht oder fährt mit Kollegen Strecken ab und kontrolliert den Zustand der Fahrbahnen, Parkplätze und Gehwege. Straßenwärter beheben Schäden, übernehmen im Winter den Räum- und Streudienst und beaufsichtigen Baustellen. Nach einem Crash sichern sie die Unfallstelle ab. Solche Situationen können lebensgefährlich sein. "Angst habe ich nicht, aber Respekt vor jeder einzelnen Aufgabe in meinem Berufsalltag", sagt Stahl. Was er an seinem Job mag? "Er ist abwechslungsreich", sagt der Auszubildende. Einfach nur in der Autobahnmeisterei vor einem Computer herumzusitzen, das wäre nicht sein Ding. Stahl gefällt es, "viel an der frischen Luft zu sein und körperlich zu arbeiten." Manchmal geht es darum, Bäume und Sträucher an Böschungen und Gräben zurückzuschneiden, damit Äste und wuchernde Büsche den Verkehr nicht behindern.

"Straßenwärter haben im Blick, dass die Verkehrszeichen und Ampeln in ihrem Bezirk in einem einwandfreien Zustand sind", sagt Hubert Waltering, beim Landesbetrieb Straßenbau NRW zuständig für die Straßenwärterausbildung. Dazu gehört auch, Leuchtmittel auszutauschen und Oberflächen zu reinigen.

Stellen Straßenwärter bei Kontrollen fest, dass die Fahrbahn-Markierungen zunehmend verschleißen, dann erneuern sie diese. Dabei kommen selbstfahrende Markierungsmaschinen zum Einsatz. "Das Warten und Instandsetzen von Maschinen unterschiedlichster Art gehört ebenfalls zum Alltag von Straßenwärtern", sagt Waltering. So müssen Räumfahrzeuge, Streuautomaten oder Schneefräser für den Einsatz bereit sein. Straßenwärter arbeiten mit Motorsägen und bleiben beim Pflanzenschutz auf dem Laufenden. "All das erfordert von Bewerbern um einen Ausbildungsplatz neben körperlicher Fitness handwerkliches Geschick und technisches Verständnis", so Waltering.

Ein bestimmter Schulabschluss ist für die dreijährige Ausbildung zum Straßenwärter nicht vorgegeben. Betriebe stellen laut der Bundesagentur für Arbeit jedoch überwiegend Bewerber mit einem mittleren Schulabschluss ein. In Sachsen sind unter den derzeit mehr als 1800 Beschäftigten in der Straßen- und Tunnelwartung etwa 100 Auszubildende. "In den letzten fünf Jahren ist die Anzahl der Beschäftigten um reichlich zehn Prozent angestiegen, sagt Heiko Wendrock, Sprecher der Arbeitsagentur in Sachsen. Derzeit würden bei den sächsischen Jobcentern 17 freie Arbeitsstellen für den Beruf angeboten. Für das kommende Lehrjahr seien bisher 31 Ausbildungsplätze gemeldet.

Max Stahl hat vor seiner Berufswahl ein Praktikum absolviert: "Ich wollte genau wissen, worauf ich mich einlasse." Denn der Alltag ist gewöhnungsbedürftig: Um verkehrsarme Zeiten optimal zu nutzen, arbeiten Straßenwärter zum Teil nachts. Im Winter müssen sie in aller Frühe ausrücken, um Räum- und Streuarbeiten zu verrichten. Schichtdienst ist also an der Tagesordnung. "Regen und Sturm oder starke Sonneneinstrahlung dürfen einem ebenfalls nichts ausmachen", sagt Stahl. Gleiches gilt für Verkehrslärm, Abgase und Asphaltgeruch beim Erneuern oder Ausbessern einer Fahrbahndecke.

"In jedem Fall müssen Straßenwärter echte Teamplayer sein", ergänzt Waltering. Sie müssen sich auf ihre Arbeit konzentrieren, gleichzeitig das Verhalten von Verkehrsteilnehmern im Blick haben und darauf achten, dass sie selbst und auch Kollegen nicht zu nah am fließenden Verkehr arbeiten. Dann müssen sie Ruhe bewahren - vor allem dann, wenn die Straßenwärter auf einer Autobahn Unfallstellen absichern. Hektik oder nicht untereinander abgestimmte Aktionen sind in solchen Fällen fehl am Platz.

In der Berufsschule lernen die Azubis etwa, wie Straßenwärter Bauwerke instandhalten, Schlaglöcher in Betonfahrbahnen ausbessern und was bei der Pflege von Grünanlagen zu beachten ist. In 22 Wochen überbetrieblicher Ausbildung erwerben sie den Führerschein Klasse C/CE, Motorsägenschein, Radladerschein und vieles mehr. Wer beim Öffentlichen Dienst lernt, erhält als Ausbildungsvergütung 1018 Euro im ersten, 1068 im zweiten und 1114 Euro im dritten Lehrjahr. Facharbeiter können laut Sachsens Arbeitsagentur mit einem Monatsbruttolohn von 3121 Euro rechnen. Wer beruflich weiterkommen will, kann sich beispielsweise zum Straßenwärtermeister fortbilden. Max Stahl möchte erst mal seine Ausbildung erfolgreich zu Ende bringen. dpa/rnw

Hier wird gelernt

 

Berufliches Schulzentrum für Bau- und Oberflächentechnik des Landkreises Zwickau, Werdauer Straße 72: Landesfachklasse für Sachsen;

www.bsz-bautechnik-zwickau.de

Straßenwärter finden Beschäftigung im Öffentlichen Dienst, zum Beispiel bei Straßenbauverwaltungen, in den Straßen- und Autobahnmeistereien der Bundesländer sowie in Baustellensicherungsunternehmen.

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